Elefant vom Aussterben bedroht?

Elefant vom Aussterben bedroht?

Cloud-Dienste an sich bieten unbestritten Vorteile. Im meinem Alltag haben sich zu einem wichtigen Bestandteil entwickelt. Sei es iCloud, Dropbox, die Creative Cloud, Spotify oder Evernote. Einher geht aber immer auch eine Abhängigkeit. Man bezahlt für die Nutzung und hofft, dass der Dienst den man seine Daten anvertraut, nicht nur sicher, sondern auch beständig ist.

Sicher lässt sich jeder der Dienste, die ich eingehend erwähnte auch durch etwas anderes, vergleichbares ersetzen. Das muss man allerdings erstmal finden und dann noch seinen gesamten Daten von A nach B transportieren. In den seltenen Fällen geht das Reibungslos und ist eigentlich auch immer mit Arbeit verbunden.

Ben_Kerckx / Pixabay

Fällt ein Dienst komplett und ohne Vorwarnung weg, ist das eine Art digitaler Kaltenzug. Mit etwa Glück hat man noch eine lokale Version auf dem aktuellen Stand. In den meisten Fällen erfolgt der Niedergang jedoch schleichend. Immer gibt es Signale, die darauf hinweisen, dass etwas mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens nicht stimmt. Es werden Leistungen gestrichen und Preise erhöht.

Aktuell trifft das auf Evernote zu. In dieser Woche kündigte das Unternehmen eine deutliche Kurskorrektur an. Der kostenlose Basistarif ist nur noch für zwei Endgeräte nutzbar. Also zum Beispiel iPhone und Desktoprechner. Das zusätzliche iPad bleibt außen vor. Darüber hinaus kann man als Anwender im Basis-Tarif keine Notizen mehr über E-Mails erstellen. Das Datenvolumen liegt bei 60 MB im Monat.

Im Plus-Tarif sind es schon ordentliche 1 GB, dafür zahlt man dafür dann 29,99 Euro im Jahr. Nur im Premium-Tarif, der künftig mit 59,99 Euro jährlich zu Buche schlägt, sind alle Leistungen enthalten. Hier liegt das Datenvolumen bei 10 GB im Monat.

Bisher habe ich selber immer den Premium-Tarif gehabt. Um das Unternehmen zu unterstützen und weil ich auch Intensiv-Nutzer von Evernote bin. Künftig werde ich 10 Euro jährlich zahlen müssen für im Prinzip die gleichen Leistungen. Mir macht die Preiserhöhung nicht wirklich was aus. Nur verleitet sie mich zum Grübeln.

The Evernote Devcup is our annual developer competition for designers and software developers. (Evernote)

Evernote hat in den letzten Monaten keine wirklich innovativen Neuerungen vorgestellt. Der letzte Evernote Devcup fand vor drei Jahren statt. Großartige Apps von Drittentwicklern sieht man nicht mehr im Appstore. Die aufgekauften Entwicklungen wie Hello, Food und Skitch wurde eingestampft – für mich machten eine Stück des Reizes von Evernote aus. Mehr eine Plattform der Möglichkeiten statt nur eine einzige Anwendung.

Nach wie vor vermisse ich die Möglichkeit, in Evernote mit Markdown zu arbeiten. Wiki-ähnliche Funktionen fehlen mir ebenfalls. Je länger ich mit Evernote arbeite, desto mehr wir daraus eine digitale Deponie. Der Qualität der Suchfunktion bin ich daher ausgeliefert.

Nach Alternativen habe ich immer wieder Ausschau gehalten. Es gibt aber nach wie vor nichts, was Evernote ersetzen kann — leider. Es lassen sich immer nur Teile der Funktionen anderweitig lösen. Am Ende kommt man so auf die, vier Dienste, die alle nicht miteinander kommunizieren und man den Überblick verliert, wo man was abgelegt hat.

Für ein Unternehmen, das mal richtig große Töne angeschlagen hat hinsichtlich seiner Dauerhaftigkeit, sieht für mich momentan etwas angeschlagen aus. Noch nicht angezählt, aber der Tag X könnte irgendwann kommen.

3 Replies to “Elefant vom Aussterben bedroht?”

  1. Schauen wir mal – ich denke, es hat eher etwas mit dem vorgesehenen Börsengang zu tun. Denn Evernote hat vor etlichen Jahren (Link müsste ich jetzt raussuchen), seinen Fahrplan veröffentlicht (Verbreitung, Branding usw.) und tatsächlich punktgenau eingehalten. Die letzte Phase, die 2014 begann, war als Phase der „Monetarisierung“ vorgesehen für den Börsengang – genau das passiert im Moment.
    Und auch wenn auf Twitter die „Gratis-Konto-nur-noch-2-Geräte-Sache“ einen starken Entrüstungssturm ausgelöst hat – es scheint so zu sein, dass unter den „3-Geräte-und-mehr-intensiv-Nutzern“ nach der PLUS-Einführung sich die meisten ohnehin bereits einen Bezahl-Account zugelegt hatten (da 60-MB und Mail-Beschneidung nicht wirklich für eine Intensiv-Nutzung taugen). Ob von denen, die jetzt so laut rufen „OneNote – ich komme!“ wirklich viele irgendwann mal gezahlt hätten, selbst wenn Evernote nur 1 Euro Jahresgebühr genommen hätte, bezweile ich. (Da die gleichen Rufe auch bei jeder iOS-App laut werden, deren Entwickler es nach 4 Jahren wagen, nochmal 2,89 € für ein Update zu nehmen – siehe One Day).
    Was aber richtig ist: Evernote hätte den Leuten mehr Optionen lassen können, einen längeren Nachlauf gewähren können (und meiner Ansicht nach auch die unbegrenzten Geräte drin lassen können). Oder die Preiserhöhung z. B. im Rahmen der umfangreichen Win-6-Neuerungen machen können usw. Alles nicht sehr geschickt.

    1. Die Preiserhöhung selber kann ich (ob mit oder ohne Börsengang) nachvollziehen. Die Beschneidung der Gratis-Accounts ebenso. Aber wie geschrieben, mir macht die generelle Entwicklung einfach Sorgen. Und dazu gehört für mich die fehlende Innovation.

      OneNote ist tatsächlich keine Alternative. Ein Kollege von mir hat es für einen Tag mal als solche ausprobiert. Jetzt überlegt er sich, ob er nicht doch sein Evernote Account auf Premium umstellt.

  2. Als ich die Ankündigung gesehen hab, hab ich auch erst gedacht „Ach, Kacke.“ Dann hab ich nochmal in meinen Account geguckt, gesehen, dass ich Evernote jetzt seit März 2008 (Wenn ich mich recht erinnere, damals noch mit Beta-Invite) nutze und direkt mal auf Premium umgestellt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren