Nach den vergangenen Tagen brauchten Nadine und ich endlich mal Ruhe, viel Ruhe. Daher haben wir ein richtig faules Wochenende mit dem ersten Zwiebelkuchen und Federweisser eingelegt. Nachgeholt habe ich auch ein wenig bei Morrowind, da ich ja ein paar Tage darauf verzichten musste – durch den Austausch des Lüfters. Den Abend werden wir gleich auch noch ganz langsam angehen.
Mit DSL soll man ja laut Werbung blitzschnell im Internet sein. Bisher traf das mehr oder weniger auch bei mir zu. Heute morgen war damit allerdings Schluss damit, da mein DSL-Modem vom Blitz getroffen wurde – Totalschaden. Da T-Com mittlerweile die Geräte nicht mehr kostenlos abgibt, musste ich für ein neues Modem stolze 89,90 Euro bezahlen. Auch wenn das neue Modem schöner aussieht, hätte ich gerne darauf verzichtet. Warum konnte der Blitz nicht in die Telefonanlage einschlagen? Die hätte ich eh neu gebrauchen können, da die alte zahlreiche Macken hat.
Nein nicht fünf Finger pro Hand, sondern in Anbetracht des Datums eine Zeitspanne, die am 09.09.1999 begann. Fünf Jahre verheiratet, was bedeutet, dass Nadine und ich heute unseren fünfjährigen Hochzeitstag haben. Ein schönes Essen beim Argentinier und etwas Tango-Musik ergeben einen wundervollen Abend – genauso wie der Ausblick auf noch viele folgende gemeinsame Jahre.
Die anhaltenden Probleme, nachts den benötigten Schlaf zu finden, haben dazu geführt, dass ich mit dem Aufrüsten angefangen habe. Meine Mutter hat mir Klosterfrau Melissengeist vor dem Schlafengehen empfohlen. Nach den ersten drei Tagen bin ich immer noch skeptisch, ob das bei mir überhaupt wirkt, auch wenn ich nicht mehr ganz so häufig aufwache. Was mir aber wirklich zu denken gibt, ist eine Nebenwirkung, die nicht auf dem Beipackzettel steht. Vermutlich, weil sie eine rein psychische Nebenwirkung ist.
Um es ganz deutlich zu sagen: Mit Klosterfrau Melissengeist fühle ich mich plötzlich alt. So richtig alt. KM hat man früher alten Leuten geschenkt, wenn man nichts anderes zu schenken wusste. Abends KM zu nehmen heißt für mich daher, alt zu sein. Als kleiner Junge wirkten Menschen über mich daher auch in erster Linie – alt.
In der Ruhe liegt die Kraft – heißt es so schön. Auch wenn ein Wochenende nur zwei Tage kurz ist, kann man doch manchmal sehr viel Kraft in dieser Zeit tanken. Besonders dann, wenn es rund 20 herbstliche Grad an beiden Tagen warm ist und man viel Zeit mit spielen verbringt. Brettspiele eignen sich besonder dazu, die Zeit langsam auf der Zunge zergehen zu lassen und jede Minuten intensiv zu genießen. Dazu gehört für mich auch ein Blick aus dem Fenster in die Dunkelheit. Nur die Salzkristalllampe bringt ein paar warme Strahlen, während ich zähneputzend einen Blick auf den Ausläufer des Teutoburgerwald werfe. Diese Stille könnte ich stundenlang in mich aufsaugen.
Nach dem wir letzte Woche Woche die Brombeeren geerntet hatten, ging es heute daran, diese zu verarbeiten. Wir hatten uns ja zum Ziel gesetzt, daraus Aufgesetzten zu machen. Neben den Brombeeren kam noch Kandiszucker, eine Zimtstange und Korn in die Flasche. Das Ergebnis werden wir leider erst in 10 bis 12 Wochen haben – so lange muss das ziehen. Ich bin auf jeden Fall jetzt schon ziemlich gespannt. Mein Onkel hat uns mal einen Aufgesetzten serviert, der gut 20 Jahre alt war – einfach fantastisch.
Neben den eigene Sorgen um den Arbeitsplatz treiben mich momentan auch noch die um den Arbeitsplatz meines Bruders um. Durch ein ziemliches dummes Verhalten in einer Personalangelegenheit – er ist Fialeleiter – hat er seinen sicheren Job aufs Spiel gesetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihm gekündigt wird, ist ziemlich hoch. Das alles nur, weil er einer Angestellten helfen wollte.
So richtig erholen konnte ich mich dagegen im Garten, da wir den urlaubsbedingt momentan nutzen dürfen. Aus den Brombeeren, die wir geerntet haben, werden wirr nächstes Wochenende Aufgesetzten machen – zumindest werden wir uns mal daran versuchen. Da das Wetter so langsam Richtung Herbst zu gehen scheint, könnte es mir so richtig gut gehen. Wenn nur die Angst vor der Arbeitslosigkeit nicht wäre.
Von Monat zu Monat sammeln sich diverse Zeitschriften bei mir an. Im Gegensatz zu Zeitung eignen sich Zeitschriften dazu, sie aufzuheben, um “später” noch mal reinzuschauen. Es könnte ja der eine oder andere Artikel interessant sein – oder man möchte ihn noch mal lesen. Wenn man nicht ständig in eine größere Wohnung zieht oder sich eine Lagerhalle anmietet, kommt man irgendwann an den Punkt, wo man sich entscheiden muss. Der Platz reicht nicht mehr aus, um alle Zeitschriften unterzubringen. In so einer Situation bevorzuge ich das zweistufige Verfahren. Erst in den Keller mit den Zeitschriften und dann, beim nächsten Aufräumen des Kellers ins Altpapier. Denn wenn man ehrlich ist, schaut man eigentlich nicht mehr in die Zeitschriften rein. Ausgenommen davon sind meine Kochzeitschriften, die einen Ehrenplatz im Regal haben. Gerade aber bei Computerzeitschriften sinkt der Wert eines Artikels oder eine Hardwarbesprechung von Monat zu Monat. Also einfach weg damit, auch wenn es zum Teil wirklich schade ist.
Letzte Woche haben wir noch mit Nachbarn darüber gesprochen, das es diesen Sommer so schön ruhig war. Natürlich hat es dann so kommen müssen. Heute sind wieder diese komischen Nachbarn, die schon letztes Jahr durch extrem lautes feiern aufgefallen sind, mit einer Gartenparty zu Gange. Nicht das es mich stört – es stört mich extrem. In solchen Momenten denke ich dann wehmütig an Wesel und die unendliche Ruhe, die ich damals dort hatte. Ich bin und bleibe und stadtuntaugliches Landei, glaube ich.
Morgen geht es wieder ins Büro -bäh. Dazu fällt mir dann wieder mein Lieblingsspruch ein: Ich kann mich auch ohne Arbeit gut beschäftigen. Nur das Gehalt sollte mindestens das Gleiche sein. Na denn, momentan kann ich wohl eher froh sein, wenn an der Bürotür noch mein Name steht.
Am nächsten Samstag wird auf jeden Fall ein Termin beim Friseur notwendig sein. Meine Haare sind schon wieder so wuselig. Dadurch dauert es auch morgens so lange, bis sie gefönt sind. Bei kühlerem Wetter, so wie heute, mit der richtigen Luftfeuchtigkeit, liegen sie dafür aber richtig schön lockig – sagt Nadine. Ich finde, so wuselige Haare passen gut zum Sommerurlaub, wenn man barfuss durch die Wohnung läuft, kurze Hosen trägt und sich die Sonnen ins Gesicht scheinen läst weil die Arbeit schön weit weg ist – was bei mir ja auch sonst stimmt, da Dortmund und Bielefeld schön weit voneinander entfernt sind.