Vegan isst anders

Vegan isst anders

Lecker vegan kochen können ist ein Mythos mit vielen Anhängern. Dabei ist Genuss ohne Fleisch nicht das eigentliche Problem.

Genussfrei ohne Fleisch

Wer vegan gut essen will, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann. Der größte Teil der veganen Küche in Deutschland erinnert in Bezug auf Genuss an einen Fisch mit Fahrrad. So was kommt einfach nicht in der Realität vor.

Am vergangenen Samstag haben meine Frau und ich noch herzlich gelacht über das Essay „Friss oder stirb!“ in der Süddeutschen Zeitung. Marten Rolff bringt darin ziemlich gut auf den Punkt, was uns beide bisher an der veganen Küche stört. Wobei, die Formulierung hier ist schon falsch. Es stört nicht die Küche, sondern was vegan lebende Menschen darin versuchen zu fabrizieren. Auch unser Eindruck ist, dass Genuss in der Regel auf der Strecke bleibt. Schließlich versucht man ja, mit einem immensen moralischen Überbau auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten. Selbst wenn dabei die Lust am Essen und die eigene Gesundheit auf der Strecke bleiben. Dabei gibt es doch mittlerweile haufenweise Kochbücher, um vegan zu kochen.

Im Essay gibt es dazu ein schönes Zwischenfazit:

… die vielen Bücher und Artikel, die den Verzicht auf Fleisch propagieren, haben zwei auffällige Gemeinsamkeiten: In kaum einem ist von Genuss die Rede. Und fast keiner der Autoren hat Kenntnisse vom Kochen.
Quelle: SZ, 21. September 2019

Das dies nicht nur eine Behauptung ist, konnten meine Frau und ich gestern ganz praktisch erleben.

Vegan mit Tofu
Nicht vegan isst Käse

Vegan ohne Verzicht

Ohne Zwang haben wir aktuell schon eine ganze Woche kein Fleisch mehr gegessen. Es ist ein Verzicht ohne Zwang, aber vegetarisch, nicht vegan. Rezepte für Veganer sind auch für Vegetarier unproblematisch, umgekehrt sieht das nicht immer so aus. Das aber würde an dieser Stelle zu sehr ins Detail führen.

Wir verzichten einfach auf Fleisch und Wurst, um es dann, wenn uns danach ist, bewusster zu essen. Ja, ich könnte auch eine Bratwurst im Kölner Bahnhof kaufen und essen — nur weiß ich dann halt, was alles an unschönen Dinge darin ist. Etwa nierenschädigende Phosphate.

Wie dem auch sei, zurück zum veganen Kochen. Bei uns gab es gestern „Chili con Rauchtofu“. Einwandfrei vegan, trotzdem bedenkenswert. Über Tofu kann man intensiv diskutieren, vor allem, wenn das Produkt als Fleischersatz verwendet wird. Genau das ist nämlich das Problem: Ersatz statt einfach anders kochen.
Als „geht so“ würde ich daher unser gestriges Geschmackserlebnis bezeichnen. Das Rezept stammt offensichtlich von jemanden, der in Sachen Kochkunst nicht bewandert ist.

In einer ganz anderen Liga spielt ein Chili mit Süßkartoffeln, welches Anleihen an die indische Küche hat. Das Gericht ist 100 % vegan und genusslich der absolute Hammer. Man verzichtet nicht, sondern isst einfach etwas Leckeres.

2 Replies to “Vegan isst anders”

  1. Ich verstehe nur nicht was das jetzt mit vegan oder nicht vegan zu tun hat? Schlechte Rezepte gibt es bei Omni-Kochbüchern genauso. Und aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen: Geschmack ändert sich mit der Zeit. Die ersten Versuche mit Tofu oder Pflanzenmilch waren eher schrecklich. Aber auch das hat mit Ausprobieren zu tun. Ausprobieren anderer Zubereitungsmethoden und ausprobieren anderer Marken, denn da gibt es himmelweite Unterschiede. Mal davon abgesehen, dass ich Tofu nicht als Fleischersatz ansehe, das ist etwas ganz eigenes. Und kein Mensch muss Soja oder Tofu essen wenn er sich vegan ernähren will und diese Dinge nicht mag. Man muss einfach ein bisschen experimentieren was für einen funktioniert. Und im Übrigen, nein, ich bin keine Veganerin, aber habe das mal über knapp 3 Jahre ausprobiert und esse auch gerne heute noch so, nur eben nicht ausschließlich.

    1. Klar, schlechte Rezepte gibt es auch woanders. Das Problem ist aber auch da ähnlich gelagert. Sie stammen überwiegend von Menschen, die eigentlich nicht kochen können. Und genau darum geht es eigentlich im Kern. Essen muss schmecken und zufrieden stellen. Ob vegan oder nicht vegan, ist dabei nebensächlich.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren