Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Offensiv bahnte sich Braun einen Weg durch die Überfüllte Straßenbahn. Da der erste Entwerter lediglich anzeigte außer Betrieb zu sein, musste er weiter hinten den Fahrschein abstempeln. Auf dem Viererticket hatte er noch zwei Fahrten frei. Bis in die Innenstadt und wieder nach Hause.

Oder woanders hin. Neben einem Obdachlosen, der seinen gesamten Besitz in mehreren Plastiktüten bei sich zu haben schien, betrank sich ein Mittdreißiger mit Halbglatze und Goldbrille hemmungslos. Den angebotenen Schluck aus der Wodka-Flasche lehnte der Obdachlose ab. Nachvollziehbar, wie Braun fand.

Nach 39 Jahren würde Braun wieder ganz von vorne anfangen müssen. Ein Gefühl, welches ihm genau so wenig wie die das Gedränge in der Straßenbahn zusagte. Vorerst stieg Braun nicht aus, obwohl er frische Luft vorgezogen hätte. Bis zu einer Haltestelle, die auch nur in der Nähe der Fußgängerzone lag, war es einfach zu weit. Lärmend schwiegen sich die Mitreisenden an, jeder für sich mit seinen eigenen Problemen.

Froh endlich aussteigen können, bahnte sich seinen Weg zur Tür. Von draußen drängelten sich bereits andere Menschen ins Wageninnere, so das nur der beherzte Einsatz von Ellbogen den Weg in die Freiheit ermöglichte. Eine dunkle Limousine fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit auf den Übergang der Haltestelle zur Fußgängerzone heran. Braun sah nach rechts statt in die linke Richtung.

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