Landpartei, Teil 7

Landpartei, Teil 7

Raststätten sind verlorene Orte entlang der Autobahnen. Orte, wo Menschen und Hoffnungen stranden. Modernisierungen schafften es, den Rest individuellen Charme durch eine sterile Anonymität zu vertauschen. Immerhin wurden an solchen Plätzen wichtige Grundbedürfnisse gestillt. Unabhängig von jeder Veränderungen bliebe es Ort der Nahrungsaufnahme und der Erleichterung davon.

Landpartie Trostraum Raststätte
MIH83 / Pixabay

Waltraud lenkte den Wagen auf den dafür vorgesehen Parkplatz der Raststätte Auwald Süd. Von einem Wald oder etwas, welches im entferntesten Sinne dafür durchgehenden könnte, fehlte jede Spur. Die vier Frauen stiegen aus in eine Trostlosigkeit, die lange Fahrt auf der Autobahn wie ein glückliches Erlebnis vorkommen ließ.
Obwohl sich am Himmel nur wenige Wolken zeigten, spielte kein Kind draußen auf dem dafür vorgesehenen Platz. Wie aus dem wilden Traum eines Kunststofffabrikanten entsprungen stand ein einzelnes Klettergerüst auf einer rechteckigen Fläche. Akkurat war diese mit Beton umfasst und mit Hackschnitzel gefüllt.

Es gab die Wahl zwischen Wurst und Fritten im stehen oder einem Raststättenshop, der neben Sitzmöglichkeiten mit einem reichhaltigen Buffet warb. Für Kinder wurde sogar ein spezieller Preis angeboten, der sich nach Körpergröße richtete. Warum man dafür ausgerechnet mit einem weinenden Kind warb, erschloss sich niemanden. Immerhin, familienfreundlich stand eine Mikrowelle mit kostenloser Babynahrung in Kassennähe. Im Bälleparadies tobten zwei Kinder, die Hedwig bekannt vor kamen. Waltraud versuchte die Stimmung mit einer einladenden Geste aufzuheitern.

„Ich lad euch ein.„

Es wirkte so, als stünde man in diesem Moment vor einer Zahnarztpraxis.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren