Ruf nicht an

Ruf nicht an

Sagen wir es gleich frei heraus. Telefonieren ist nicht mein Ding. Zum einen, weil ich mitunter Schwierigkeiten habe, Stimmen mit den richtigen Personen in Verbindung zu bringen. Auch kann ich wenig zwischen den Zeilen lesen sowie nichts an Mimik und Gestik erkennen.

Viel entscheidender ist jedoch, dass telefonieren in Echtzeit passiert. Das nimmt mir die Möglichkeit, in Ruhe zu überlegen. Aber gut, ich kann auch spontan sein — gelegentlich. Was mich wirklich stört am Telefon, dass es mich herausreißt. Aus meinen Gedanken, aus dem was ich aktuell mache. Eine Unterbrechung, die mir einen anderen Rhythmus aufzwingt.

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Für mich sind E-Mails die Kommunikationsform meiner Wahl. Ich kann zeitversetzt antworten, dann wenn es mir passt. In einer Konversation lässt sich noch mal zurück blättern und nachlesen, um es ursprünglich geht. Manche E-Mails habe ich aufgehoben wie früher Briefe. Es gibt auch Mails, bei denen es eine Stunde und mehr gebracht hat, um sie zu schreiben. Weil ich an Formulierungen gefeilt habe oder aber, weil die Mail einfach richtig lang geworden ist.

Lange Telefonate dauern führe ich selten und nur mit bestimmten Personen.

Was ich an E-Mails noch mag: sie sind unaufdringlich. Ein Mail kann ich jederzeit schrieben oder beantworten, ohne jemanden damit aus dem Schlaf zu reißen und dran zu hindern, den Tatort zu sehen. Meiner Meinung nach sind E-Mails höflicher als Telefonate.

Beruflich sieht das was für mich privat gilt anders aus. Da greife ich gerne mal schnell zum Telefon, um eine Frage schnell zu beantworten oder eine Antwort zu erhalten, um die Lösung eines Problems nicht in die Länge zu ziehen.

Mich stört es ziemlich, wenn man versucht unter Druck zu setzen, etwas von mir erwartet bei dem ich raten darf, worum es sich dabei handelt. Ob ich Asperger bin? Keine Ahnung, spielt aber keine Rolle. Wenn ich nicht sofort reagiere, gibt es dafür Gründe. Mit Sicherheit ist es aber nicht so, dass ich aus Jux oder Böswilligkeit schweige. Mir einfach Zeit lassen ist sicher besser als nachzulegen, nachzubohren. Das erhöht den Druck und ich für meinen Teil reagiere ab einem gewissen Pegel trotzig. Nicht unbedingt klug, aber so bin ich halt gestrickt.

2 Replies to “Ruf nicht an”

  1. Volle Zustimmung. Ich arbeite manchmal mit Leuten zusammen, die gerne Absprachen verdrehen. Da bin ich froh um den Email-Verlauf. Naja und privat versuche ich den Leuten zu sagen, dass ich manchmal länger zum antworten brauche, weil es für mich eine Sache der Konzentration und des Respekts ist, nicht „mal eben im Gehen“ auf etwas zu antworten.

    1. Absprachen verdrehen — das Problem kenne ich leider auch. Aber wie du schon festgestellt hast; bei E-Mails hilf dann der Verlauf :-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren