Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bereits geschlagene 20 Minuten stand Breuer wartend vor der Heimlichen Liebe. Eigentlich ein schlechter Treffpunkt außerhalb der Saison, denn das Lokal war geschlossen. Mit den Händen in den Hosentaschen versuchte er, dem einsetzenden Nieselregen zu trotzen. Angeblich gab es in Ostfriesland kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Die von Breuer passte auf gar keinen Fall an diesen Ort.

Immer wieder liefen Gruppen von Gästen an ihm vorbei. Mal mit Kindern, mal mit Hund. Mit Regenjacke oder Sonnenbrille und tief in die Stirn gezogener Mütze und zusammengeklappten Regenschirm. Merkwürdig, dachte Breuer, als der hastig Vorbeigehende ihn mit dem Regenschirm streifte. Breuer verspürte einen kurzen Stich in der linken Seite. So ein Trottel, warum konnte er den nicht besser aufpassen? Andererseits, warum nutzte er seinen Schirm bei dieser geringen Windstärke nicht?

Mit einem Mal zogen schwarzen Wolken auf. Ganz dicht direkt vor seinen Augen. Einen weiteren Gedanken später umfing Breuer komplette Dunkelheit, dann verlor er das Bewusstsein.

Nebel waberte durch sein Kopf. Ein Gefühl wie in Watte gepackt. Aus der Ferne rief eine Stimme.

„Peter. Peter! BREUER! WACH ENDLICH AUF!“

Zur Bestärkung dieser Aufforderung kippte ihm jemand einen Eimer kaltes Meerwasser ins Gesicht. Breuer schmeckte das Salz, roch das Meer und schlug endlich die Augen auf. Es dauert etwas, bis er wieder klar sehen konnte. Zweifelsfrei saß er fixiert auf einem Stuhl, der sich mitten in einer Landschaft befand, die der Ostfriese als Watt bezeichnete. Vor ihm befand sich ein quadratischer Tisch, auf dem etwas lag. Darauf zeichneten sich schwarze und weiße Schemen ab.

Vor dem Tisch stand jemand mit einem leeren Eimer in der Hand und grinste ihn an.

„Na endlich Breuer.“

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.