Dunkle Ecken in Köln

Dunkle Ecken in Köln

Angst im öffentlichen Raum. Dunkle Ecken in Köln nähren nicht nur das subjektive Gefühl von Unsicherheit, sondern sind ganz objektiv Gefahrenzonen.

Allein Unterwegs

Bisher habe ich persönlich in Köln tagsüber noch keine extrem schlechten Erfahrungen gemacht, wenn ich alleine unterwegs bin. Allerdings spürt man meiner Meinung nach schon eine gewisse, vielleicht typisch für Großstädte, Grundagressivität. Diese zeigt sich etwa, wenn Menschen es darauf anlegen, andere umzurennen. Man macht sich seltener Platz, sondern lässt es drauf ankommen. Es reicht bereits, unter der Woche in der Schildergasse unterwegs zu sein. Oder am Bahnhof die Treppe zum Bahnsteig hochzugehen, wenn gerade ein Regionalexpress angekommen ist. Andere hinter einem im Kaufhaus die Tür aufhalten — kommt in Köln auch eher selten vor.
Das sind wie gesagt Phänomene, die mir tagsüber auffallen. Nachts dagegen verschärft sich das. Es gibt dunkle Ecken wie den Ebertplatz in Köln, die ich nach Einbruch der Dämmerung meiden würde. Auch Stadtgarten und Mediapark oder die Haltestelle Lohsestraße können unheimlich sein. Das alles sind aber eher subjektive Empfindungen.

Dunkle Ecken
ulleo / Pixabay

Echte dunkle Ecken

Für mich gibt es Wohnortnähe eine dunkle Ecke, die ganz Objektiv ein Angstraum ist. Die Rede ist hier von der Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel. Alles was ich dazu im Oktober letzten Jahres schrieb, ist nach wie vor zutreffend. Nach wie vor ist die Betontreppe zum Siedlungsgelände unbeleuchtet. Die Haltestelle ist dreckig, ziemlich mit Graffiti beschmiert und marode. Die Wege zur Haltestelle sind zum Teil so mit Fahrrädern zugestellt, dass man sich durchzwängen muss. Regenwasser fließt nur schlecht ab, so dass sich bei schlechtem Wetter größere Füßen bilden. Der Stadt Köln und der KVB scheint diese Haltestelle nicht besonders am Herzen zu liegen. Nippes gilt als familienfreundlicher Stadtteil. Abends allein in der Nähe der Haltestelle würde ich jedoch kein Kind lassen.
Letzte Woche, auf dem Weg von Krankenhaus zurück nach Hause, fiel mir zum ersten Mal eine bauliche Veränderung auf. Es wurde am Ende des Fußgängerweges zur Haltestelle ein Parabolspiegel angebracht. So wie ich gestern im Kölner Stadt-Anzeiger las, wurden sogar an allen vier Ausgängen diese Spiegel installiert. Wie der KSTA schrieb, soll damit die Angst vor dunklen Ecken gemindert werden.

Spieglein, Spieglein an der Mauer

„Dunkle Ecken im Land, zeigt mir das Spieglein an der Wand“. Allerdings nur bei Tageslicht. Entsprechend hämisch wurde die bauliche Maßnahme auf Facebook kommentiert. Zumal wie der KSTA schrieb, Überraschungsangriffe aus dem Hinterhalt dort eher selten vorkommen. Täter müssen sich nämlich dort nicht verstecken, dafür sorgen bei Dunkelheit die Lichtverhältnisse von ganz alleine. Und genau die machen die Spiegel auch nach Einbruch der Dunkelheit ziemlich wirkungslos.
Jeder der vier Spiegel hat inklusive Installation 1.500 Euro gekostet. Auch wenn sie nicht aus Glas sind, dürfte ihre Haltbarkeit ziemlich begrenzt sein.Es ist nur eine Frage der Zeit, bis beklebt oder besprüht wurden — an der Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel wird das eher früher als später der Fall sein. Meiner Meinung nach war das eine absolut überflüssige Maßnahme. Für die 6.000 Euro hätte man Sicherheit eine Laterne an der Betontreppe aufstellen können. Eine der dunklen Ecken weniger würde deutlich mehr bringen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren