Lissabon – Teil XIII

Lissabon – Teil XIII

Etwas ausser Atem, schlich sich Reisser unerkannt durch die Hintertür rein. Er wollte sich erstmal ‚frisch machen‘, wie er es nannte, und dann mit seinem Sekretär den Tagesablauf durchsprechen. Hinter dem falschen Buch im Regal befand sich die Flasche mit dem Weinbrand. Nach einem kräftigen Schluck lies er sich in seine Sessel hinter dem Schreibtisch fallen und läutete. Auf dem Schreibtisch lagen wie üblich die Kölner Tageszeitungen und neben dem ‚Vatikan Observer‘ auch weitere überregionale Presse.

Wucher

Wucher

Viele Menschen haben sich bereits an den Euro gewöhnt – lange genug ist er bereit offizielles Zahlungsmittel. Still und heimlich wird dennoch vielerorts versucht, die Kunden für dumm zu verkaufen. Teilweise wird für Waren ein Preis verlangt, den man nur noch als Wucher bezeichnen kann. Er liegt zum Teil auf dem DM-Preis von früher. Bei Konsumgütern ist das eher selten anzutreffen, häufig sind es Lebensmittel. Aus reiner Bequemlichkeit wollte ich heute drauf verzichtet, für das Fondue heute Abend noch ein Baguette zu backen. Da ich eh noch in de kleine Supermark um die Ecke musste, um das vorbestellte Fleisch abzuholen, nahm ich mir vor, von der dortigen Bäckerei eins mitzubringen.

Von SB-Bäckerei im real-Markt bin ich einen Preis von 0,99 EURO gewohnt. Auf Grund des hohen Durchsatzes ist ein Baguette von dort immer frisch (was man vom Fleisch, das real verkauft leider nicht sagen kann). Die Bäckerei, bei der ich heute das Baguette gekauft habe – ja, ich war wohl noch zu müde um nein zu sagen – hat dafür 2,30 EURO verlangt! Ein sehr stolzer Preis für ein labbriges Stangenweißbrot.

Lissabon – Teil XII

Lissabon – Teil XII

Auf dem Spülkasten vom Klo hatte offensichtlich ein Scherzbold eine Bibel mit einem Kondom als Lesezeichen liegen lassen. Bei näherem Hinsehen fiel ihm auf, dass es anscheinend keine Bibel war, die man im Buchhandel erwerben konnte. Sie sah irgendwie auch etwas wertvoller aus. Er entfernte das Kondom und lies es in der Toilette verschwinden. Ohne sie weiter zu betrachten, steckte er die Bibel ein. Weiterhelfen würde sie ihm in seiner momentanen Situation leider auch nicht. Vielleicht sollet er einfach bis zur Nacht abwarten und sich dann rausschleichen. Sehr wahrscheinlich würden die Klos aber vorher kontrolliert. Zwei Männerstimmen kamen ins Klo und erleichterten sich von ihrem Bier.

Schatten der Wirklichkeit

Schatten der Wirklichkeit

Jenseits von EQOA gibt es noch etwas – die Wirklichkeit. Manchmal holt seinen mit brutaler Gewalt zurück. Vor Weihnachten hatte ich über die Unsitte geschrieben, Menschen vor Weihnachten zu entlassen. Damals war mir nicht klar, das sich das ganze noch steigern lässt.

Man kann Mitarbeiter für das Weihnachtsgeschäft richtig motivieren, in dem man ihren befristeten Arbeitsvertrag in einen unbefristeten umwandelt. Voller Freude werden diese Mitarbeiter dann wirklich alles geben, um zu zeigen, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Um so größer ist dann der Schock für sie, wenn sie dann nach den Feiertagen, zwischen den Jahren, zum Chef zitiert werden, der ihnen dann betriebsbedingt kündigt.

Ein solches Verhalten ist unbeschreiblich widerwärtig. Nicht deshalb, weil einem Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt wird – dass kann passieren – sondern weil man das vorher bereits gewusst hat und die Arbeitskraft des Mitarbeiters noch ausbeuten wollte. Diesen im guten Glauben zu lassen, dass er sich für das neue Jahr keine Sorgen machen muss, ist zu tiefst verlogen. Wenn man dann noch in dem Arbeitsvertrag eine Kündigungszeit von nur einem Monat vereinbart hat, trägt man das hässliche Gesicht des Kapitalismus offen zur Schau. Rechnet man nämlich die Zeit ab, wo die meisten Firmen noch urlaubsbedingte Pause habe und nicht alle Entscheider anwesend sind, bleiben dem gekündigt Mitarbeiter gerade zweieinhalb Wochen, eine neue Stelle zu finden – und dass am Anfang eines Jahres.

Meine Gedanken werden in den nächsten Tagen bei den Betroffenen sein. Ich drücke ihnen ganz fest die Daumen, dass sie so schnell wie möglich wieder eine Stelle finden.

Lissabon – Teil XI

Lissabon – Teil XI

Reisser trat auf ein benutztes Kondom. Das Gefühl von Ekel, das in ihm hochkam entsprang nicht den Gewissensbissen hervorgerufen durch mangelnde Keuschheit. Eher war es so, dass er sich peinlich berührt fühlte von seiner zunehmenden Schlampigkeit. Zumindest war das Kondom sorgfältig verknotet. Ohne weiter darüber nachzudenken, stopfte er sich es in die Tasche. Er schaute sich noch mal im Zimmer um. Sein Blick fiel nochmals auf das Poster. Vielleicht sollte er einfach abhauen, dieses verlogenen Leben hinter sich lassen. Einfach nur den Schritt wagen durch eine Tür gehen und wo anders sein. Die Zimmertür fiel hinter ihm ins Schloss. Viel Zeit hatte er nicht mehr, um nicht aufzufallen. Auch wenn es ihm egal war, aber er wollte nicht mit seinem liederlichen Treiben im ‚Express‘ stehen. Hastig rannte er die Treppe runter, raus aus dem Haus, dessen Verschwiegenheit er so schätzte. Den Schlüssel warf er unterwegs am Ausgang in den dafür vorgesehenen Briefkasten. Noch ein Service des Hauses, dass seinen Gästen damit ersparte, den Schlüssel an der Rezeption abzugeben und erkannt zu werden.

Tourist in EQOA

Tourist in EQOA


Wieder einmal unterwegs in EQOA. Nach dem ich die Westküste bereist habe, brach ich auf in den hohen Norden. Zu den Zwergen und Barbaren. Unterwegs legte ich eine kleine Rast in Burg Lichthof ein und konnte einen Troll zu einem gemeinsamen Foto überreden.

Am selben Ort fand ich dann noch eine komische grüne Kugel, die als dunkles Portal ausgewiesen wurde. Allerdings verschloss sich mir ihre Funktionsweise.

Ein Foto erwies sich als besonders schwer, da Kugel sich bewegt und nicht auf der Stelle verharren wollte. Zudem wurden die Torhüter auch nervös, als ich den Fotoapparat zückte. Daher verzichtete ich lieber auf ein Bild.

Auf der Rückreise von Halas entstand das nachfolgen Foto von Dyren Village, das malerisch am Rande eines Berges liegt. Leider sind die Bewohner nicht ganz so glücklich, mussten sie doch vor brandschatzenden Freezeblood-Goblins fliehen.

Von dem Berg konnte ich dann mühelos nach Moradim laufen, um dort das berühmte zwergische Bier zu genießen.

Lissabon – Teil X

Lissabon – Teil X

Nichts wie raus hier, dachte er. Jemand zupfte ihm an seine Jacke. Ohne sich umzudrehen und auf die Blicke zu achten, steuerte er auf die Toilette zu. Ihm war verdammt heiß geworden und er hatte sicherlich wieder rote Ohren bekommen. Sanfte Klomusik empfing ihn. Der Blick zu den Fenstern enttäusche ihn. Sie waren zwar nicht vergittert, aber eindeutig zu hoch und zu klein. Die Panik in ihm wurde zunehmend größer. Er schloss die Türe der Klokabine hinter sich ab und lies sich auf den Klodeckel fallen. Erstmal nachdenken.

Gruppenbild mit Dame

Gruppenbild mit Dame

In der Zeit zwischen den Jahren verbringen andere ihren Urlaub in Skigebieten. Meinen verbringe ich in Tunaria, der Welt von Everquest Online Adventures. Kein Urlaub ohne Urlaubsfotos – dachte ich mir. Ein Gruppenfoto einer Reisegruppe ist mir unterwegs gelungen.

Es ist allerdings Sau schwer, den Fernsehbildschirm zu fotografieren. Man muss auf das Licht achten, auf die Position und darf vor allem nicht wackeln. Aber es wird nicht das letzte Foto sein. Ich bin Überrings der Typ mit der Mütze auf vorne im Bild.

Lissabon – Teil IX

Lissabon – Teil IX

Irgendwo anders in Köln wachte Kardinal Reisser mit einem Gefühl des Unwohlseins auf. Er stand auf und ließ seine Füße in die alten Filzpantoffeln gleiten, die er noch vor der Wende in Eisenach gekauft hatte. Auf dem Stuhl hing seine Sonate. In ihr fühlte er sich immer wie eine alte Schwuchtel. Vielleicht war er das ja auch. Vor dem Waschbecken stehend, sammelte er Speichel im Mund und spie die Reste des Messweins vom gestrigen Abend aus. Das Gesicht im Spiegel passte zu den Kopfschmerzen. Reisser lies seine Blick durchs Zimmer schweifen. Trotz aller Kargheit war dies kein Zimmer der Kirche. Dort wäre er von dem Prunk umgeben, an den er sich in den langen Jahren seiner Amtszeit nicht unbedingt widerwillig gewöhnt hatte. An einer der nicht mehr ganz weißen Wänden des Zimmers, in dem er sich an diesem Morgen befand, hing ein verblichenes Poster von Lissabon.

Lissabon – Teil VIII

Lissabon – Teil VIII

Die Zeit des Wartens war vorbei. Sein Kölsch wurde endlich gebracht. Ihm war danach, es in einem Zug auszutrinken. Aber dann müsste er entweder zahlen oder ein weiteres bestellen. Beides Dinge, die er vermeiden wollte. Mit den Fingern strich er eine zerknüllte Servierte glatt, die auf dem Stehtisch lag. Bewusst lässig trank er einen kleinen Schluck. Er wusste noch gar nicht, welches Bier es in Lissabon gab. Trotzdem meinte er, die Sonne Lissabons aus dem Kölsch zu schmecken. Für kurze Zeit schloss er die Augen, um sich die Stadt vorzustellen. Peinliche Betroffenheit schlug ihm entgegen, als er sie wieder öffnete.

Lissabon – Teil VII

Lissabon – Teil VII

Beim Reingehen ins Brauhaus wäre er fast mit jemanden zusammengestoßen. Irgendwie kam ihm die Person bekannt vor. Er meinte sich zu erinnern, den Mann schon mal im WDR-Fernsehen gesehen zu haben. Egal. Er drängelt sich durch die Menge von Menschen, die irgend etwas zu feiern schienen. Für einen kurzen Moment glaubte er, auch Antwerpes wäre dabei. Das Gesicht kannte er, auch wenn ihn die Lokalpolitik sonst nicht interessierte. In einer etwas abseits liegenden Ecke fand er noch einen freien Platz. Er bestellte beim Köbes ein Kölsch bereits im Bewusstsein, es nicht bezahlen zu können. Vielleicht würde es ihm irgendwie gelingen, sich später rauszumogeln.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren