Bright

Bright

Der Schauspieler Will Smith ist nicht der Star in der Netflix-Produktion Bright. Auch nicht sein orkischer Partner.

Lauf in den Schatten

Das ich ein ziemlicher Fan von Cyberpunk bin, ist kein Geheimnis. Für mich ist es von allen Dystopien diejenige, die mir nach wie vor am realistischen erscheint. Autoren wie William Gibson haben eine Vision vom Internet gehabt, bevor wie überhaupt ahnten, das und wie es sein wird. Filme wie Blade Runner passen genau so in diese Genre — und sind der Maßstab, an dem sich nachfolgende Werke, in welcher Form auch immer, messen lassen müssen. Als ich in der Oberstufe war, tauchte ein Rollenspiel auf, welches Cyberpunk noch mal weiter dreht. In einer Form, die mich sofort magisch (hier nahezu wörtlich zu nehmen) anzog.
Nach einem uralten Kalender der Maya kommt es zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einen Erwachen. Ein neues Zeitalter bricht an. Einige Menschen entwickeln sich zu etwas anderem. Sie werden Zwerge, Orks, Trolle oder Elfen. Mächtige Drachen tauchen, Magie wird vom Mythos zur Realität. Mächtige weltumspannenden Megakonzerne treten an die Stelle von Regierungen. Hacker klinken sich in den Cyberspace ein und versuchen, aggressive KI-Firewalls zu umgehen. Das ist die Welt von Shadowrun. Die englische Erstauflage hatte ich damals im Besitz.

Bright
12019 / Pixabay

 

Die Welt von Bright

Unabhängig davon, wie man die schauspielerische Leistung von Will Smith als Daryl Ward oder Joel Edgerton (der Ork) beurteilt — oder die Handlung des Films. Es geht um was ganz anderes. Meiner Meinung nach kann man überhaupt eine Kritik zum Film nur verfassen, wenn man Shadowrun und Cyberpunk kennt. Vergleiche wie Harry Potter verbieten sich von vornherein. Für mich ist Bright der Versuch, zumindest ein Teil dessen, was Shadowrun ausmacht, zu verfilmen. Wenn man genau hinschaut, ist wirklich alles vorhanden. Es gibt sogar eine ganz kurze Sequenz, wo im Hintergrund am Himmel ein Drache fliegt. Diese Atmosphäre ist es, die Bright für mich zur großartigen Unterhaltung machen. Was auch wohl dran liegt, dass es nicht besonders viele Cyberpunk-Filme gibt.
Mit Sicherheit kann man Bright nicht mit Bade Runner messen. Aber Bright schlägt um Längen „Vernetzt – Johnny Mnemonic“. Die vorhanden sozialkritische Komponenten in Bright (Orks als Ausgegrenzte) kann man vernachlässigen. Solche Maßstäbe und Überlegungen erinnern mich immer an den Deutschunterricht in der Schule und die Versuche, Literatur zu interpretieren. Viele gute Romane lassen sich durch Interpretation verlässlich töten. Meine Empfehlung wäre daher, einfach eine große Tüte Popcorn selber machen, sich aufs Sofa setzen und Bright als gute (und gelungene) Unterhaltung für einen Abend genießen. Vielleicht bekommt man danach sogar Lust, sich mit Shadowrun zu beschäftigen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren