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Bahn

Ausgewachsener Egoismus

Von „Pendler und andere Helden“, läuft zur Zeit die zweite Staffel. Nicht im Fernsehen, auch nicht bei einem der Streaming-Anbieter, sondern bei YouTube. Dabei ist die Serie eine clevere Marketingidee von DB Regio NRW. Dahinter steckt eine Kampagne, die mehr Menschen für den öffentlichen Nahverkehr begeistern soll. So charmant die Serie auch ist, die Wirklichkeit sieht leider häufig anders aus. Sowohl im Nah. als auch im Fernverkehr trifft man auf allerlei Mitmenschen, die weder nett noch witzig sind, sondern einfach nur unverschämt.

Allein gestern zeigten sich meine Mitreisenden auf der Rückfahrt von Essen nach Köln im ICE wieder von ihrer besten Seite. Möglicherweise war ich auch diesmal besonders empfindlich, denn in der DB-Lounge hatte ich zuvor auch ein Erlebnis der anderen Art.

JuergenWulff / Pixabay

Für mich ist die Nutzung der Lounge ein geschätztes Privileg. Statt auf dem Bahnsteig auf den Zug zu warten, kann ich mich in die Lounge setzen, noch einen Kakao trinken und die Ruhe genießen. Letzteres scheint zunehmend schwieriger zu werden, denn es gibt Zeitgenossen, welche die Lounge mit einer Telefonzelle verwechseln. Wenn man laut telefonieren will, warum zum Teufel setzt man sich dann in die DB Lounge und nervt andere Reisende?

Immerhin weiß ich jetzt, dass der aus Dortmund stammende Mann für eine Lesung in einem Berliner Möbelhaus gerne eine Eintrittskarte gehabt hätte, aber sich noch nicht sicher war, ob es zu dem Termin der Veranstaltung nach Berlin schaffen würde. Ganze 15 Minuten wurde von ihm und der Mitarbeiterin des Möbelhauses am Telefon über den Begriff „Abendkasse“ diskutiert. Der Mann wollte die Karte aus nachvollziehbaren Gründen nicht vorher online erwerben, sondern erst vor Ort kurz vor Beginn der Veranstaltung. Ihr wurde jedoch beschieden, dass es keine Abendkasse geben würde. Was Entsetzen und eine lange Diskussion auslöst. Bis sich dann aufklärte, dass es keine Abendkasse gibt, weil die Karte regulär im Geschäft verkauft werden und das Geschäft auch noch zum Zeitpunkt der Veranstaltung regulär geöffnet hat. Man kann die Karte, sofern es noch welche gibt, also an der Kasse kaufen, die aber keinesfalls Abendkasse heisst.

Nach dem das geklärt war, fing der Mann sein nächstes Telefonat an. Das bekam ich dann aber nicht mehr mit, da ich mich auf dem Weg zum Bahnsteig machte — in der Hoffnung auf ein wenig Ruhe auf der Rückfahrt.

Die hatte ich dann auch, denn in einem vollen ICE kann es mitunter ruhiger sein — wenn alle nur in normaler Lautstärke Gespräche führen, ist das wie ein Geräuschteppich, bei dem man abschalten kann. Angenehm war die Rückfahrt trotzdem nicht. Auf der Fahrt zuvor muss wohl jemand ins Abteil gekotzt haben, welches darauf nur mangelhaft gereinigt wurde. Es roch ziemlich unangenehme und wurde durch die mitgebrachten Speisen der Mitreisenden auch nicht besser. Aber gut, so was erlebe ich halt häufiger nach Feierabend.

Wirklich neu, und damit kommen wir zum eigentlichen Kern, war jedoch das Verhalten einer jungen Familie, die von Essen nach Nürnberg reserviert hatte. Mutter, Vater und ein zweijähriges Kind. Ehrlich, mich stören Kinder im Zug nicht. Besonders wenn sie unter 12 Jahre alt sind, das kann ich sehr gut ausblenden. Sicher, es gibt ein Kleinkindabteil, aber das hat eine eher zweifelhaften Ruf. Man muss auch Kinder nicht durch Sonderabteile ausblenden. Sie gehören dazu, so einfach ist das. Größte Kinder dagegen sollten gelernt haben sich zu benehmen, was wiederum Erziehungsaufgabe der Eltern ist. Wenig erwarten kann man jedoch, wenn das Benehmen der Eltern selber zu Wünschen übrig lässt.

Wer längere Strecken mit der Bahn unterwegs ist, sollte auf jeden Fall reservieren. Gerade für Familien empfiehlt sich das, auch wenn es noch genügend Dramen trotz Reservierung gibt. Die oben erwähnte Familie hatte auch brav reserviert, daher kannte ich auch ihr Reiseziel. Allerdings, es wurde von ihr vier Sitzplätze reserviert. Bezahlt wurden nur für zwei Erwachsene, was soweit in Ordnung ist. Das man für den Nachwuchs auch ein Platz reserviert, klar. Aber für seinen Tagesrucksack ebenfalls? Dieser stand nämlich auf dem vierten von der Familie reservierten Platz. Unwahrscheinlich, dass der Rucksack ebenfalls eine Fahrkarte hatte.

Gerade auf der Strecke von Essen nach München im ICE 729 wird der Zug in den frühen Abendstunden spätestens ab Düsseldorf richtig voll. Da ist es selbstverständlich, dass der Rucksack oder die Tasche ohne Aufforderung vom Sitz geräumt wird, um Mitreisenden Platz zu machen. Der Rucksack der Familie bliebt auf seinem Platz, obwohl bereits Mitreisenden im Gang stehen mussten.

Im Übrigen war der Zweijährige zumindest bis nach Köln ein Musterbeispiel für ein ruhiges, unauffälliges Kind — trotz der Eltern.

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