Brettspiele als Spekulationsobjekt

Brettspiele als Spekulationsobjekt

Immer häufiger habe ich den Eindruck, das Brettspiele als Spekulationsobjekt herhalten müssen. Es werden zum Teil absurde Preise aufgerufen.

Gebrauchte Spiele

Das es bei Facebook mehr Gruppen gibt (zum Teil mit der Bezeichnung „Flohmarkt“), in denen gebrauchte Spiele ein neues zu Hause suchen, finde ich toll. Als Verkäufer hat man die Möglichkeit, wieder Platz im Regal zu bekommen. Gleichzeitig finden kann man sich sicher sein, dass ein Teil aus der eigenen Sammlung in die Hände eines anderen Spielers wechselt. Gebrauchtes von Spielern für Spieler. Das man sich überhaupt von einem Spiel aus der eigenen Sammlung trennt, dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Der erwähnte knapper werdende Platz ist einer davon.
Auch wenn ein Spiel zu selten auf den Tisch kommt, kann dies ein Trennungsgrund sein. Oder es ist zu komplex beziehungsweise thematisch trifft es nicht den eigenen Geschmack. Besonders schmerzlich ist es, wenn man keine passenden Mitspieler für ein Spiel zusammen bekommt, so etwa wie für ein kürzlich angebotenes Eclipse mit samt Erweiterungen und Promos. Der Verkäufer wollte dafür 200 Euro haben, was angesichts der professionell bemalten Miniaturen aus dem Shippack one ein ziemlich guter Deal war.

Brettspiele als Spekulationsobjekt
geralt / Pixabay

Durch Gier zum Spekulationsobjekt

Ebenfalls für einen guten Deal halte ich meine Verkauf im vergangenen Dezember. Für 120 Euro bot ich Magic Realm an. Ein Spiel, was sich seit 27 Jahren in meinem Besitz befindet und welches bisher noch nie auf den Tisch gekommen ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte sich daran auch in den nächsten Jahren nichts geändert. Den Preis fand ich fair — im Gegensatz zu vielen anderen informiere ich mich vorher auch, wie hoch der günstigste Preis im Internet dafür ist.
Mittlerweile mehren sich aber die Verkäufe beziehungsweise Angebot von Brettspielen, die nicht mal gebraucht sind, sondern neu und unverpackt den Besitzer wechseln wollen. Sie verkommen zum Spekulationsobjekt. Eine Übertreibung? Mit Sicherheit nicht.
Das Brettspiele überhaupt zum einem Spekulationsobjekt geworden sind, lässt sich nur durch Gier erklären. Zwei Beispiel dafür. In dieser Woche wurde in besagter Flohmarktgruppe ein Spiel angeboten, welches der Verkäufer über Kickstarter mitfinanziert hatte. Für den Artikel verlangte er einen Preis, der um 200 Prozent über dem lag, was er selber dafür bezahlt hatte. Das angeboten Spiel war nicht nur neu und originalverpackt, es war noch nicht mal in seinem Besitz, da es noch unterwegs auf dem Schiff war. Mit anderen Worten, hier wurde etwas verkauft, was sich noch in Auslieferung befand.

Fantasiepreise

Auch beim zweiten Beispiel kann man nur verwundert den Kopf schütteln. Angeboten wurde das Spiel „Gentes“ von Spielworxx. Das Spiel erschien in einer Auflage von 1.000 Stück weltweit und ist nicht mehr lieferbar. Laut Beschreibung in der spielbox 6/2017 lag der ursprüngliche Preis mal bei 65 Euro, hat sich aber hierfür recht schnell verdoppelt. So ein Sammlerobjekt würde ich jetzt erstmal nicht als Spekulationsobjekt bezeichnen, selbst wenn es wie gestern für 123 Euro angeboten wird. Es gibt allerdings Umstände, die man dabei berücksichtigen muss.
Noch 20 Tage läuft auf kickstarter eine Kampagne für eine Neuauflage von Gentes. Die Deluxified-Version liegt inklusive Versand bei 59 Euro. Dafür erhält man die Neuauflage inklusive eine Mini-Erweiterung. Aber nicht nur das. Sämtliches Material wurde einem Upgrade unterzogen. Die Pappcounter aus der Erstauflage werden durch schicke Holzsteine ersetzt, statt Münzen aus Pappe gibt es Metallmünzen. Mit anderen Worte, für die Hälfte des Geldes bekommt man das bessere, edlerer Spiel.

Fadenscheinige Argumente

Als Argument für den hohen Preis der alten Ausgabe wurde in Feld geführt, dass man dieses Jahr sofort bekäme statt bis Ende des Jahres warten zu müssen. Das ist meiner Meinung nach ein ziemliches Fadenscheinige Argument. Wer bei dem Preis zuschlägt, nur um das Spiel sofort zu haben, hat den Marshmallow-Test nicht bestanden. Über so viel Selbstbeherrschung sollte man als Erwachsenen schon noch verfügen, dass man warten und vor allem rechnen kann.
Persönliche finde ich es verdammt traurig, wenn Brettspiele zum Spekulationsobjekt degradiert werden. Hier geht es nicht mal ums Geld verdienen, sondern darum, andere gezielt über den Tisch zu ziehen. Das mag ich weder am Spieltisch noch im Alltag.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren