Kooperative Spiele

Kooperative Spiele

Wer kooperative Spiele spielt, sollte die Spielregeln auch korrekt befolgen. Andernfalls wird das Spielen überflüssig.

Eindrücke eines Verlierers

Ganz persönlich habe ich in den letzten Wochen den Eindruck bekommen, dass kooperative Spiele auf zwei Sorten von Menschen treffen, die sie spielen. Die eine Sorte verliert lieber, als das sie die Regeln verbiegt. Der anderen kommt es eher auf die gute Stimmung am Spieltisch an. Natürlich möchte man als Spieler ein Spiel auch gewinnen. Ganz unabhängig davon, ob es kooperative oder kompetitiv ist. Gleichzeitig steht zumindest für mich aber auf gleicher Stufe die korrekte Anwendung der Spielregeln. Bereits als Kind habe ich mich weniger über verlieren als über falsches spielen geärgert. Regeln geben den Rahmen vor, verändert man sie zu seinen Gunsten, mogelt man — oder cheatet, wie man das bei Computerspielen nennt.
Wenn es mir nur um eine gute Story geht, kann ich ein Buch lesen oder gemeinsam mit anderen einen Film anschauen (oder zusammen ins Theater gehen). Sicher sollen kooperative Spiele auch Spaß machen. Der geht mir aber ab, wenn ich betrüge, um zu gewinnen und die Story wieder voran zu treiben.

Kooperative Spiele
falco / Pixabay

Kooperative Spiele brauchen Regeln

Auch kooperative Spiele haben und brauchen Regeln. Es ist auch keine Frage, dass es sowohl gute Vertreter als auch schlechte Vertreter ihrer Gattung gibt. Zu letzteren zähle ich auf jeden Fall Pandemic Season 2. Wenn vier erwachsene, durchaus erfahren Spieler ziemlich auf die Nase fallen, liegt es möglicherweise nicht an ihnen, sondern am Spiel selber. Das wäre soweit keiner Erwähnung mehr wert, wenn ich nicht kürzlich einen Text darüber gelesen hätte, wie grandios Pandemic Season 2 doch sei. Vor allem, wie einfach das Spiel gerade in den letzten Spielmonaten wird. Unsere Gruppe hatte da einen ganz anderen Eindruck.
Ich will niemanden etwas unterstellen, aber wer bei Pandemic Season 2 durchgeht wie durch Butter, sollte noch mal im Regelheft nachlesen, ob er alles korrekt befolgt hat. Dieses Gefühl, im Spiel vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe zu stehen, hatte ich gestern wieder. Diesmal ging es nicht um merkwürdige Seuchen, sondern um die Reise nach Norden (dem zweiten Teil von Andor). Gleich die erste (7. Legende), die zur Einführung der großen Erweiterung dient, fanden meine Frau und ich extrem schwer. Erst im sechsten Versuch gelang es uns ganz knapp die Legende zu gewinnen. Dabei haben wir regelkonform gespielt.

Wohlfühlen am Spieltisch

Spielen sollte sich von Arbeit deutlich unterschieden. Einer der Gründe, warum mir „First Martians“ beispielsweise gar nicht gefällt. Gleichzeitig sollte aber auch immer eine gewisse Form der Herausforderung vorhanden sein. Sonst ist mir das jedenfalls zu langweilig. Wichtig ist zudem, dass sich alle am Tisch wohlfühlen. Dazu kann man als Gastgeber seinen Teil beitragen, aber auch das Spiel selber. Mit einem schlechten Spiel kippt die Stimmung — es sei denn, es ist so trashig, dass es witzig ist.
Pen & Paper Rollenspiele sind in gewisser Weise auch kooperative Spiele. Sie waren die ersten, mit denen ich in Kontakt kam. Gemeinsam bestand die Gruppe Abenteuer. Eine wichtige Funktion hatte der Spielleiter am Tisch. Er musste im Prinzip als einziger die Regeln kennen. Er war es, der durch das Abenteuer führte und die Gegenspieler der Helden steuerte. Dafür, dass er einige Würfelproben verdeckt durchführte, gab und gibt es gute Gründe. Die Spieler müssen nämlich nicht alles wissen. Aufgabe eines guten Spielleiters ist es, dass die Gruppe insgesamt eine schöne Zeit erlebt — auch wenn es anstrengend ist und Rückschläge gibt. In seiner Verantwortung liegt es, Regeln zu biegen und Würfelergebnisse zu ignorieren.

Mechanismus statt Spielleiter

Spiele wie Andor, Pandemie, Die Zwerge und viel kooperative Spiele mehr benötigen keinen Spielleiter. Das ist auf der einen Seite eine Stärke und ein Zugewinn, da alle am Tisch gleichermaßen in ein gemeinsames Abenteuer involviert sind. Auf der anderen Seite fehlt hierdurch aber der Spielleiter, der mal ein Auge zu drückt wenn es eng wird. Mechanismus und Regeln treten an seine Stelle.
Natürlich stehe es den Spieler frei, Regeln zu missachten. Hier biegt dann aber nichts, sondern es bricht. Für kooperative Spiele ohne Spielleiter ist es essentiell, dass die Regeln korrekt eingehalten werden. Andernfalls wird das ganze Spiel ad absurdum geführt. Sicher ist es schöner, wenn man gewinnt und alle Spaß haben. Wenn das aber nur dann gelingt, wenn man die Regeln zu seinen Gunsten auslegt oder falsch spielt, dann stimmt etwas mit dem Spiel selber nicht. Was mich dann wieder zu den Punkt bringt, dass meiner Meinung nach Pandemic Season 2 ein schlechter Vertreter seiner Gattung ist.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren