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Gesellschaft, Seite 76

An manchen Tagen befinden wir uns in guter Gesellschaft. Es gibt aber auch die anderen Tage. Letztendlich lässt sich aber nicht leugnen, dass wir nicht nur zur Gesellschaft gehören, sondern die Gesellschaft sind. Demnach finden sich hier Themen, die uns alle angehen.

Schadstoffe

Politik hat mit Essen mehr zu tun, als gemeinhin angenommen wird. Aber der Reihe nach. Heute gab es ein leckeres Bohnengulasch. Natürlich vom Chefkoch persönlich (Stammleser merken den Unterschied: Chefkoch und nicht CHEFKOCH bedeutet, dass meine Wenigkeit am Herd gestanden hat). Eine der Hauptzutat, die auch namentlich im Gericht erwähnt werden, waren Bohne. Schnibbelbohnen, um genau zu sein. Diese hatten DER CHEF und ich beim Ihr-wisst-schon-welcher-Supermarkt gekauft. Es stellte sich als Fehler heraus, denn die Bohnen hatten wenig Sonne, dafür aber um so mehr Kunstdünger abbekommen, wonach sie und das gesamte Gericht dann auch geschmeckt habe. An die Schadstoffen, die wir beim Essen aufgenommen haben, denke ich mal lieber nicht. weiterlesen →

Wiengrad

Nach dem Spiel gestern sieht es ganz danach aus, als ob der deutschen Mannschaft ein Fußballkessel erspart bleiben wird. Es sei denn, im fernen Russland wirkt Sankt Putin ein Wunder und lässt das EM-Spiel gegen Spanien annullieren.

Grundsätzlich könnte man natürlich die Frage stellen, was Russland überhaupt bei einer Europameisterschaft macht. Die gehören doch nicht dazu, oder? Kann aber auch sein, dass Gazprom verbindet.

Auf jeden Fall dürfte die Paarung im Endspiel angenehmer sein. Wie sagte es DER CHEF so treffend: Bratwurst gegen Paella. Das die deutsche Mannschaft Gewinnen wird, steht im Grunde schon fest. Denn wenn sie nicht gewinnt, liebe Spanier: hierzulande machen sich die Urlauber schon kampfbereit für einen Einsatz in Mallorca.

Fußballmarktplatz

Stadtführer von Marco Polo für Lissabon umständehalber abzugeben.
Seit Kolumbus scheint es mit Portugal bergab zu gehen. Dabei hatte ich so gehofft, dass sie das deutsche Team vom Platz schicken und die Autokorsos in der Heimat ein Ende haben – statt Rudelgucken (btw. Google schlägt an dieser Stelle Rudel Gurken vor) Kollektivheulen.

Stellt sich nur die Frage, warum das deutsche Team plötzlich so gut gespielt hat. Ich denke, es hab zwei Faktoren, die das Spiel positiv beeinflusst haben. Zu einen war Angela Merkel auf Grund eines EU-Termins nicht in Basel mit dabei. Noch wirksamer dürfte aber Abwesenheit von Herrn Löw gewesen sein, der wegen eines Fehltritts hinter Glas verbannt wurde. So konnte die Mannschaft befreiter spielen. Kennt man ja von der Schule, wenn der Lehrer hinter einem steht, ist es um die gute Note in der Klassenarbeit geschehen.

Österreich ade!

Tatsächlich habe ich gestern natürlich keine Fußball geschaut, auch wenn es einen gewissen Grad an Versuchung gegeben hat. Bei mir liegt dies wohl am speziellen Verhältnis zur gegnerischen
Mannschaft. Aber wir wollen ja hier keine traumatischen Erlebnisse aus der Kindheit aufarbeiten. Wir belassen es daher dabei, das Spiel von gestern wie folgt zu kommentieren: weiterlesen →

SPD

Das es mit der SPD momentan nicht zum Besten steht, dürfte wohl kein Geheimnis sein. Gut zusammen gefasst wurde die derzeitige Situation vergangene Woche bei 1live in einem Witz:

Für die SPD gibt es zwei neue schlechte Nachrichten. Erstens: Jedes dritte Parteimitglied will austreten. Zweitens: Kurt Beck gehört nicht dazu.

Dem muss man wohl nichts mehr hinzufügen.

Rollendes Sicherheitsrisiko

Kaum hat der demokratische Teil der Gesellschaft das Thema im Glauben vergessen, es sei jetzt endgültig erledigt, da holt es der Bundesinnenminister wieder aus der Kiste hervor: Einsatz der Bundeswehr im Inneren
Dem Mann ist auch kaum mehr zu helfen. Die Bundeswehr ist eine Armee, die dazu da ist, Feinde des Landes zu bekämpfen, Deiche zu bauen oder irgendwo am Hindukusch essen zu verteilen – so lassen sich stark vereinfach ihre Aufgaben umreißen. Wobei die letzten beiden davon eher dem Zeitgeist und dem veränderten Bedrohungspotential (bei dem Ausdruck geht so manchem Sicherheitsapostel sicher einer ab) geschuldet sind. weiterlesen →

Die Stunde Null der Bahn

Ein kleiner Blick in die Zukunft: Nach dem im Jahre 2008 der Startschuß für die Privatisierung der Bahn gefallen war, gingen nach und nach immer mehr Anteile des Konzerns in Privatbesitz über. Die ursprüngliche Begrenzung auf 24,9 Prozent der Aktien wurde bereits 2009 überschritten. Ein Jahr später hatte der Staat nur noch eine Speerminorität, zwei Jahre darauf war der gesamte Konzern vollständig in der Hand privater Investoren. weiterlesen →

Durchlaufender Wochenwahnsinn

wieder geht eine Woche, fast schon ein Monat zu ende und wir stehen fassungslos vor der Einsicht, dass auch der Verstand der Menschheit sich dem Ende entgegen neigt. Während in Deutschland die Soziale Kluft weiter wächst, kritisiert der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler

dass in Deutschland zu viel über die Bezieher von Transfairleistungen gesprochen werde und zu wenig über die, die das finanzieren müssen.

Experte für Feingefühl und Menschlichkeit ist er jedenfalls nicht. Aber nicht nur bei der FDP haben einige wohl zu lange die ersten warmen Sonnen strahlen genutzt, sondern auch bei der SPD. Dort wird allen Ernstes das Projekt Recycling 2009 angestrebt – die schon mal gescheiterte Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten (da liegt schon der Grundfehler!), Gesine Schwan, soll es noch mal versuchen. Das dürfte unabhängig vom Erfolg wohl kaum als Klug gelten, gerade auch im Hinblick auf die derzeitige Große Koalition.

Generell entsteht der Eindruck, dass sich die SPD mal an die katholische Kirsche wenden sollte. Die versteht sich nach wie vor auf Exorzismus. Führen wir das aber nicht näher aus und wenden uns erfreulichen Dinge zu. Am Donnerstag ist der vierte Teil von – Moment, jetzt sind wir ja schon wieder beim Thema Recycling. Und ob der Film tatsächlich besser ist als das Thema SPD, sei mal dahin gestellt. Zumindest aber bleibt ein Trost: Der Hauptdarsteller trägt keinen Bart und sieht auch ansonsten deutlich besser aus.

Das Indiana Jones jemals in die Politik geht, ist überings so gut wie ausgeschlossen, denn er hat nach wie vor Angst vor Schlangen.

Tierversteher

Was haben Tiere und Kinder gemeinsam? Die meisten werden wohl erst nach längerem nachdenken antworten. Von einer, der man diese Tätigkeit nicht unterstellen würde, kommt diese Tage die Aussage, dass sie eine gute Mutter sein würde. Schließlich hätte sie die Betreuung ihrer zahlreichen Hunde und Katzen gut auf die Mutterrolle vorbereitet:

I have a lot of beautiful animals that I look after and I feel I would have a lot to give my children.

Deutlicher kann man eigentlich nicht für die Einführung eines Kinderführerscheins, der dem Besitzer die nötige Reife zu Erziehung von Kindern bescheinigt, werben.

Kinderarmut in Bielefeld

Laut Bielefelder Sozialleistungsbericht leben ein Viertel aller Kinder in Bielefeld in Haushalten, die von Sozial- und Transfairleistungen leben. Ausgehen von der EU-Definition der relativen Armut, nach der eine Familie als arm gilt, wenn das Einkommen weniger als die Hälfte des Durschnittseinkommens in Deutschland beträgt, sind es 25 Prozent der Kinder in Bielefeld, die in Armut aufwachsen. In Armut aufwachsen, dass bedeutet in der Regle eine ständigen Benachteiligung, eine Verurteilung zur Chancenlosigkeit, die im weiteren Verlauf wiederum Armut zur Folge hat.

Seit dem ich diese Zahl, 25 Prozent, am vergangenen Donnerstag gehört habe, geht sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Geschaut, gelesen, informiert. Was bleibt, ist eine erschreckende Zahl, die zutiefst beschämt, mich ratlos macht.