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Streik

Recht oder Anstand

Wenn man etwas älter geworden ist und ein gewisser Reifungsprozess nicht spurlos an einem vorbeiging, hat man einiges über Recht gelernt. Manchmal kann man im Recht sein, trotzdem jedoch keins bekommen. Und es gibt auch die Momente, wo man aus Gründen des Anstands auf dir Durchsetzung seines Rechts verzichtet — zum Beispiel dann, wenn man damit das gemeinschaftliche Zusammenleben gefährdet.

CPinoB / Pixabay

Lebt man mit mehr als einer Partei unter dem selben Dach, lernt man wie wichtig ist, wenn beide Seite bei Auseinandersetzungen aufeinander zugehen. Kurz nach Ostern saßen meiner Frau und ich mit Nachbarn am runden Tisch (ja, der ist bei uns im Wohnzimmer wirklich rund) um ein paar Dinge zu klären. Es ist nie einfach Dinge auszuhandeln, aber wohl oft der beste Weg, Konflikte zu lösen.

Leider gibt es auch Gegenbeispiel hier aus der Siedlung, wo ein Streit um das Fußballspielen bis vor Gericht eskaliert ist. Der Kläger weiss sich im Recht und ist es auch. Besser wird die Sache dadurch jedoch nicht.

Genug der Vorrede, Stammleser wissen vermutlich längst, worauf es heute hinauslaufen wird — besonders wenn man ein Ohr an den aktuellen Pressemitteilungen hat. Natürlich rege ich mich schon wieder über den angekündigten Streik der GDL auf, welcher diesmal sechs Tage lang dauern soll.

Noch mehr ärgert mich jedoch, mit welcher Selbstverständlichkeit man in den Arbeitgeber-Fanclub-Topf geworfen wird, wenn man es wagt, die GDL zu kritisieren. Nur weil einem das Verhalten der GDL nicht gefällt, ist man nicht automatisch ein Gegner von Arbeitnehmerrechten. Es mag auch sein, dass die Bahn momentan auf Zeit spielt und wartet, bis das Tarifeinheitsgesetz vom Bundestag beschlossen wurde. Über zu wenig Personal, zu viele Überstunden und gerechte Bezahlung muss an dieser Stelle gar nicht erst diskutiert werden — für mich ist so was selbstverständlich.

Wer sich jedoch wie Claus Weselsky, Chef der GDL, immer wieder allen Vorschlägen wie zuletzt eine Schlichtung ablehnt, hat in meinen Augen längst jedes Maß verloren. Sicher, es ist das gute Recht der GDL zu streiken. Und möglicherweise, nein, eher ganz sicher, ist sie auch im Recht. Aber mit dem Recht ist das eben so eine Sache, wie ich einleitend versucht habe zu skizzieren.

Der erneute Streik der GDL geht zu Lasten vieler Arbeitnehmer. Fahrgemeinschaften und Fernbusse sind meiner Meinung nach keine wirkliche Alternative. Sie sind mehr Feigenblatt der bedingungslosen Streikbefürworter.

Wenn man sich wirklich auf den Standpunkt stellt, dass jeder, der schlecht bezahlt wird, auch streiken darf für bessere Entlohnung und Arbeitsbedingungen, egal welche Konsequenzen das für den Rest der Gesellschaft hat, sollte genau überlegen, bevor jetzt voreilig „Ja!“ ruft.

Meiner Meinung nach gibt es nämlich noch ganz andere Berufsgruppen, die wesentlich schlechter bezahlt werden und eine mindestens genauso verantwortungsvolle Tätigkeit nachgehen wie Lokführer (oder Zugbegleiter). Ich denke da zum Beispiel an Krankenschwestern und Altenpfleger.

Sechs Tage GDL-Streik muss man hinnehmen, wenn man für Arbeitnehmerechte ist. Schließlich gibt es genug Alternativen, ans Ziel zu kommen, die sind halt nicht ganz so bequem. Gut, dann lassen wir auch in diesem Sinne man die Krankenschwestern und Altenpfleger streiken. Man kann doch durchaus einer Familie mal zumuten, ein Bettchen für ihren demenzkranken Opa zu Hause aufzustellen. Wer länger im Krankenhaus liegt, simuliert doch nur und kann ehedem entlassen werden. Sechs Tage ohne medizinische Pflegepersonal, schaffen wir doch locker.

Ach, dass ist jetzt „systemrelevant“, weil es um Menschenleben geht? Als doch kein bedingungsloses Streikrecht? Ja, man legt sich das gerne so, wie man es will — nur menschlich so was. Klar, mein Beispiel ist zynisch und überzogen. Dennoch: es gibt genügend andere Berufe, wo es ziemlich schnell viel kritischer wird, wenn dort gestreikt würde. Gegenbeispiel gibt es natürlich auch. Von einem Dackdeckerstreik werden wohl nur ganz wenige Menschen betroffen sein.

Anstand bedingt, sich darüber klar zu werden, welche Folgen das eigene Handeln für andere hat. Mit dem kategorischen Imperativ braucht man der GDL und Herrn Weselsky wohl eher nicht zu kommen.

Lehrer Lämpel streikt nicht

Bevor man mich mit irgendwelchen herumliegenden Bahnschwellen erschlägt sollte ich erstmal etwas klarstellen. Ja, die Lehrer streiken. Und nein, deren Streikhintergrund ist ein anderer als bei der GDL. weiterlesen →

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Obwohl mir eigentlich danach wäre, verkneife ich mir Vergleiche der GDL mit etwas anderem an dieser Stelle. Einfach weil es unangemessen wäre. Man will schließlich auch die Kirche im Dorf lassen. weiterlesen →

Einer von eine Millionen

Sowohl in der überregionalen Presse als auch im Kölner Stadt-Anzeiger gibt es seit vorgestern ein beherrschendes Thema. Fast bekommt man den Eindruck, es wäre ein Krieg ausgebrochen, wichtige Wahlen stünden an oder aber die Fußballnationalmannschaft wäre geschlossen nach Österreich ausgewandert. Dabei handelt es sich nur im einen Streik. weiterlesen →

Streik dich nicht so an!

Wenn man auf den Bahnverkehr angewiesener Pendler autofahrenden Mitmenschen von den Auswirkungen des Streiks der GDL erzählt, erntet man mitunter mitleidsvolle Blicke. Die unterschwellige Botschaft dabei: „Stell dich nicht so an, anderswo ist auch schlimm.“ weiterlesen →

Der gefühlte Streik

Gestern also wieder Streik der GDL. Mehr Geld, weniger Wochenarbeitszeit und Freibier fürs Zugpersonal. Gut, das letzte ist jetzt gelogen, würde mich aber auch nicht wundern. weiterlesen →

Gelassenheit auch wenn es kuschelig wird

Als Pendler mit über 10 Jahre Erfahrung (kann man so was schreiben) bei der Benutzung diverser öffentlicher Verkehrsmittel, um mit Hilfe dieser zur Arbeit zu kommen lernt man vor allem eins: Gelassenheit. Sicher, Verspätungen, Zugausfälle und Streiks sind ärgerlich. weiterlesen →

Geiselnahme durch GDL

Für Arbeitnehmer, die mittels Streik ihre Interessen versuchen durchzusetzen, gibt es durchaus Verständnis in Deutschland. Für das allerdings, was die GDL wieder veranstaltet, wohl kaum.

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Wert der Erziehung

Derzeit streiken in Deutschland die Erzieherinnen für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt. Der Fairness halber muss ich vorweg erwähnen, dass DER CHEF und ich keine Kinder haben, also vom Streik nicht betroffen sind. Trotzdem geht der Streik nicht an mir vorbei, denn aus meiner Sicht sind die Forderungen durchaus berechtigt.
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Die Warheit fährt Bahn

Am hinter uns liegenden Wochenende haben sich Deutsche Bahn und die Gewerkschaften im Rahmen der Tarifverhandlungen geeinigt. Künftig gibt es 4,5 Prozent mehr Lohn und mindestens zwölf freie Wochenenden. Es wäre jetzt ein leichtes, die Verhandlungen als erfolgreich zu bezeichnen. Nur ist dann damit nicht geklärt, für wen die Verhandlungen erfolgreich waren. Es könnte gut sein, dass am Ende nur eine Gruppe Verlierer auf einem Bahnhof steht, bei dem der letzte Zug längst abgefahren ist.
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Bodenoffensive

Wer Metaphern verwendet, steht immer mit einem Bein auf dem Eis, während der Frühling naht. In diesem Fall aber drängt sich das Bild so auf, prostituiert sich gar, dass es schwer ist, ihm zu entgehen. Deutschland im Jahre 2008 scheint vor dem Beginn einer groß angelegten Bodenoffensive zu stehen. Die totale Kapitulation der Vernunft – nur noch eine Frage der Zeit. weiterlesen →