Aderlass, Teil 1

Aderlass, Teil 1

Was Elke an Körpergröße fehlte, hatte sie immer schon durch ihre Durchsetzungsfähigkeit kompensiert. Daran versuchte se sich zu erinnern, als sie wieder zu Bewusstsein kam. Allerdings hatte sie ihre Durchsetzungsfähigkeit nicht vor dem bewahren können, was ihr siebzehn Minuten zuvor widerfuhr. Es ging schnell und ohne Worte. Die waren auch nicht nötig, denn Elke war sich ziemlich sicher, worauf die Person aus war. Man hatte Elke in der Vergangenheit bereit oft genug bedroht. Aber immer nur mit Worten, denen bisher noch nie Taten gefolgt waren. Das änderte sich an diesem Mittwoch Abend.

Aderlass
Wokandapix / Pixabay

Sie war nach ihrer Vorlesung noch länger im Büro gewesen. Nur am Rande bekam sie mit, wie es draußen dunkel wurde. Um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich früh. Im Licht ihrer Schreibtischlampe saß sie über Büchern und handschriftlich Notizen und hatte versucht, an einem neuen Aufsatz zu arbeiten. Wie immer hatte sie die Tür nicht abgeschlossen. Um diese Zeit verirrten sich nur wenige auf den Flur der Geschichtswissenschaften im fünften Stock des Betonklotzes.

Vertieft in ihre Arbeit hatte sie zunächst nicht bemerkt, wie ohne vorher anzuklopfen die Tür aufgerissen wurde. Als sie die fremde Anwesenheit im Büro spürte, ging alles sehr schnell. Eingeschüchtert durch den erhoben Baseballschläger rutschte sie vom Stuhl. Im selben Moment krachte der Schläger auf den Schreibtisch, zertrümmert das Notebook und fegte die Unterlagen und Bücher zu Boden. War sie nur unglücklich vom Stuhl gestürzt oder hatte sie der Schläger kurz drauf auch getroffen? Elke wusste es nicht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren