Spielemessen als Kostenfalle

Spielemessen als Kostenfalle

Brettspieler am Rande der Armut. Die ausufernde Zahl an Spielemessen und sonstigen Veranstaltung entpuppen sich als Kostenfalle.

Zeit und Kosten

Die Anzahl an Spielemessen und Veranstaltungen rund um das Hobby Brettspiele hat zugenommen. Und das ist auch gut so. Allerdings haben die wenigsten von uns vermutlich so viel Zeit, um überall dabei zu sein. Man muss auswählen, auch weil der Besuch von Spielemessen (auch wenn sie einen anderen Namen haben)  Geld kosten. Nicht nur der Eintritt ist dabei entscheidend, sondern zusätzlich die Kosten für Anfahrt und Unterbringung.

Gestern gab es bei einigen Brettspielern auf Facebook einen Aufschrei, als die Ticketpreise für die im Juli stattfindende Berliner Brettspiel Con bekannt wurde. Das günstigste nicht ermäßigte Tagesticket für Erwachsen kostet 12 Euro. Meine Frau und ich haben daraufhin mal durchgerechnet, was uns der Spaß kosten würde.

Dazu müssen zunächst die Rahmenparamenter definiert werden. Wir sind zu zweit, die Anreise erfolgt mit der Bahn und auf Grund von Berufstätigkeit würden wir lediglich am Samstag auf die Brettspiel Con gehen. Hinzu kommt, dass ich noch eine bahncard 100 besitze (meine Frau eine Partner-bahncard 25), wir aber eine altersgerechte Unterkunft bevorzugen würden.
In Zahlen sieht das dann wie folgt aus:

  • Eintritt: 38 €
  • Unterkunft ibis Hotel: 172 € inkl. Frühstück
  • Bahnfahrt 2. Klasse, Supersparpreis mit bahncard 25: 177,25 €

Zusammen sind das bereits 387 €.

Spielemessen und Anreise
Spielemessen und Anreise

Urlaub oder Spielemessen besuchen

Nicht enthalten in den 387 € ist die sonstige Verpflegung, nur das Frühstück. Von Berlin würden wir in der Zeit wenig sehen. Der Freitag wäre ein Anreisetag, ebenso wie der Sonntag ein reiner Abreisetag wäre. Bei über 5 Stunden Fahrzeit pro Strecke von Köln-Nippes nach Berlin ist das einfach so.

Jetzt kann man natürlich über die Eintrittspreise von Spielemessen lamentieren. Ja, und es ist durchaus auch diskussionswürdig, dass der Eintritt auf der Berliner Brettspiel Con den von der Spielemesse in Essen übersteigt.

Es heißt, es würde seitens der Veranstalter der Berliner Brettspiel Con eine erhebliches unternehmerisches Risiko bestehen. Nun, als Brettspieler sind wir es ja dank Kickstarter mittlerweile gewohnt, dass dieses Risiko auf uns abgewälzt wird. Es wird mächtig auf die Tränendrüse gedrückt. Die Location sei so teuer, alles würde teurer werden und der Benz sei zu klein.

Aber sei wird doch ein Stück weiter dankbar. Spielemessen und die damit verbundenen Kosten haben einen praktischen Effekt. Wer so viel Geld für Eintritt und Co ausgibt, hat weniger Geld für Spiele, die ehedem nur Regalplatz wegnehmen würden.
Meine Frau und ich geben das Geld für die Berliner Brettspiel Con lieber für einen Urlaub auf einer Nordseeinsel aus. Der noch nicht erwähnte Punkt bei den Spielemessen ist zudem noch der, dass man sich meistens auch noch dafür Urlaub nehmen muss. Würde wir wie oben beschrieben am Freitag hinfahren, wäre das ein Urlaubstag bei mir — meine Frau hat da schon Schulferien.

Alternative Optionen

Man kann auch noch die Kosten anders betrachten. Bei einem Spielpreis von 60 € wären das sechs Brettspiel oder eben der Besuch der Brettspiel Con.

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“ schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe. Und Recht hat er. Die Berliner Brettspiel Con ist deshalb für uns so teuer, weil wir die Übernachtungen benötigen und hohe Anfahrtskosten haben. Die im Übrigen ohne meine bahncard 100 noch ganz anders aussehen würden.

Damit sind wir dann beim Punkt: steigende Anzahl an Spielemessen und andere Veranstaltungen. Es gibt nämlich zahlreiche Alternative zu Berliner Brettspiel Con. Vielleicht nicht so groß, aber hey, Mekka für uns alle ist ehedem die Spiel in Essen. Für alles andere gibt es auch kleinere lokale Veranstaltungen, wie etwas die zurückliegende Spiel Doch! in Duisburg oder die bevorstehenden Ratinger Spieletage — die wir sonntags besuchen werden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren