Moral im Spiel

Moral im Spiel

Auch abseits der Diskussion um so genannte Ego-Shooter ist die Frage nach der Moral im Spiel berechtigt. Aber gibt es überhaupt echte moralische Entscheidungen, die dem Spieler abverlangt werden?

Brettspiele versus Computerspiele

Als Spieler in zwei Welten breche ich erst gar nicht eine Grundsatzdiskussion vom Zaun. Mir gefallen beide Sorten des Zeitvertreibs. Sicher gibt es Unterschiede, aber das ist auch gut so. Mir ist allerdings aufgefallen, dass es beim Brettspielen erheblich weniger Situationen gibt, die einem eine moralische Entscheidung abverlangen. Damit meine ich nicht das Verhalten gegenüber seinen Mitspielern, sondern Entscheidungen, die einem das Spiel selber abverlangt.
Aus dem Stegreif fällt mir nur ein Brettspiel ein (hier darf auch gerne in den Kommentaren ergänzt werden), „This War of Mine“ — und das ist auch noch eine Adaption des gleichnamigen Computerspiels. Ansonsten sind die Spiele thematisch soweit abstrahiert, dass sie keine moralische Entscheidung verlangen. Entscheidungen, die man ansonsten trifft, beziehen sich lediglich auf Situationen, die den Spielverlauf beeinflussen und sind rein mechanischer Natur. Wenn man Brettspiele und Moral betrachtet, dann fast nur in Bezug auf Thema des Spiels. So spielt „Mombasa“ zur Kolonialzeit, letztendlich werden Einwohner von Afrika ausgebeutet — auch wenn das im Spiel selber nicht vorkommt. Offensichtlicher ist das bei der gesamten Palette von Wargames — wenn etwa in Unconditional Surrender der gesamte zweite Weltkrieg nachgestellt wird.

Moral
janeb13 / Pixabay

Simulierte Moral

Deutlich stärker sind moralische Entscheidungen Bestandteil von Computerspielen (beziehungsweise Konsolenspielen). Hier haben die Entscheidungen weitreichende Konsequenzen im Hinblick auf den weiteren Spielverlauf. Ob man in „Knights of the Old Republic“ zum Jedi oder Sith wird, wirkt sich auch auf das Spielende aus. Bei „Mass Effect“ sorgen die Entscheidungen für ein anderes Verhalten der Nichtspielerfiguren. Dennoch sind es simulierte moralische Entscheidungen, denn zu keiner Zeit wird der Spieler dazu gezwungen, sich ernsthaft Gedanken zu machen. Auch hier würde ich dem bereits erwähnten „This War of Mine“ eine Ausnahmerolle zuweisen — auch wenn es sicher eine Reihe mehr Computerspiele gibt, die dem Spieler eine moralische Entscheidung abverlangen.
Manchmal ist es aber auch so, dass die man als erwachsener Spieler die zu treffenden Entscheidungen selber hinterfragt oder hinterfragen sollte. So ging es mir gestern bei Far Cry 4. Vermutlich ist es nicht wirklich spielrelevant, aber ich fand die Situation schon wert, mir darüber länger Gedanken zu machen.

Mittel und Zweck

Heiligt der Zweck die Mittel? Ist es moralisch vertretbar, mit Geld aus Drogenverkäufen ein gutes Werk zu tun? Im Kern ging es genau darum bei Far Cry 4. Eine Rebellenführerin verlangt von der Hauptfigur, die Opiumlieferung des Bösewichtes zu sichern, damit Schulen gebaut und Krankenhäuser mit Medikamenten versorgt werden können. Der andere Rebellenführer wollte, dass ich die Lieferung verbrenne. Es sei eine Frage der Moral und an dem Geld von den verkaufen würde immer Blut kleben. Die Rebellenführerin drückte auf die Tränendrüse, sie sei eine Frau und habe es bei den Rebellen besonders schwer, man müsse sie und ihre Position unterstützen. Der Rebellenführer wolle eine rückwärts gewandte Gesellschaft, wo die Frauen unterdrückt würden.
Für was entscheidet man sich? Ich für meinen Teil habe die Drogen verbrannt. Es fühlte sich einfach besser an.

2 Replies to “Moral im Spiel”

  1. Winter der Toten verlangt moralische Entscheidungen, zb. ob man noch mehr Leute im Camp aufnimmt oder jemand vor Zombies rettet. Allerdings ist das Spiel mMn so weit abstrahiert, dass es nicht wirklich ans Gemüt geht.

  2. Stimmt, „Winter der Toten“ habe ich tatsächlich vergessen. Aber wie du bereits schreibst, es geht wirklich nicht ans Gemüt und man macht sich auch keine weiteren Gedanken dazu.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren