Kein Herz für Bierbikes

Kein Herz für Bierbikes

Mit der Süddeutsche Zeitung bin ich quasi schon lange verheiratet. In der Regel verstehen wir uns ganz gut, aber es gibt auch Momente der Dissonanz. Etwa heute, als einen launischen Artikel über Bierbikes in meiner Frühstückslektüre vorfand.

Bierbikes nerven

Unter der Überschrift „Schluss mit Durstig“ geht es Städte, die sich gegen Saufurlauber wehren. Die beiden Sätze von Cornelius Pollmer in der Sublime „Dabei haben die Proll-Gäste auch Ihr Gutes. Sie sind viel weniger pingelig als andere.“ stießen mir ganz ehrlich ziemlich auf. Anders als Herr Pollmer kann ich Saufurlaubern wirklich keinen positiven Aspekt abgewinnen. Vielleicht ist das eine Frage des Alters (Pollmer ist Jahrgang 1984) oder hängt mit der Stadt zusammen, in der man sich gerade aufhält. So wohnt Cornelius Pollmer etwa derzeit in Dresden. Möglicherweise kann man daher über Städte wie Amsterdam und Barcelona leichter schreiben, weil man selber nicht betroffen ist.
Hier in Köln wurden vor einigen Jahren bereits Bierbikes endgültig verboten. Zurecht. Ich für meinen Teil war darüber verdammt froh und kann die Leiden der Bewohner von Amsterdam und Barcelona gut nachvollziehen. In der Domstadt gibt es nämlich auch marodierende Horden, beziehungsweise Frauen- Männergruppen, die einen Jugensellenabschied als Vorwand nehmen, sich fern der Heimat mal so richtig daneben benehmen zu können. Das ist auch ganz ohne Bierbikes nervig genug.

Bierbikes
DigiPD / Pixabay

Tourismus ist nicht alles

Dabei habe ich weder etwas gegen feiern noch gegen Bier — zur Not würde ich sogar Kölsch trinken. Was ich aber nicht ausstehen kann, ist Extremismus in jeglicher Form. Wer sich dermaßen besäuft, die Kontrolle über sich verliert und die Umgebung massiv belästigt, bleibt besser zu Hause, in den eigenen vier Wänden. In der Öffentlichkeit möchte ich solche Menschen nicht erleben. Und ich kann mir vorstellen, dass ich nicht der Einzige bin, der sich in der Gegenwart einer stark alkoholisierten und enthemmten Gruppe massiv unwohl fühlt.
Verboten dienen diesbezüglich nicht dazu, Feiernden den Spaß zu verderben, sondern dem Schutz Unbeteiligter. Auch in Köln gibt es dazu eine große Zahl von Menschen, die das anders sehen und aus der gesamten Innenstadt am liebsten eine 24-Stunden Partymeile machen würden. Klar wird mit Tourismus Geld verdient. Aber so was darf niemals zu lasten der Lebensqualität der Bewohner gehen. Jeder Mensch hat ein Recht auf Ruhe — selbst wenn er in einer Großstadt wohnt. Und nicht alle machen das unbedingt freiwillig, sondern möglicherweise aus einem Mangel an Alternativen heraus. Amsterdam drücke ich für meinen Teil die Daumen, dass das Verbot von Bierbikes hilft und ein Zeichen setzt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren