Aderlass, Teil 4

Aderlass, Teil 4

Auf ihre Oma ging es zurück, das Elke nach ihrer Schulzeit und einem orientierungslosen Jahr Geschichte studierte. Viele Großeltern erzählten von früher, doch die Art wie die Oma von Elke es tat hatte auf Elke schon immer faszinierend gewirkt.

Es gab Menschen, die hatten die Erlebnisse des zurückliegenden Krieges verbittert gemacht. Wiederum andere verklärten die Zeit, erinnerten sich an Kameradschaft und daran, wie „ordentlich“ doch alles war. Die Oma von Elke war da anders. Sie sparte nicht mit den erlittenen Grausamkeiten in dem, was sie Elke erzählte. Gleichzeitig aber sah sie das Leid und die Toten als Notwendigkeit an. Es war dieser Gedanke, der Elke beschäftigte und zur Essenz ihrer Forschungsarbeit wurde.

Aderlass
Gellinger / Pixabay

Aus dem Tierreich gab es zahlreiche Beispiele, wo Artgenossen übereinander herfielen. Die sich gegenseitig abschlachteten, weil der Lebensraum bei wachsender Population zu klein geworden war. Elke war davon überzeugt, dass es sich genau so bei den Menschen verhielt. Ihrer Meinung nach war von Zeit zu Zeit ein Aderlass notwendig, damit der gesamte Organismus wieder gesunden konnte. Dekadenz, Verfall der Sitten — es viele Anzeichen und Vorboten für einen Aderlass.
Elke entfernte den USB-Stick wieder aus dem Notebook und steckte in ein. Dann klappte sie das Notebook zu. Der Reporter des Westfälischen Boten lag falsch mit seiner Behauptung, dass die Arbeit von Elke der Grund für den Überfall sei. Aber auch eher hatte wohl, genau wie Ulrike Gröger, sein eigenes Motiv.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren