Katjes Kopftücher

Katjes Kopftücher

Deutschland im Aufruhr. In der aktuelle Katjes-Werbung ist eine junge Frau mit Kopftuch zusehen.

Tausend und eine

Es gäbe sicherlich tausend und ein Grund, sich aktuell aufzuregen. Man muss sich nur ansehen, welche lächerliche Verhandlungsergebnisse von SPD und Union und als Erfolg verkauft werden sollen. Statt dessen aber steigt der Blutdruck einiger Mitmenschen angesichts einer harmlosen Werbung. Wer ein Kopftuch in der Werbung als Provokation empfinden, hat ansonsten wohl keine Probleme. Ganz ehrlich, die Werbung ist gut und pfiffig. Bei der Kampagne „Achte mal drauf“ geht es darum, dass das beworbene Produkt vegan ist. Also auch frei von Bestandteilen aus Schweinen. Muslime ist es aus religiösen Gründen wichtig, kein Schwein oder Produkte aus deren Bestandteilen zu essen.
Rund 4,5 Millionen Muslime leben derzeit in Deutschland. Sie sind auch eine Zielgruppe für Katjes. Sie daher über Werbung gezielt anzusprechen, ist daher nur logisch. Oder anders gesagt, Frauen mit Hidschab sind Teil unserer gesellschaftlichen Normalität. Im Übrigen ganz unabhängig davon, wie man persönlich zum Hidschab steht.

Katjes Werbung
Zucker — achte mal drauf

Katjas erntet Hass

Das Katjes jetzt einen spürbar Gegenwind entgegenschlägt, war voraussehbar. Insofern kann man hier dem Hersteller als auch der betreuenden Antoni Jellyhouse Absicht unterstellen. Beziehungsweise Mut. Der kurze Videoclip ist weder ein Beweis für die Islamisierung Deutschlands noch sonst irgendwas. Es würde auch niemand auf die Idee kommen, unser Land für von Afrikaner überrannt, wenn man in der Werbung (oder im Fußball) ein farbiges Gesicht sieht. Kritik am Kopftuch in der Werbung von Katjas ist insofern nicht nur Blödsinn, sondern rassistisch.
Wer Katjes und die Produkte jetzt boykottiert, kann einem ziemlich leid tun. Im Clip wird eine moderne (und hübsche) muslimische Frau gezeigt, die ein Kopftuch trägt. So what? Geht jetzt etwa das Abendland unter? Natürlich nicht. Wenn es unter gehen sollte, dann eher auf Grund dumpfer Vorteile und Ressentiments.

Vegan mit Zucker

Es gibt allerdings doch einen Punkt, an dem diese Werbung hinterfragt werden soll. Das hat nichts mit dem Kopftuch zu tun, auch nicht mit dem Sprung auf dem Vegie-Zug. Sonder schlicht und einfach mit dem, was tatsächlich im gezeigten Produkt (Grün-Ohr Hase) enthalten ist. In der 200 g Packung sind 102 g Zucker enthalten. Laut codecheck decken 100 g des Produktes 105 Prozent des Tagesbedarfes an Zucker — bei einem Erwachsenen. Zudem werden die Inhaltsstoffe Kaliumcitrat und Citronensäure als problematisch bei übermäßigem Verzehr angesehen.
Darüber regt sich allerdings keiner auf. Mit Spaß an bewusster Ernährung haben die Süßigkeiten von Katjes meiner Meinung nach jedenfalls nichts zu tun. Auch das Label „veggie“ dient hier zum blenden. Das Kopftuch? Echt, ist wirklich egal.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren