Känguru-Apokryphen hüpfen vorbei

Känguru-Apokryphen hüpfen vorbei

Nach drei wirklich guten Känguru-Bücher hat Marc-Uwe Kling mit den Känguru-Apokryphen noch mal nachgelegt. Darauf hätte er besser verzichtet.

Verdächtiger Teaser

In Märchen hat man drei Wünsche frei, es waren natürlich drei heilige Könige aus dem Morgenland — ein vierter hätte möglicherweise alles ruiniert. So in etwa wie Peter Jackson, der nach drei guten Herr der Ringe Teilen noch drei „Der kleine Hobbit“ draufsetzen musste.
Dieser traurigen Aufzählung schließt sich leider auch Marc-Uwe Kling an.
Bereits im Teaser zu den Känguru-Apokryphen heisst es ernsthaft:

Dies ist nicht die Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Känguru-Chroniken. Triologie bleibt Triologie. Aber ein anständiger Kleinkünstler hat natürlich eine Zugabe vorbereitet.

Den Hinweis sollte man in jedem Fall ernst nehmen. Nicht jede Zugabe ist gelungen und häufig spielen Musiker olle Kamellen, weil sie nichts mehr anderes in Petto haben. Und genau so lesen sich die Känguru-Apokryphen. Für das Buch kann man weder eine Kaufempfehlung noch sonst was abgeben. Nur einen Warnhinweis für Fans der Trilogie, vom vierten Buch besser die Finger zu lassen. Das hört sich wirklich hart an, aber es entspricht genau meinem Eindruck nach dem lesen der Känguru-Apokryphen. Und ich hab mir wirklich Mühe geben, das Buch zu mögen. Schließlich zähle ich mich auch zu den Fans der Trilogie.

Keine Känguru-Apokryphen
Kein Känguru

Sinnlose Känguru-Apokryphen

Die Känguru-Apokryphen sind eine sinn- und zusammenhanglose Aneinanderreihung von Texten. Teilweise sehr, sehr großzügig auf den Seiten verteilt, was das Buch dicker erscheinen lässt, als es eigentlich sein sollte. Ein klassische Mogelpackung, wie ich finde.
Auf jeden Fall erklärt die „Dicke“ des Buches, warum ich es auf der Fahrt nach Borkum Ende des letzten Jahres in einem Rutsch durchgelesen bekam — und noch eine Menge Strecke vor mir lag.
Möglicherweise ist das nicht nur meinem an sich hohen Lesetempo geschuldet, sondern dem Umstand, dass mir eine Menge der Texte ziemlich bekannt vorgekommen sind. Wer wirklich was Neues sucht, ist mit den Känguru-Apokryphen schlecht bedient.
Nimmt man die Bezeichnung Apokryphen so, wie sie gedacht ist, erklärt es eine Menge. Es sind jene Schriften, die es nicht in den biblischen Kanon geschafft haben. Eine sehr frühe Version des Lektorats, wenn man so will.
Man könnte auch sagen, es sind Reste, die aus gutem Grund über geblieben sind. Klar gibt es gute Gerichte aus Resten (etwa Pizza). Aber nicht alles, was man aus Resten zusammensetzt, gelingt. So eben auch das Buch.
Leider habe ich aber auch den Eindruck, dass Marc-Uwe Kling mit dem Känguru den Zenit überschritten hat. Die Figur war wirklich klasse, mehr als drei Bände trägt sie aber nicht. Jetzt muss was Neues, frisches her.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren