Landpartie, Teil 2

Landpartie, Teil 2

Waltraud fühlte sich sicher und ging von keinem Widerspruch gegen ihren Vorschlag aus. Auf den ersten Blick hörte sich ihr Vorschlag wie eine Schnapsidee an. Von dem hatten sie für jedes erfolgreiche Tichu bereits einige getrunken. Genau das gehörte auch zum Plan von Waltraud. Als sie zusammen mit Hildegard in einem furiosen Finale den Sieg für sich entschieden hatte, warf sie ohne Ankündigung eine Ausgabe der Lausitzer Morgenpost auf den Tisch.

„Im Osten wird es einsam“ stand auf der Titelseite. Im dazugehörigen Artikel ging es um die schrumpfende Bevölkerungszahl im Osten, aber auch um Ostdeutsche Kreise mit Männerübschuss. Es blitzte in Waltrauds Augen, als sie die Zeitung wieder an sich nahm und laut vorlas.

Landpartie Männermangel
RyanMcGuire / Pixabay

„Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung spricht von ‚Not am Mann‘ in der Lausitz. Auch viele Männer über 50 würden alleine ohne Frau sein.“

Die anderen blickten Waltraud fragend an.

„Versteht ihr denn nicht? Da liegen uns die Männer zu Füßen. Wir können uns einen aussuchen. Oder zwei, drei.“

Besonders überzeugt sah keine der Frauen am Tisch aus. Marlies fasste die Skepsis als Erste in Worten.

„Noch ein Mann? Gerade du solltest doch genug haben.“

Eine Steilvorlage für Waltraud, die von Marlies Verhältnis zum Blumenhändler am Friedhof wusste.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren