Mordmotiv im Krimi

Mordmotiv im Krimi

Manchmal benötigt man eine Außensicht, um sich über etwas klar zu werden. Jedenfalls ging es mir gestern so in Bezug auf ein Mordmotiv — im Krimi.

Krimi ist nicht Krimi

In der Süddeutsche Zeitung befand sich vorgestern der Artikel von Zoë Beck „Mord kennt kein Happy End“ — unter dem Namen „Was einen guten Krimi ausmacht“ konnte man den Text bereits einen Tag vorher online lesen. Ehrlich gesagt ist mir die Überschrift der Printausgabe deutlich sympathischer. Was einen guten Krimi ausmacht — das hat etwas belehrendes. Und genau darum geht es schließlich auch direkt in der Einleitung.
Zoë Beck schreibt davon, was sie vor dreizehn Jahren mit einem Ratgeber für Krimiautoren getan hat. Vermutlich hätte ich auch gleiches tun sollen. Aber ich will nicht vorgreifen. Die Essenz des Artikels von Zoë Beck ist die, dass ihr persönlich Krimis zu langweilig sind, in denen es um das Wie geht. Natürlich ist kein Krimi wieder der andere, aber gewisse Ähnlichkeiten lassen sich durchaus erkennen. Zum Beispiel die Begeisterung der Autorin und des Autors für Details, was die Tötung angeht. Mit dem Mordmotiv beschäftigt man sich dann nur am Rande.

Mordmotiv
MIH83 / Pixabay

Spurensicherung technisch betrachtet

Spurensicherung, Polizeiarbeit — all das wird in Krimis immer realistischer dargestellt. Eine ganze Zeit lang habe ich auch geglaubt, dies kenntnisreich zu beschreiben würde einen guten Krimi ausmachen. Dem ist aber nicht so. Das ist dennoch versucht habe, so zu schreiben, erklärt eine ganze Menge meiner derzeitigen Probleme. Ehrlich gesagt finde ich Polizeiarbeit und Spurensicherung spannend, aber in einem Krimi interessiert mich das nicht vorrangig. Es wäre eine Zutat, die einen gelungen Krimi nicht etwas abrunden kann. Mehr aber nicht.
Auch das Wer ist auf Dauer in einem Krimi ermüdend. Und Serienkiller kommen in der Literatur möglicherweise häufiger vor als in der Wirklichkeit. Für mich wirklich interessant ist das Warum. Laut Zoë Beck kommt es oft zu kurz. Bei ihr ist es genau das, was sie am meisten interessiert. Beim lesen des Artikels wurde mir deutlich bewusst, was das Problem bei meinen Romanentwürfen ist. Ich habe ein Faible für skurrile Figuren, die häufig so nicht in der Realität zu finden sind. Bei meinem ersten Krimi wurde mir etwa vorgeworfen, dass ein leicht schwachsinniger Polizist absolut undenkbar sei. Für die Handlung fand und finde ich die Figur trotzdem passend.

Mordmotiv als Salz in der Suppe

Das Mordmotiv, das Warum auszutüfteln für einen Roman, ist auch etwas, was mich begeistert. Es macht mir enormen Spaß, eine Figur zu erfinden, die ein glaubwürdiges Motiv hat. Figuren, die einen Mord begehen, weil sie böse sind, finde ich langweilig. Böse sein ist kein Mordmotiv. Das Mordmotiv ist der nicht zu unterschätzende psychologische Aspekt. Je gewöhnlicher die Tat und das Wie ist, desto mehr Gewicht bekommt das Mordmotiv und die Figur des Mörders. Ein glaubwürdiges Motiv erfordert eine dreidimensionale Figur.
Bei den besten Krimis, die ich selber gelesen habe, war es genau das, was mich bei ihnen fesselte. Motive und Figuren. Draus ergibt sich dann fast von selbst die Handlung. Ein möglichst origineller Mord oder super neue technische Möglichkeiten zur Aufklärung sind für Handlung nahezu belanglos. Fast könnte man die Mittel der Aufklärung als Deus ex machina beschreiben. Wenn dem Schreibenden nichts mehr einfällt zu Lösung des Falls, taucht von irgendwo ein neues technisches Hilfsmittel auf.

Ende der Polizeiarbeit

Mein Fehler war es, mich trotz meiner eigenen Neigungen auf die Polizeiarbeit zu stürzen. Zu versuchen, mir immer mehr Wissen anzueignen — obwohl ich nie gleich ziehen könnte mit einem echten Ermittler. Auch habe ich keine Kontakte zur Polizei, um die Polizeiarbeit aus erster Hand erzählt zu bekommen und so einen hautnahen Krimi schreiben zu können. Der Artikel von Zoë Beck ist so was wie ein Schlüsselerlebnis. Künftig werde ich mich auf das konzentrieren, was mir wirklich liegt und Spaß macht. Das man gute Krimis auch mit einem Privatermittler schreiben kann, weiss ich durch die Reise nach Kalino schon länger.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren