Kalt gekocht

Kalt gekocht

Nichts genaues weiß man. Jedenfalls fühle ich mich so nach der Belegschaftsversammlung. Neben der üblichen Blut und Träne Rede und den Durchhalte- und Blick-nach-vorne-Parolen gabe es keine genauen Informationen. Das einer der drei Geschäftsführer geht, kursierte schon vorher als Gerücht. In welcher Form aber die Einsparungen im Personalbereich auf die Belegschaft niederregnen werden, war auch gegen Ende der Versammlung nicht klar. Die Vertreterin des Betriebsrates relativierte wie üblich die Aussagen der Geschäftsführung und wies darauf hin, dass noch keine Verhandlungen mit dem Tarifpartner stattgefunden haben.

Lohnkürzungen sind aber wahrscheinlich. Die Tatsache, das dies im gleichen Maße auch die Führungskräfte treffen wird, beruhigt mich in keinster Weise. Mathematisch gesehen wäre eine Lohnkürzung von 10% natürlich für alle gleich – nämlich 10%. Subjektiv sieht das aber ganz anders aus. Für jemanden, der zum Beispiel 8.000 Euro im Monat verdient, sind 10% wesentlich leichter zu verschmerzen als für jemanden, der nur 1.500 Euro verdient. Das das keine Haarspalterei von mir ist, zeigt auch ein Blick auf unser Steuersystem. Dort gibt es keine gleiche Besteuerung, sondern eine, die sich entsprechend aus der Einkommenshöhe ableitet.

Auch wenn die Anspannung jetzt weg ist, die Unsicherheit bleibt dennoch. Zwar wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird – laut Sprichwort. Aber es gibt Entscheidungsträger, die ziemlich abgebrüht sind und keine Scheu vor Bauernopfern haben. Lieber eine Mitarbeiter mehr „freistellen“, als sich von einer Prestige versprechenden, aber defizitären Immobilie zu trennen.

Bleierne Müdigkeit

Bleierne Müdigkeit

In den letzte Tagen habe ich einen stetigen Anstieg meiner Müdigkeit festgestellt. Wenn ich mich nicht dauernd zusammenreißen würde, vermutlich würde ich dann permanent einschlafen. Die Zugfahrt allein reicht nicht aus, um mein Defizit auszugleichen. Dieser Zustand nimmt mir jegliche Energie – selbst meine Einträge hier sind teilweise so flach, dass man sie von einer Teppichkante zu Tode stürzen könnte. Dabei habe ich genug Ideen. Auch jetzt, beim schreiben dieser Zeilen, merke ich, wie die Konzentration aus mir herausläuft. Vielleicht ist es nicht nur die Arbeit, sonder auch mein ständiger Wunsch, möglichst alles gleichzeitig zu machen. Dafür reicht ein Tag nicht aus. Leider wird auch ein Leben nicht ausreichen, aber das ist ein anderes Problem.

Gerüchteküche

Gerüchteküche

Noch brodelt es, aber ich brauche mich nur noch zwei Tage zu gedulden, dann weiß ich endlich, wie es mit meiner Firma weitergeht – wenn es denn weitergeht.

Bei der aktuellen Arbeitsmarktsituation habe ich natürlich mehr als nur ein flaues Gefühl im Magen. Dabei bin ich eigentlich nicht wirklich anspruchsvoll. Allerdings würde ich einen Arbeitsplatz in der Nähe von Bielefeld vorziehen, da mich die tägliche Fahrt nach Dortmund und zurück langsam aber sicher innerlich ausbrennt.

Mein persönliche Hoffnung ist, das es erstmal weitergeht mit der Firma und andere ihren Hut nehmen müssen – vorzugsweise die, die wesentlich mehr verdienen und di edaher auch merh Verantwortung und Schuld zu tragen haben.

Wüstenruhm

Wüstenruhm

Eine blutende Pizza im irakischen Sand
Hände die nach Wasser greifen
Um dann doch in der Hoffnungslosigkeit zu ertrinken
Kein Richter aber Henker

Alle Wege führten nach Rom
Vom Wind verweht endet die Spur im Nirgends
Gestückelte Tomate aus der Dose
Langsam vertrocknet der Saft

Wie ein letztes Andenken in der Tasche verschwindet
Schlagzeilen wandern weiter
Zurück bleiben immer die Mütter
Streuen Oregano auf ihre toten Kinder

Kreise

Kreise

Das Leben an sich vollzieht sich in Kreisen. Umgangssprachlich würde man sagen, das die Welt, das Land oder die Stadt (Zutreffendes bitte ankreuzen) klein ist, wenn man bestimmten Personen, die man lange nicht gesehen hat, wieder über den Weg läuft.

Wenn man das Bild von Kreisen nimmt, dann schließt sich der Kreis zu einem bestimmten Zeitpunkt – oder es geht wieder über in den Anfang. Jede Begegnung im Leben hat eine Auswirkung, eine Bedeutung. Menschen, denen man begegnet, verändert einen. Diese Veränderungen können minimal und kaum zu spüren sein – oder eine radikale Kehrtwende im Leben auslösen.

Trifft man Menschen nach Jahren wieder, so ist dies auch eine Erinnerung für uns selbst. Bin ich noch auf dem Weg, den ich damals einschlagen wollte, kann ich mir im Spiegel noch in die Augen sehen? Was war es, was mir damals, bei der letzten Begnung so wichtig war im Leben und was ist es heute?

Ärger essen Seelen auf

Ärger essen Seelen auf

Wenn man das ganze Wochenende immer wieder an Montag denken muss, an Entscheidungen oder Konfrontationen, die man dann erwartet, nagt das. Es frist sich in einen rein und verhindert die notwendige Erholung. So sehnt man sich dann nach dem Montag, um die Sache endlich hinter sich zu bringen.

Fernsehnormen

Fernsehnormen

Die Legende vom globalen Dorf und den fallenden Grenzen berücksichtig unterschiedliche Steuer- und Bildungssysteme ebensowenig wie die unterschiedlichen Fernsehnormen. Während in Amerika und Japan NTSC verwendet wird, ist es auf europäischen Fernsehern PAL. Im Reich der PC’s ist so etwas völlig egal. Jedes Spiel, egal aus welchem Land es kommt, läuft auf dem ausgewiesenen Betriebssystem. Bei Konsolenspielen ist das anders. Durch die Fernsehenorm gibt es zum Beispiel von der Playstation 2 zwei Modelle. Eins für NTSC und eins für PAL. Die Spiele werden entsprechend der Fernsehnorm programmiert und müssen, damit sie auf dem jeweils anderen Modell laufen, aufwendig angepasst werden – es sei denn, man verwendet nicht offizielles Zubehör.

In den überwiegenden Fällen sieht die Reihensfolge bei einer Neuveröffentlichung eines Spiels dann wie folgt aus. Zunächst erscheint es in Japan. Ist es erfolgreich oder Erfolg versprechend, wird es für den amerikanischen Markt lokalisiert (=die Texte werden übersetzt, Sprache wird synchronisiert). Erst danach erscheint das Spiel in Europa – aber nicht immer. Für Europa muss ein Spiel in viele unterschiedliche Sprachen übersetzt werden. Zusätzlich muss es auf Grund der unterschiedlichen Fernsehnorm angepasst werden. Zusammen ergibt das ein sehr hohe Hürde, an der einige Spieler scheitern oder die dafür sorgt, dass ein Verzögerung zwischen der Erstveröffentlichung in Japan, dem Erscheinungsdatum in Amerika und dem europäischen Relase liegt, die bis zu einem Jahr lang sein kann.

Gestraft sind alle die, die englisch zumindest verstehen können. Den die amerikanische Version eines Spieles läst sich nicht verwenden – wegen der Fernsehnorm. Insofern sitzen alle europäischen Spieler im gleichen Boot, wenn sie (vergeblich) auf Final Fantasy XI warten. Obgleich in den USA schon erhältlich, ist eine PAL-Version mehr als fraglich.

Ohnmacht

Ohnmacht

Meine starke Abneigung gegenüber rauchenden Mitmenschen habe ich wohl schon häufig zum Thema gemacht. Wohl auch meine Hilflosigkeit im Angesicht der rücksichtlosen Missachtung von Verboten seines der Raucher. Heute gab es wieder eine Situation, die sich anscheinend seit Ende meines Urlaubs angebahnt hat. Mit Mitreisenden und Arbeitskollegen hatte ich über die Abschaffung der Raucherabteile bei der Deutschen Bahn gesprochen. Ich war vertrat den Standpunkt, dass es ohne Sanktionen dazu führen würde, dass sich Raucher mit ihrem Krebsstäbchen in die Abteile setzten würden und trotz des Verbotes weiter rauchen würden.

Nun, ich hatte recht. Schon am Bielefelder Bahnhof ist mir eine Gruppe von vier alkoholisierten Männern aufgefallen, die rauchend am Bahnsteig standen. Bei Einfahrt des Zuges zündeten sie sich demonstrativ noch eine neue Zigarette an und setzten sich in den gleichen Wagon, in dem ich immer sitze. Natürlich haben die anderen Reisenden mal wieder ihren Mund nicht aufbekommen. Was blieb mir also anderes über, als mit dem Hinweise „Manche Menschen können einfach nicht lesen“ wütend das Abteil zu verlassen.

Gut, es heißt, das der Klügere nachgibt. Aber für mich ist das der dümmste Spruch überhaupt. Wenn der Klügere wirklich immer nachgibt, bestimmen die anderen immer, wo es lang geht.

Was weiß ich Kreuz

Was weiß ich Kreuz

Die letzten drei Tage hing an einem Baum im Park, an dem ich morgens und abends immer vorbei komme, in etwa 2,50 Meter Höhe ein weißes Kreuz. Kein einfaches Holzkreuz, sondern eher ein Kreuz, was man in einer Kapelle vermuten würde. Wie und warum das da hing – keine Ahnung. Heute Abend war es weg. Jetzt sieht der Baum wieder nach Baum aus und hat nichts befremdliches mehr an sich. Religion hin oder her, an einem Baum hat ein Kreuz nichts zu suchen. Auch wenn ich es nur im Vorbeigehen gesehen habe, auf mich wirkte es störend, geradezu bedrohlich. Es war ein Fremdkörper in der Harmonie des Parks.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Ruhe vor dem Sturm

Nach dem ich mich endlich darum gekümmert habe, in Erfahrung zu bringen, wie hoch der Firmenzuschuss zu den Vermögenswirksamen Leistungen ist, mach ich mir so langsam Gedanken, ob es sich überhaupt noch lohnt, einen Bausparvertrag abzuschließen.

Nächste Woche Freitag gibt es eine außerordentliche Betriebsversammlung. Konkretes weiß ich noch nicht, aber in der aktuellen Wirtschaftlichen Situation ist vieles denkbar und der Arbeitsplatz ist genauso sicher wie die eigene Rente. Gehaltskürzungen oder der Verzicht auf das Weihnachtsgeld wären schon schlimm, aber es geht auf jeden Fall noch schlimmer.

Hoffentlich grüble ich die nächsten Tage nicht zu viel darüber. Ändern kann ich daran nichts. Das Einzige, was ich machen kann, ist Stellenanzeigen lesen und Bewerbungen schreiben. Von einer Stellenanzeige, die ich gestern gesehen habe, kann ich dann allerdings nur Träumen: Übersetzer von Spielhandbüchern und Spielen für Sony. Die Stelle in Liverpool hat ein Jahresanfangsgehalt von 120.000 englische Pfund.

Nachurlaub

Nachurlaub

Am ersten Tag nach dem Urlaub merk man, dass man eins unbedingt brauch: Nachurlaub. Der erste Tag, wieder früh aufstehen, schon sieht man wieder tiefe Ränder unter den Augen, das gleiche Chaos im Büro, das man zurückgelassen hat, erwartet einen – Schrei nach Urlaub! Oh grausamer Alltag, du hast mich wieder. Zumindest nur noch drei Tage bis zum Wochenende.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren