Aderlass, Teil 6

Aderlass, Teil 6

Für Brigitte Breulan würde Ilona immer ihre Tochter bleiben. Trotz der vielen Dinge, die sie an ihrer Tochter störten. Das nie zu Ende geführte Soziologiestudium hielt Brigitte dabei noch für eine Kleinigkeit. Auch über den Job ihrer Tochter in einem veganen Restaurant konnte sie hinwegsehen. Wirklich Sorgen bereitete der Mutter, wie viel Zeit Ilona mit der Antfia-Gruppe verbrachte. Von diesen Menschen hielt Brigitte Breulan nicht besonders viel. Weniger auf Grund ihrer Ansichten, die sie zum Teil nachvollziehen konnte, sondern wegen ihrem radikalen Vorgehensweisen.

Aderlass
putevodnik / Pixabay

Auch Brigitte Breulan hatte den Artikel über den Überfall auf Elke Lonz in der Zeitung gelesen. Und auch sie machte sie Gedanken über das Kind ihrer Nachbarin. Wenn auch aus anderen Gründen als ihr Ex-Mann. Aus ihrem Wohnzimmerfenster blickte Brigitte auf einen Parkplatz. Ein Parkplatz, der früher ein Gemüsegarten war und die beiden Grundstücke so verbunden hatte, wie der Parkplatz sie jetzt trennte.

Ursprünglich hatte der Garten der alten Frau Lonz gehört. Sie hatte nie ein Problem damit, dass beide Familie den Garten gemeinsam nutzen. Der Garten selber war umzäunt gewesen, aber wie selbstverständlich gab es von beiden Grundstücken eine Tür zum Garten. Je älter Ilona wurde, desto mehr Zeit verbrachte sie Garten. Züchtete Gemüse heran, auf das sie besonders stolz war. Bevor die alte Lonz starb, versprach sie Ilona ein lebenslanges Nutzrecht. An dieses Versprechen hatte sich die Enkelin nicht gebunden gefühlt.

Brauen wandte den Blick vom Parkplatz ab, zurück zur aufgeschlagenen Zeit auf dem Wohnzimmertisch. Sie wusste, wie viel Hass in ihre Tochter brannte und wie gefährlich es war, wenn die sich die falschen Menschen das zu Nutze machten.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren