E-Mail Verteiler

E-Mail Verteiler

Technische Neuentwicklungen können nicht über den Zustand digitaler Höhlenmalerei hinwegtäuschen. Während die einen Menschen zu Hause VR-Brille nutzen, fehlt woanders das Verständnis von simplen Dingen wie E-Mail Verteiler.

Abgehängt im Alltag

Über so was wie kulturelle Teilhabe kann man trefflich streiten. Was gehört dazu, was nicht und muss so was Teil einer Grundsicherung sein? Schnell macht mich so was wütend. Einfacher dagegen ist es, wenn es um Kulturtechniken geht, die aus meiner Sicht mittlerweile selbstverständlich sein sollten. Aber der Reihe nach.
Gestern stellte Apple wieder „neue“ Geräte vor. Die technische Spezifikationen war dazu geeignet, einem am Abend noch mal so richtig die Laune zu verderben. Das iPad Air ist längst Geschichte, auch das Modell Nummer zwei, welches bei mir noch zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Einen Nachfolge gibt es in der Größe nicht, nur ein neues Einsteigermodell — mit einem deutlich schlechterem Display. Freundlicherweise hat Apple dann gleich wieder den Wahnsinn wie bei den iPhones kopiert. Ein Modell mit &$ GB gibt es nicht, nur den Sprung von 32 zu 128 GB.
Wer ein besseres Display möchte, kann eine Nummer kleiner nehmen und zu iPad mini greifen. Da ist dann aber der schlechtere Prozessor drin — und nur eine Speicherkonfiguration möglich. Der Rest nimmt dann die teureren Pro Geräte. Die aber eben auch größer sind.

Historischer E-Mail Verteiler
gentle07 / Pixabay

Nutzt E-Mail Verteiler

Die Idee bei Apple ist es angeblich, günstige iPads für den Schulbetrieb anbieten zu können. Als ob es das wäre, woran es an Schule in Bezug auf die Digitalisierung scheitert. Nein, es sind viele andere Dinge. Viele Personen aus dem Lehrerkollegium befinden sich längst noch nicht im Zeitalter der Aufklärung, sondern wenn überhaupt in der digitalen Steinzeit. Damit sind wir dann beim E-Mail Verteiler, der für mich ein sehr deutliches Beispiel ist. Vor allem auch, weil dieses Beispiel über Schulen hinaus geht und mir fast überall immer wieder vor die Füße fällt.
Was soll man von einem Lehrer halte, der Informatik unterrichtet und eine E-Mail an Eltern schreibt, dabei aber alle Empfänger in das „An“ Feld setzt? So das wirklich jeder nicht nur sehen kann, an wen die E-Mail ging, sondern gleich noch alle anderen E-Mail Adressen?
Ehrlich, eine E-Mail Adresse ist auch etwas, was zu den privaten Daten gehört. So was posaunt man im Normalfall nicht raus. Daher gibt es schon seit Mitte der 90er Jahre E-Mail Verteiler. Neudeutsch nennt sich das „Mailingliste“. Auf den Punkt gebracht wird eine E-Mail Adresse angelegt, die kein eigenes Postfach hat, sondern alles, was an sie gerichtet wurde, unmittelbar an andere E-Mails, die sich auf einer Liste befindet, weiterleitet.

Praktischer Nutzen

Da man sich in mehrer solcher Listen eintragen und davon auch wieder abmelden kann, ist so ein E-Mail Verteiler ein ziemlich nützliches Werkzeug der Kommunikation. Wenn zum Beispiel eine Liste existieren würde, welche die Adresse postbote@meine-nippes-nachbarn.de hätte, können sich dort alle eintragen, die sich als Nachbarn in Nippes fühlen — selbstverständlich können neue Empfänger sowohl automatisch als auch erst nach Freigabe auf der Liste eingetragen werden.
Gibt es etwas, was alle interessieren könnte, wird an postbote@meine-nippes-nachbarn.de geschrieben. Dank E-Mail Verteiler bekommen alle die Information, ohne das irgendjemand die E-Mail-Adressen auf der Liste zu Gesicht bekommt. Recht Praktisch, oder?
Wie gesagt, manchmal habe ich den Eindruck von digitaler Steinzeit. Was Schule anbetrifft, aber auch darüber hinaus geht. Möglicherweise liege ich auch falsch. Im Zeitalter von Facebook ist ein E-Mail Verteiler nur eine der verlorenen gegangenen Kulturtechniken. Längst vergessen und überholt. Wäre schade. Und erklärt auch immer noch nicht, warum dann nicht ein soziales Netzwerk genutzt wird, statt E-Mails an dreißig oder mehr Empfänger zu verschicken.
Nö, wir nutzen Facebook aus Gründen des Datenschutzes nicht. Klar, und deshalb posaunt man E-Mail Adressen Dritter einfach so hinaus.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren