Aderlass, Teil 2

Aderlass, Teil 2

Ulrike Gröger genoss in Leben. Genauso wie sie guten Sex genoss. Trotzdem war sie Frauenbeauftragte an der Universität.

Politisch korrekt hieß es eigentlich „Gleichstellungsbeauftragte“. Eine Stelle, die sie mangels anderer Möglichkeiten nach ihrem wenig befriedigenden Psychologiestudium ergattern konnte. Auch wenn Ulrike gegenüber anderen Menschen zuversichtlich wirkte, täuschte dies nur über die Wahrheit hinweg. Erfolg blieb aus und die Stelle würde zu einer beruflichen Sackgasse werden. Sie musste dringen etwas Vorzeigbares ins rollen bringen.

Aderlass
congerdesign / Pixabay

Dr. Elke Lonz saß ihr an diesem Morgen gegenüber und wunderte sich. Es fehlte die übliche Folklore. Weder trug Frau Gröger Wollstrick noch hatte sie lange Haare. Auf dem kleinen Tisch stand eine Kanne Tee. Gröger hatte Elke eine Tasse davon eingegossen, hielt sich aber selber zurück. Ihr Blick deutet darauf hin, dass sie von Elke etwas erwartet.

Tatsächlich erwartet Ulrike Gröger von der Frau auf ihrem Sofa eine ganze Menge. Der Vorfall gestern Nacht könnte, wenn man ihn richtig instrumentalisierte, endlich zu ihrem persönlichen Sprungbrett in eine erfolgreichere Zukunft werden. Darüber hinaus entsprach diese Elke genau ihrem Frauen- und Männertyp. Man musste Dr. Lonz nur einen Stoß in die richtige Richtung geben. Am besten so, das es wie ihr eigener Einfall wirkte. Für Ulrike Gröger stand schon seit zwanzig Minuten fest, dass der Überfall von Neider aus der Fakultät für Geschichtswissenschaft  verübt worden sein musste. Als Denkzettel, selbst wenn es nie so gewesen wäre. Dr. Elke Lonz hatte mit ihren 27 Jahren bereits eine Menge Feinde gesammelt. Das machte es leicht, irgendwo einen Schuldigen herbeizureden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren