Star Realms gescheitert

Star Realms gescheitert

Funkenschlag wurde zur Nummer sechs auf der Challenge-Liste. Entsprechend also das sechs Spiel, welches von meiner Frau und mir mindestens 10 Mal in diesem Jahr gespielt wurde. Bei Star Realms waren wir uns sicher, es würde die Nummer sieben wären.

Erstkontakt

Mein Erstkontakt mit Star Realms liegt fast zwei Jahre zurück. Noch viel länger haben meine Frau und ich unsere Magic the Gathering Phase hinter uns gelassen. Zum Glück, muss man sagen. Das MtG ist wirklich ein gutes Spiel, geht aber auf Dauer ziemlich ins Geld. Man möchte nicht nur bei neuen Editionen am Ball bleiben, sondern sich natürlich auch ein eigenes, optimiertes Deck zusammenstellen. Fast hätte ich geschrieben zusammenbetteln, was der Wahrheit mitunter ziemlich nahe kommt. Man kauft Booster um Booster und versucht, irgendwie sein Deck vollständig zu bekommen.
Wie dem auch sei, Star Realms ist ein Spiel, welches ohne typischen Wundertüten mit Postern daherkommt. Ihm fehlt auch zum Glück auch jegliche Ambition, eines dieser Living Card Games zu werden. Zwar kann man mittlerweile ein paar Erweiterungen für Star Realms kaufen, das hält sich finanziell aber alles in Grenzen. Und eigentlich sind sie gar nicht nötig.

Star Realms für iOS
Star Realms für iOS

Der Reiz von Deckbauspielen

Auch ohne MtG und voller Hoffnung, sich nicht erneut mit diesem Virus zu infizieren, mag ich nach wie vor Deckbauspiele. Was mich damals und auch heute an Star Realms fasziniert ist der Umstand, dass die Konstruktion des eigenen Deckes quasi zum Spiel gehört, also Bestandteil einer laufenden Partei ist. So wie etwas bei Dominion. Die beiden haben Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Während bei Dominion je nach Zusammenstellung die Konflikte ausbleiben und man mehr oder weniger nebenher spielt, ist Star Realms auf eine Zweikampf ausgelegt. Man gewinnt nur, wenn man den Gegner aller seine Authoritätspunkte abgenommen hat. Wie viele Punkte noch verbleiben, ist jederzeit ersichtlich. Bei Dominion verstecken sich die Siegpunkte im Deck. Das Spielende wird eingeläutet, wenn drei Kartenstapel aufgebraucht sind oder aber der Provinzstapel leer ist. Gewonnen hat dann derjenige mit den meisten Siegpunkten in seinem Deck.
Das man anhand der ausliegenden Karten sein Deck konstruiert, teilen sich beide Spiele. Hier liegt der Unterschied im Detail. Bei Dominion legt die Zusammenstellung fest, welche Karten zur Verfügung stehen. Bei Star Realms werden die fünf Karten für die Handelsreihe vom verdeckten, gemischten Zugstapel gezogen.

Der Glücksfaktor in Star Realms

Genau im Aufbau der Handelsreihe liegt das Problem von Star Realms. Ursprünglich nahm ich an, dass mich der dadurch bedingte höhere Glücksfaktor nicht stören würde. Die ersten Partien vor zwei Jahren gefielen meiner Frau und mir sehr gut, was auch dann wenige Monate später Anlass war, bei der Spielmesse einige Erweiterungen und das eigenständige Set Colony Wars zu kaufen — mit dem kann man auch ganz nebenbei das Spiel für vier Spieler aufbohren.
Jetzt, zwei Jahre weiter sieht das mit dem Glücksfaktor anders aus. Vielleicht liegt es auch an der gewachsenen Spielerfahrung und den in der Zwischenzeit gespielten anderen Spielen. Wir haben den Eindruck, dass man bei Star Realms so gut wie nichts planen kann. Welche Karte in der Handelsreihe für einen zur Verfügung stehen, weiss man erst sicher, wenn man selber wieder an der Reihe ist. Gute Karten kann einem der Gegenspieler direkt vor der Nase weg schnappen. Die Möglichkeiten der Deckkontrolle und Deckoptimierung halten sich in Grenzen. Natürlich kann man sich auf eine bestimmte Fraktion spezialisieren. Gleiche Karten eine Fraktion stärken sich auch, wenn sie ausgespielt werden. Verzichtet man aber auf andere Karten, verschenkt man Züge, da man keine Ressourcen ansammeln kann. Letztendlich entsteht immer ein Deck, welches einem Gemischtwarenladen ähnelt.

Abbruch nach drei

Nach drei gespielten Partei stellt sich sowohl bei meiner Frau und mir eine gewisse Müdigkeit ein. Anders als die Wochen zu vor verbrachten wir die Abende nicht spielen, sondern vorm Fernseher. Und das, obwohl Star Realms auf dem Tisch bereit lag und nur auf uns wartete. Vielleicht nur eine Phase, beruflicher Streß, das Wetter — wir suchten die Gründe zunächst woanders. Dann aber kamen wir dahinter, woran es eigentlich lag. Am Spiel selber. Uns wurde klar, dass wir damit nie auf zehn gespielte Parteien in diesem Jahr kommen würden. Zumindest nicht, wenn wir so versuchen würde weiter zu machen. Ich packte das Spiel weg und wir nahmen uns am nächsten Tag ein anderes Spiel vor. Plötzlich war der Fernseher wieder uninteressant, jeder Partei verlief anders, unmittelbar nach dem Ende des Spiels wollte man sofort erneut anfangen. Genau das fehlte bei Star Realms.

Persönliches Fazit

In der Sammlung hat Star Realms durchaus seine Berechtigung. Sofern beide Spieler ohne größere Überlegungen spielen, hat es auch einen flüssigen Verlauf und die Parteien sind nicht zu lange. Allerdings bevorzuge ich deutlich die mittlerweile gelungen überarbeitet iOS Version für Zwischendurch gegen die KI.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren