Wetter an der Mosel

Wetter an der Mosel

Das Wetter an der Mosel in unserem Urlaub war durchwachsen. Auf anderen Seite nie über 30 Grad, was ich persönlich auch schon für einen Vorteil halte.

Warmer Regen

Es muss nicht unbedingt warmer regen sein, trocken und maximal 24 Grad finde ich ideal. Wind ist ok, wenn es bewölkt ist hat man bei fotografieren schönen Wolken in den Motiven. Am Dienstag, unserem ersten vollständigen Urlaubstag an der Mosel, sollte es laut Wettervorhersage regnen. Das traf tatsächlich zu, aber wie schon mein ehemaliger Sportlehrer zu sagen pflegte: „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung“. Wir hatten uns eine einfache Strecke für den Anfang ausgesucht. Eine Teilstrecke des Schoppenstecher Wanderwegs, von Kobern-Kondorf nach Koblenz. Mit anderen Worten, bei teilweise strömenden liefen wir 21 Kilometer von unserer Ferienwohnung nach Koblenz. Die Kamera blieb im Rucksack, auch Fotos weiß ich, wie Regen aussieht. Unser Endpunkt war der Hauptbahnhof in Koblenz. Hätten wir ein wenig mehr über Koblenz gewusst, wäre es wohl der Bahnhof Stadtmitte geworden. Das was man rund um den Hauptbahnhof an Restaurant findet, kann man mit guten Gewissen als trostlos bezeichnen. Kulinarisch ist hier kein Blumentopf zu gewinnen. Den „Königsbacher Treff“ können wir nicht empfehlen. Selbst der Espresso von Baristaz — Coffe Heroes war meiner Meinung nach keine Heldentat.

Gemischtes Wetter an der Mosel
Blick vom Rosenberg

Mittwoch mit besserem Wetter an der Mosel

Am Mittwoch wurden wir mit besserem Wetter an der Mosel belohnt. Auf dem Programm stand unsere erste richtige Wanderung mit mehr Anspruch. Der Tazelwurmweg hörte sich spannend an, war auch zum Teil herausfordernd. Auf andere Urlauber trafen wir nur gegen Ende, an der Matthiaskappell und der Niederburg. Der Ausblick an einigen Stellen war imposant, der Aufstieg auf den Rosenberg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Am Abend belohnten wir uns dann mit richtigem Essen, unseren bewährten Wandernudeln. Bei den Zutaten zeigten sich die grenzen der lokalen Versorgung mit Lebensmitteln. Einen Metzger gibt es in Kobern-Gondorf nicht mehr, Hackfleisch beim REWE „XXL“ gab es nur SB-verpackt.

Traumpfad Koberner Burgpfad

Der Donnerstag stand trotz perfektem Wanderwetter unter keinem guten Vorzeichen. Meine Frau hatte sich eine Bronchitis zugezogen. Jegliche Anstrengung für sie galt es zu vermeiden. Der „Haussegen“ hing leicht schief, aber wir diskutieren Probleme immer sachlich und rational aus. So kam es, dass ich mich dann alleine auf  den Koberner Burgpfad begab. Dieser ist deutlich anspruchsvoller als der Tazelwurmweg. Den größten Teil der Strecke war ich alleine unterwegs. Nach einem anstrengenden Aufstieg (ich lief den Weg in umgekehrter Reihenfolge mit gleicher Abwandlung) hatte ich mehre Stunden eine entspannende Strecke bei stärkerem Wind vor mir. Den Kopf bekommt man bei so was richtig schön frei.
Das letzte Viertel des Burgpfads (eigentlich ja der Anfang dieser Traumschleife) war eine echte Herausforderung. Eigentlich wäre der Weg an mehreren Stellen unpassierbar gewesen. Starke Abburchkanten, ein umgestürzter Baum, durch den ich klettern musste — kein Zuckerschlecken. Am späten Nachmittag war ich dann wieder im Dorf, zu erschöpft zum selber kochen. Wir probierten dann das erstaunlich gute Adria Pizzeria Eiscafè aus. Die Gyros-Pizza kann sich durchaus mit der Kölner Konkurrenz messen.

Unterwegs auf der Traumschleife

Urlaub in vier Wänden

Da sich auch meine Frau den Urlaub etwas anders vorgestellt hatte, wagten wir am Freitag eine weiteren gemeinsamen Ausflug. Das Wetter an der Mosel, der wir flussaufwärts folgten, war angenehm. Kein Regen, keine brüllende Hitze. Mehr oder weniger frei Schnauze schlugen wir eine Route bis nach Hatzenport ein. Die Burg auf der anderen Flusseite auf der Höhe von Alken lockte, aber mangels Brücken an der richtigen Stelle verschoben wir das auf einen anderen Tag. Der absolute Höhepunkt bestand in einem abgestellten Fahrkarussel. Erinnerungen aus der Kindheit wurden wach. Umwerfend das Motiv auf dem Beiwagen, welches viel über das Selbstbild der Mosel-Winzer sagt.

Selbstbild der Mosel-Winzer

Den Rückweg bestritten wir mit der Regionalbahn — wer so was häufiger macht, sollte sich unbedingt nach einem Wochenticket oder ähnlichem umsehen, denn die preise für die kurzen Strecken sind ziemlich saftig. Essenstechnisch entschieden wir uns für den Döner-Imbiss in Kobern. Gut gemacht, aber „mit scharf“ hätte mir besser gefallen. Für das verdiente Weißbier wechselten wir schräg auf die andere Seite zum „Restaurant am Markt“. Das Bier war gut, aber 50 Cent teurer als nebenan in der Pizzeria. Wohlgemerkt, das gleiche Weißbier aus der Flasche. Da wir auch rüber zu den Nachbartischen schielen wollten, was so an Essen serviert wurde, waren wir recht froh, den Döner gegessen zu haben. Der von einer Niederländerin bestellte Burger wäre jedem Wirt in Köln um die Ohren gehauen worden. So was bekommt man nicht mal in der Systemgastronomie.
Am Abend stand dann die Weinprobe bei unserem Winzer an. Es wurde ein Privatveranstaltung, da wir die Einzigen waren, die sich angemeldet hatten. So konnten wir uns voll uns ganz dem Thema trockener Riesling zuwenden. Herr Dötsch kann eine Menge erzählen und hat auch ein leicht niederrheinische Talent, von Hölzken auf Stöcksken zu kommen.

Alken im zweiten Versuch

Am Samstag brachen wir dann nach Alken auf, um uns die Burg aus nächster Nähe anzusehen. Was wir nicht wussten: Alken scheint so ein richtiges Nest für Touristen zu sein. Es wimmelt dort nur so von Reisegruppen. Auch von dicken alten deutschen Männern mit auffallenden jungen thailändischen Frauen. Vor Alken kamen wir aber noch durch ein paar andere beschauliche Ortschaften, darunter Oberfell. Das Dorf wirkt merkwürdig durch das Neubaugebiet. Im Ort selber gibt es die Metzgerei Christ. Hier sollte man auf jeden Fall einen kleine Abstecher hin machen, die Wurstwaren lohne sich. Es ist lange her, das ich so eine gute Mettwurst gegessen habe.

Burg Thurant

Die Burg Thurant sahen wir uns dann nur von außen an. Innen sind sehen eh alle gleich und den Eintritt wollten wir lieber in ein Hefe-Weißen investieren (war da nicht was von wegen wandern und Wein trinken?).
Auch wenn es in Alken deutlich mehr Möglichkeiten zur Einkehr gibt, scheint der Ort kulinarisch kein interessantes Pflaster zu sein. Das Landhaus Zimmermann sah für uns im durchgeschwitzten Zustand etwas zu nobel aus, so das wir unsere Wahl auf das Landhaus Müller fiel. Aufmerksame Bedienung, große Portionen. Im Abgang aber ein Hauch von Convenience Food. Oder glaubt wer, dass für meine Frau Ente, Rotkohl und Klöße frisch zubereitet worden wären? Gerne lasse ich mich da aber von etwas besserem belehren.

Der letzte Tag

Sonntag war dann schon der letzte vollständige Tag an der Mosel. Ein Stück schon Abschied, wehmütiges Koffer packen und eine weitere Solo-Wanderung. Diesmal nahm ich den Schwalberstieg in Anspruch, der leite die Einstufung mittel hat — und einen Parkplatz direkt am Anfang beziehungsweise Ende. Entsprechendes Publikum, zum Teil sogar in Sonntagsschuhen war unterwegs. Zum Glück kamen mir die Sonntagsspaziergänger alle entgegen, denn mal wieder Leif ich den Weg umgekehrt. Dafür wusste ich dann auch, welcher hässliche Abstieg die anderen am Ende erwarten würde. Ich hatte die Passage schon als Aufstieg hinter mir.
Von den Eindrücken her ist der Schwalberstieg eine echte Empfehlung. Abwechslungsreich, mal Wald, Feld und Wiese und eindrucksvolle Panoramablicke.

Schwalberstieg Panorama

Fazit nach einer Woche

Die 135 Kilometern, die ich insgesamt an der Mosel unterwegs war, sind eigentlich viel zu wenig für ein Fazit. Ich bin mir sicher, die Mosel hat eine ganze Menge mehr zu bieten. Das weckt in jedem Fall die Lust auf einen weiteren Urlaub dort. Gelernt habe ich auch, dass ich prima ohne GPS nur mit einfachen Wegbeschreibungen navigieren kann. Zwar glaubte ich gut vorbereitet zu sein, hatte aber die zum Gerät exportierten Routen nicht noch mal geprüft. Beim nächsten Mal sollte ich da erheblich sorgsamer sein. Was den Wein angeht, ist die Mosel auf jeden Fall spannend. Vor allem, wenn man wie meine Frau und ich gerne Riesling mag. Einzelne Orte selber, zumindest viele, durch die wir gekommen sind, scheinen im Sterben begriffen zu sein. Die schönste Landschaft nützt nichts, wenn darin nur Geisterdörfer liegen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren