Personalkarussell der SPD

Personalkarussell der SPD

Der Koalitionsvertrag steht, das Personalkarussell der SPD dreht sich. Alles könnte gut laufen, wenn die böse Basis nicht wäre.

Hoffnung ohne SPD

Die Hoffnung stirbt zuletzt, heisst es. Bis gestern hatte ich geglaubt, in der SPD-Parteispitze würde es zumindest ein Fünkchen Anstand geben. Ja, das war sehr naiv von mir, ich weiß. Es drehte sich am Mittwoch das Personalkarussell. Nicht schnell, so das es einem schwindelig wurde. Trotzdem gibt es guten Grund, sich völlig nüchtern zu erbrechen. Eine Rochade, die in ihrer Dreistigkeit staunen lässt. Martin Schulz tritt als Parteivorsitzender zurück. Hört sich im Prinzip ja vernünftig an. Man glaubt, da würde jemand endlich Verantwortung übernehmen für den Mist. Aber so ist es nicht.
Schulz tritt zurück, um unter Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kabinett Außenminister zu werden. Frei nach dem Motto, „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“.

In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten.
Martin Schulz im September 2017

Das ist, mit Verlaub lieber Martin, erbärmlich. Nicht nur weil du dein Wort gebrochen hast.

Personalkarussell
andreas160578 / Pixabay

Gabriel fliegt aus dem Personalkarussell

Das ich von Sigmar Gabriel in der Vergangenheit wenig gehalten habe, ist kein großes Geheimnis. Hier im Blog gibt es eine ganze Reihe Beträge über ihn. Allerdings muss ich zugestehen, dass sein Ruf in den letzten Wochen besser geworden ist — dank Rüstungsgeschäfte immer noch ohne Heiligenschein, aber die Hörnchen hat er abgelegt. Für die SPD ist er inzwischen eher ein Zugewinn denn eine Belastung. In in genau so einem Moment aus dem Außenministerium zu werfen und selber seinen Platz einzunehmen, finde ich schon ziemlich heftig. Sind die Ergebnisse im Koalitionsvertrag bei der Rente doch so schlecht Martin, dass du dir auf diese Weise noch deine Altersversorgung aufbessern musst?
Kommen wir zum nächsten Punkt. Martin Schulz hat sich im vergangenen Dezember (das ist erst ein paar Wochen her) auf zwei Jahre zum Parteivorsitzenden wählen lassen. Jetzt wirft er hin. Bitte was ist das denn für ein Stil? Vermutlich der neue Bätschi-Stil, und damit sind wir dann bei einer weiteren Person im Personalkarussell. An die Stelle von Schulz rückt Andrea Nahles. Sie wird neue Parteivorsitzende, heisst es. Ein total geiles Zeichen für den Neubeginn! Schafft man auch super, sowohl Fraktionsvorsitzende als auch Parteivorsitzende zu sein. Ist auch irre glaubwürdig, wenn man so eine Rochade im kleinen Kreis aushandelt, statt die Partei entschieden zu lassen, wen sie als Nachfolgerin oder Nachfolger von Schulz haben möchte. Abgesehen davon ist Nahles für mich ein rotes Tuch. Immerhin, hinsichtlich der Erneuerung dürfte das die SPD einen großen Schritt voranbringen — erneuern wird sich nämlich wohl die Basis. Beziehungsweise verschlanken.

2 Replies to “Personalkarussell der SPD”

  1. Bin ganz Ihrer Meinung – vielen Dank für diesen Kommentar. Nur ein Aspekt kommt mir immer zu kurz – die oft zitierten „europäischen Werte“. Ich finde es scheinheilig, der CDU / CSU die christlichen Werte abzuerkennen und gleichzeitig auf so etwas wie Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Fairness, Anstand, Demut (als Basis für Vertrauen) zu pfeifen und eigene Interessen (finanzieller Profit??) denen des Gemeinwohls vorzuziehen -und mit Methoden wie Täuschen und Lügen dies zu erzwingen. Solche Leute können keine Vorbilder für meinen Kinder sein – niemals!!! Also, wenn Herr Schulz jemals wieder von Europäischen Werten spricht, erwarte ich von den Journalisten nachzufragen, welche Werte er denn genau meint. Sie können das bestimmt besser formulieren als ich…..

    Und noch etwas stört mich (als nicht SPD Mitglied) an der Debatte: Oft höre ich von der Angst, dass die „Rechten“ ( also afd ) gestärkt werden könnten. Diese Angst verleitet dazu, gegen der eigenen Meinung zu wählen / zu diskutieren (was ja jedem selbst überlassen ist, es gibt immer auch strategische Entscheidungen) Wenn aber diese Angst missbraucht wird, indem Redner auf Parteitagen diese Ängste mehr oder weniger offen adressieren und die (dummen???) Genossen dieses Kalkül nicht durchschauen, dann sind wir von amerikanischen Verhältnissen nicht mehr weit entfernt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren