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Kurzgeschichte

Wehmeier probt den Aufstand, Teil VIII

Am kommenden Morgen riss Wehmeier das Blatt vom Tageskalender. Freitag, endlich. Beim Frühstück fiel ihm wieder ein, was ihn vor dem Einschlafen gestern beschäftigt hatte. Super-Wehmeier. Er griff sich das abgerissene Kalenderblatt und hielt es sich vor die Brust. Die Elf passte zu ihm. Wehmeier schob den Gedanken und das Kalenderblatt zur Seite und trank den restlichen Kaffee.

Das Fahrrad blieb im Keller stehen, Wehmeier machte sich pünktlich zu Fuß auf den Weg zum Finanzamt. Von dem frühlingshaften Wetter gestern merkte er nicht mehr viel. Durch graue Wolken am Himmel kam die Sonne nicht durch, statt eines milden Lüftchens blies ein ordentlicher Wind. Über den Bürgersteig wehten halbgefüllte orange Plastiktüten mit einem stilisierten Hund darauf. Wehmeier zog die Schultern hoch und hielt die Aktentasche fester umschlossen. Ohne es zu merken, beschleunigten er seine Schritte. Gerade in dem Moment, wo er das Vordach des Eingangs erreichte, setzte der erste Regenschauer ein. Hinter der Tür trat Wehmeier zur Seite, um andere vorbei zu lassen, drehte sich um und blickte durch die große Glasscheibe. Niemand sprach ihn an, alle waren darauf konzentriert, in ihr jeweiliges Büro zu kommen. Obwohl ihm danach war, einfach dort am Fenster stehen zu bleiben, schloss Wehmeier sich der Karavan an. Den Aufzug in sein Stockwerk mied er, nach guten Morgen war ihm genau so wenig wie nach einem längeren Gespräch.

Als er die Tür geschlossen, seinen Rechner angeschaltet und sich angemeldet hatte, rief er als erstes sein E-Mail-Postfach ab. Der Kantinenplan für die kommenden Woche erwartete ihn bereits. Ohne vorab einen Blick darauf zu werfen, druckte Wehmeier ihn aus, löste den alten von der Tür und ersetzt ihn durch den neuen. Dann stutzte er. „Vegetarische Woche“ stand über Datum und Kalenderwoche.

Zwanzig Minuten später füllte Wehmeier am Computer eine Materialanforderung aus und schickte sie per Mail ab. Er brauchte einen neuen Bleistift. Sicherheitshalber hatte er einen neuen Anspitzer mit angegeben. Die Eukalyptus-Bonbons für seine Schublade lagen zu Hause, so dass er ins Leere griff. Bis zur Mittagspause musste Wehmeier mehrere Beschwerden bearbeiten, die auf unsachgemäße Steuerbescheide zurück zu führen waren. In der Zeit vermied er es, zum Fensterbrett und zu den Kakteen zu sehen. Auch an den Urlaubsplaner wollte er lieber nicht denken.

Ungewöhnlich spät für einen Freitag betrat Wehmeier um die Mittagszeit herum die Kantine. Lustlos bestückte er sein Tablett. Als Beilage wählte er zum ersten Mal den Salat, an den er ohne zu fragen gut herankam. Es lächelte ihn keiner an, wortlos bezahlte er und setzte sich auf einen Platz möglichst weit weg von der Fenstfront, an die der Wind den Regen drückte.

Wehmeier probt den Aufstand, Teil VII

Auf dem Gepäckträger hatte nur die Aktentasche Platz, so dass Wehmeier den Stoffbeutel an die linke Lenkerstange hängte. Beim fahren bereitet das einige Mühe, denn ständig musste Wehemeier gegensteuern, um weder eine ungewollte Linkskurve zu fahren noch zu riskieren, dass sich der Beutel in den Speichen des Vorderrads verfing. Nach der Hälfte der Strecke gab Wehmeier auf, stieg vom Rad und schob es den restlichen Weg nach Hause. weiterlesen →

Wehmeier probt den Aufstand, Teil VI

Verglichen mit dem Amt wirkte der Supermarkt immer auf Wehmeier wie ein chaotisches Paradies der vielen Möglichkeiten. Sicher wusste er, das dieses Paradies klaren Regeln folgte und alles andere als chaotisch war. Zudem gab es auch Regeln für seinen Einkauf, die Wehmeier für sich aufgestellt hatte. weiterlesen →

Wehmeier probt den Aufstand, Teil V

In der Aufregung vergas Wehmeier, rechtzeitig abzubiegen, die kleine Schleife zu nehmen. So kam er nicht an der Bäckerei vorbei. Wenig später saß er pünktlich, aber hungrig in seinem Bürozimmer. Die Kakteen auf der Fensterbank sonnten sich, sein Bleistift lag mit abgebrochener Spitze vor ihm auf dem Schreibtisch. Der Computerbildschirm zeigte das gewohnte Bild, Wehmeier sollte sich anmelden. weiterlesen →

Wehmeier probt den Aufstand, Teil IV

Eine unruhige Nacht später ging Wehmeier vor der Morgentoilette im Wohnzimmer nachschauen. Als Kind hatte er immer geglaubt, über Nacht würden sich die Probleme von alleine lösen. Er drückte den Anschaltknopf an der Fernbedienung, aber der Bildschirm des Fernsehers blieb schwarz. Wehmeier fiel ein, dass er geträumt hatte. weiterlesen →

Wehmeier probt den Aufstand, Teil III

Stunden später, Wehmeier saß längst zu Hause am Küchentisch, musste er noch immer an den Schokoaldenpudding denken. Vielleicht, so vermutete er, gab es neues Personal in der Kantine, welches noch nicht mit den Abläufen vertraut war. weiterlesen →

Wehmeier probt den Aufstand, Teil II

Eine quälend lange Zeit später befand sich Wehmeier endlich an dem Ort, der seinen Hunger stets zuverlässig stillte. Das Gejammer der Anspruchsvollen konnte und wollte er nicht verstehen. Die angebotenen Gerichte erfüllten für Wehmeier genau das Versprechen, welches sie verhießen. weiterlesen →

Wehmeier probt den Aufstand, Teil I

Für Wehmeier kündigte sich die Mittagspause wie immer bereits anderthalb Stunden vorher durch seinen knurrenden Magen an. Mit einem Seufzer schaute er links rüber zu den Kakteen auf dem Fensterbrett, bevor sein Blick sich nach vorne, zur gegenüberliegenden Wand richtete. weiterlesen →

Mathematisch Betrachtet, Teil III

Nach ein paar Jahren Ehe jedenfalls trug sie nur noch eine griesgrämige Maske. Jeder zweite Satz, der aus ihrem Mund kam, war eine Unterstellung oder zielte darauf ab, ihn in irgendeiner Form zu beleidigen. weiterlesen →

Mathematisch Betrachtet, Teil II

Jetzt konnte er wieder hier im Bioladen einkaufen, ohne es verheimlichen zu müssen. Ohne Angst zu haben, dass sein Frau dahinter kommen würde. Ihr war das „Öko-Zeug“ immer suspekt gewesen. Zudem hatte sie nicht besonders gut kochen können, wenn man von der Weißwäsche mal absah. weiterlesen →

Mathematisch Betrachtet, Teil I

Präzise gerechnet hätte Bernhard Wellmann noch 27 Jahre, vier Monate und acht Tage mit seiner Frau zusammen leben müssen. Zumindest war das seine statistische Restlebenserwartung. Zu Grunde lag dabei auch die Annahme, dass Frauen älter werden als ihre Ehemänner. Seine Frau hätte ihn also höchstwahrscheinlich überlebt. weiterlesen →