28. April
2005

Dunkelheit in der Stille

Aus vielen Weg führt der Wald
Trotzig raschelt die Stille im Licht
Berg ziehen lachend vorbei
Müde Wolken treffen sich zum Bier
Ein leises Knacken nur im Unterholz
Auf leichten Spuren läuft es sich zurück
Abseits startet ein Wagen

26. April
2005

Danach

Betrunkene Chips tanzen auf dem nackten Küchentisch
Bis sie sich völlig aufweichen
Schmutziges Geschirr klappert dazu den Takt
Während Zigaretten auf Asche mit Kronkorken Tennis spielen

13. April
2005

Keine Panik!

Ich gelobe Besserung! Beim nächsten Mal, wenn ich meine bescheiden literarischen Einfälle bloge, werde ich sie extra hervorheben, damit nichts falsch verstanden wird. Etwa so:

Nicht quer sondern längs
Ein sauberer Schnitt
Über warmen Wasser

Allen Lesern noch einen schönen Frühlingsanfang!

12. April
2005

Fünf

Fünf bedeutungsschwere Sätze
Vier Worte wiederholten sich
Drei Tage sehnsuchtsvolles Warten
Zwei Menschen
Ein Moment, der alles veränderte

30. März
2005

In 15 Minuten

Das Fleisch zerging auf der Zunge und ein wunderbarer Geschmack erfüllte seinen Mund. Genussvoll spülte er die Reste mit einem Single Malt hinunter. Das war wirklich das beste Essen in seinem Leben. In 15 Minuten würden sie den Stuhl für ihn anschalten.

25. Januar
2005

Kurze Gedanken

Ich saß zwischen zwei Schachteln Zigaretten und drückte die Reste meiner Selbstachtung im Aschenbecher aus. Wenn nur nicht das Licht angehen würde.

3. Januar
2005

Beate, ohne und Weihnachten – Teil X

Der warme Tee tat ihr gut und belebte ihre Sinne. Sie fing damit an, die Zeitung auf dem Küchentisch zu sortieren. Den Sportteil fürs Katzenklo, die Werbung extra. Zum lesen nahm sie sich zuerst den Lokalteil vor. Ihr Blick fiel auf einen Artikel, in dem von jemanden berichtet wurde, der über Weihnachten im Schnee erfroren war. Armes Schein. Wahrscheinlich wieder so ein Obdachloser, der sich vollgesoffen und die Orientierung verlorne hatte. Mit dem nächsten Schluck Tee griff sie zur Werbung, um zu prüfen, wo dass Katzenfutter für Stresemann am günstigsten war. Stresemann hatte seine Lieblingsmarke und rührte sonst nichts an. Kaum hatte sie an ihn gedacht, knarrte die Küchentür und er stolzierte herein, fand seine Futternapf noch ungefüllt und beschwerte sich mit einem lauten Miau. Zumindest hatte Beate diesmal keine Pfote mit Krallen zu spüren bekommen, was wohl hieß, dass Stresemann nichtganz so hungrig oder besonders gute Laune hatte. Eigentlich zwei sehr unwahrscheinliche Dinge.

1. Januar
2005

Beate, ohne und Weihnachten – Teil IX

Der Wecker klingelte Beate aus dem Schlaf. Die andere Seite des Betts war noch warm, als sie aufstand und sich schnell was überzog. Neuschnee bedeutete zwangsläufig auch Schnee schippen. Von draussen klang schon ein vertrautes Kratzen. Einige Nachbarn schienen wohl noch früher aufzustehen. Mit Besen und Schaufel bewaffnet machte sie sich an die Arbeit. Im Briefkasten steckte schon die Tageszeitung, auf die sie sich freute. Nach dem Schneeräumen würde ihr eine Tasse Tee gut tun. Dabei würde sie dann in Ruhe Zeitung lesen können. Aber erstmal rief der Schnee. Gut das diese Quälerei nicht jedes Jahr anfiel. Manche Jahre blieben ohne Schnee, den sie noch nie leiden konnte. Schon als Kind hatte sie den Schnee gehasst, genauso wie sie winterliche Schlittenfahrten mit ihren Eltern und warmen Kakao danach gehasst hatte. Manche Leute fanden das romantisch. Sie nicht. Im Vorgarten hatten Kinder einen Schneemann gebaut, der sie anstarrte

31. Dezember
2004

Beate, ohne und Weihnachten – Teil VIII

Seine Füße fanden von alleine den Weg in den Wald. Eine leichte Steigung führte weiter immer weiter hinauf. An einer verschneiten freien Fläche hielt er an. Im Sommer war das eine Auslaufwiese für Hunde und Kinder, aber bis dahin hatte er noch Zeit. Von hier oben hatte er einen sehr schönen Blick auf die erleuchtete Stadt unter ihm. Er lies sich in den Schnee fallen. Über ihm konnte er die Sterne sehen. Beate hatte ihn immer seltener bei seinem Namen genannt. Eigentlich hatte sie es immer vermieden, ihn direkt anzusprechen. In den letzten Monaten hatte eigentlich niemand seinen Namen ausgesprochen. Trotz der Kälte fühlte er sich nicht unwohl. Sein Kopf leerte sich angenehm. Vom Firmament aus beobachteten ihn die Sterne und flüsterten seinen Namen.

31. Dezember
2004

Beate, ohne und Weihnachten – Teil VII

Er nahm die Straßenbahn bis zur Endhaltestelle. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es in der Straßenbahn schön warm war, er und er keinen Mantel anhatte. Letztendlich ließ es sich aber nicht vermeiden und so stieg er dann aus. Um diese Zeit waren nicht mehr ganz so viele Menschen mit der Straßenbahn untwerges, so dass er fast der Einzige war. Um sich ein wenig Hoffnung zu machen, schaute er auf den Fahrplan. Bis kurz nach Mitternacht würden noch Straßenbahnen in die Gegenrichtung fahren. Als er sich umdrehte, stieß er fast mit einer jungen Frau zusammen, die zusammen mit ihren Einkaufstaschen wohl auch in der gleichen Bahn gesessen haben musste. Er quälte sich zu einem kurzen Lächeln, murmelte eine Entschuldigung und entfernte sich von der Haltestelle, weg von den Lichtern hinein in die Dunkelheit.