26. Dezember
2009

Frau Schmitt kann kochen, Teil V

Martin Brecht blickte in das gerötete Gesicht von Frau Schmitt. Auch wenn er sicher nicht der Grund für diese Gesichtsfarbe war, konnte er nicht anderes als sie irgendwie süß zu finden. Chancen malte er sich lieber gar nicht erst aus. Bevor er selber rot wurde und möglicherweise zusammenhanglos gestottert hätte, fiel ihm wieder ein, warum er nach oben gelaufen war und an der Tür von Frau Schmitt geklingelt hatte.
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25. Dezember
2009

Frau Schmitt kann kochen, Teil IV

Es klingelte erneut. Frau Wustock wurde kurz aus ihren Schmerzen gerissen. Diesmal war es nicht der Kurzzeitwecker, sondern die Tür. Frau Wustock, die noch immer in der Küche am Spülbecken stand und kaltes Wasser über ihre Hände, an denen sich mittlerweile dicke Brandblasen gebildet hatten, laufen ließ, riss sich los vom Becken und kurz von ihren Schmerzen, um zur Tür zu gehen. Keine Gute Idee. Die auf den Boden liegenden Plätzchen ließen sie ausrutschen. In Panik griff Frau Wustock zum nächsten Gegenstand, an dem sie sich festhalten konnte. Es war zwar der nächste, nicht aber der nächst beste. Die Dose mit den bereits geglückten Ergebnissen ihrer Weihnachtsbäckerei hielt dem Angriff nicht stand und ging zusammen mit Frau Wustock zu Boden.
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24. Dezember
2009

Frau Schmitt kann kochen, Teil III

Durch den Hausflur drang laut Weihnachtsmusik in die Wohnung von Frau Schmitt, die gerade mit wichtigeren Dingen im Badezimmer beschäftigt war. Genauer gesagt hing sie mit dem Kopf in der Kloschüssel und übergab sich. Schuld daran war nicht die Weihnachtsmusik, die war Frau Schmitt im Moment gerade völlig egal. Auch eine Schwangerschaft schied aus, denn es gab keinen männlichen Grund dafür. Einzig und allein der Glühwein von der Weihnachtsfeier, insbesondere das zu viel dran, hatte dazu geführt, dass es Frau Schmitt im Moment gerade ziemlich schlecht ging.
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23. Dezember
2009

Frau Schmitt kann kochen, Teil II

In der Wohnung unter Frau Schmitt wohnte ein alleinerziehender Vater. Die anderen Mieter wunderte das etwas, denn aus der Zeitung kannten sie eigentlich nur alleinerziehnde Mütter. Da die wenigsten von denen Maria hießen und eine unbefleckte Empfängnis hatten, gab es irgendwo auch noch einen Vater zum Kind, der entweder mit diesem nichts mehr zu tun haben wollte, plötzlich schwul geworden war oder das zeitliche gesegnet hatte. In nur sehr wenigen Fällen traf alles auf einmal zu.
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22. Dezember
2009

Frau Schmitt kann kochen, Teil I

Frau Schmitt kann kochen. Den Beweis dafür trat sie täglich an. Wenn sie kochte, trieben die feinsten Gerüche durch das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses, in dem sie wohnte. Alleine wohnte, muss man dazu sagen, denn das machte ihre Kochtätigkeit noch erstaunlicher.
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21. Dezember
2009

Ausgerutscht

Salz auf unserer Haut. Selbst dann noch, als der Schnee langsam auftaut. Das Gesicht im Rinnstein sieht weder den wolkenlosen Himmel noch die sternenklare Nacht. Tot, aber nicht umgebracht.

17. Dezember
2009

Streckenweise

Es geht kein Ruck durch Deutschland. Nur ein Ruckeln. Alte Zügem fahren auf müden Schiene. An den Fenstern schauen graue Gesichter nach draußen.
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3. Dezember
2009

Boykottierte Partikel

Bis auf das letzte Hemd abgemagert stand der einsame Gurkenpflüger morgens an der noch kalten Spree. Die Uferböschung trennt sein erbärmliches Leben von einem ungewissen Zustand danach.
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26. November
2009

Zuschlag für den Osten

Ein Knacks geht durchs Land. Der Solidaritätszuschlag steckt in der Finanzkrise. Offenbar bleibt der Regen aus, wenn es statt Talent nur noch Erinnerungen gibt. Gegen Kaution werden daher bei Opel Stellen abgebaut.
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23. November
2009

Restlicht

Fast blind vom Sonnenlicht läuft Heinrich auf die Straße. Ein Fehler, für den ihn nicht mehr genug Zeit blieb, um ihn zu bereuen. Der Fahrer des frisch aus der Waschstraße kommenden Wagens fluchte. Nicht nur, dass er vermutlich zu spät zum Termin kommen würde und der Polizei jede Menge Fragen zu beantworten hatte. Den Wagen waschen zu lassen, hätte er sich sparen können.