25. März
2004

Opportunistisch

Aus einem Bauchgefühl heraus habe ich heute ein Mitgliedsantrag für Deutschlands Kuschelgewerkschaft Nr. 1 ausgefüllt: IGBCE. Besser hätte mir ver.di gefallen – oder die GEW. Als Teil eines Konzerns, der “in Kohle macht”, ist aber die IGBCE aber die Haus- und Hofgewerkschaft. Also rein in die Filzpantoffeln und abwarten.

Zumindest kann ich nicht behaupten, dass der Mensch vom Betriebsrat, der mir gestern das Antragsformular gegeben hat, unsympathisch ist. Witzigerweise sieht er so aus, wie man sich einen Aktivisten der Gewerkschaft und Betriebsrat so vorstellen würde.

24. März
2004

So satt

Nach dem ich heute acht Stunden damit verbracht habe, Kaffee für Seminarteilnehmer zu kochen und Geschirr rum zu räumen kann ich nur eins sagen: Ich habe es so satt! Ich stelle mich nun wirklich nicht an, aber ich fühle mich ausgenutzt und ungerecht behandelt. Ein paar meiner Kollegen helfen nicht mit, weil sie sich dafür zu schade sind. Sie machen statt dessen ausgiebige Frühstücks- und Mittagspausen, während ich keine Zeit hatte, etwas zu essen. Auf Dauer lasse ich mir das nicht mehr gefallen. Es wird Zeit, samstags in die Stellenanzeige der Lokalzeitung zu schauen und ein paar Initiativbewerbungen zu verschicken. Mein Problem dabei ist allerdings, dass ich nicht weiß, als was ich mich bewerben soll.

So beleibt mir momentan nur ein anderer Ausweg. Innerhalb der Firma eine andere Aufgabe ergattern. Nach einem Gespräch heute Nachmittag soll ich wohl Schulungsunterlagen für eine E Learning-Plattform bearbeiten. Da das eine Aufgabe ist, die eine sehr enge Zeitvorgabe für die Umsetzung hat, kann ich wohl kaum parallel dazu Kaffee kochen und Kellner spielen. Da wird dann für die Sklavenarbeit ein anderer herhalten müssen – auch wenn ich noch nicht weiß, wer das sein könnte.

16. März
2004

2. Klasse

Heute war so ein Tag, an dem ich nicht nur in der 2. Klasse der Bundesbahn zur Arbeit gefahren bin – was ich eigentlich immer mache – sondern auch den Tag über das besondere Gefühl der 2. Klasse hatte. Manche meiner Kollegen sind sicht für bestimmte Tätigkeiten einfach zu schade, so dass so besondere Tätigkeiten wie das Catering für Seminare an mir und einer weiteren Kollegin hängen bleiben, während der Rest milde von oben herab lächelt. Es ist weniger das Kaffee machen für Firmenkunden, sonder eben dieses Lächeln, dass mir das Gefühl gibt, ein Mitarbeiter 2. Klasse zu sein. Ich habe kein Problem damit, ab und zu auch solche Tätigkeiten zu übernehmen. Was mir aber Problem bereitet, sind Kollegen, die offensichtliche momentan keine wichtigen Projekte haben, aber sich schlichtweg weigern, auch mal “minderwertige” Aufgaben zu übernehmen, weil sie sich dafür zu schade sind. Komisch, dass mir in dem Zusammenhang immer “Animal Farm” einfällt.

11. Februar
2004

Schulausflug zum Feierabend

Die Krönung eines Arbeitstages, der mehr schlecht als recht verlief, war ein Schulklasse auf der Rückfahrt, die natürlich, wie sollte es anders sein, bis nach Bielefeld fuhr.

Wobei,ich sollte mich nicht beschweren. Ein Horde besoffener Fußballfans wäre schlimmer. Trotzdem kostet so etwas Nerven, die man man manchen Tagen auf Grund von Reibereien nicht mehr hat. Ich weiß nicht, was die nächsten zwei Tage bringen, wenn niemand meiner Vorgesetzten endlich den Mut hat, meiner Kollegin zu sagen, dass sie für das Projekt die absolute Fehlbesetzung ist, weil sie von Webdesign keine Ahnung hat.

Das Ganze verfolgt mich schon im Schlaf und nimmt mich mehr mit, als mir lieb ist. Dabei hätte ich es so bequem haben können, wenn ich nicht den Gegenentwurf vor einer Woche präsentiert hätte. Selber Schuld! Jetzt arbeite ich wie ein Irrer ohne Chance, rechtzeitig fertig zu werden an dem selben Projekt wie meine Kollegin. Wie weit die Rückendeckung, die ich habe, belastbar ist, kann ich nicht beurteilen. Aber so groß kann sie nicht sein, sonst müsste ich nicht quasi Under Cover arbeiten.

5. Februar
2004

Vergifteter Sieg

Nach dem ich mich vor ein paar Tage bereist über das fehlende Talent anderer aufgeregt hatte, kann ich nun verkünden, dass ich mich mit meinem Entwurf durchgesetzt habe.
Als besonders Bonbon darf die junge Dame auch noch meinen Entwurf umsetzten dadurch das die gesamte HTML-Struktur von bereits fertiggestellt wurde, ist das mehr oder weniger nur kopieren und einfügen.

Die ersten Ergebnisse, die ich heute gesehen, lassen allerdings Schlimmes erahnen. Besser wäre es wahrscheinlich, wenn ich den Rest auch noch übernehme. Somit hätte ich zumindest die volle Kontrolle und muss nicht befürchten, dass mein Entwurf absichtlich verhunzt wird.

Trotz des eher frühlingshaften Wetters ist die Temperatur auf den Bürofluren um ein paar Grad abgekühlt. Man könnte sogar behaupten, die allgemeine Stimmung ist umgekippt. Ein paar Kollegen reagieren auch deutlich reservierter, wenn ich sie auf dem Büroflur grüße. Dadurch schmeckt mein Sieg bitter, da sich das Gift der Missgunst über ihn ergossen hat.