Faustrecht

Faustrecht

Nicht mal 24 Stunden nach meinem letzten Nachruf, welch mir schon schwer fiel, schreibe ich die ersten Zeilen des nächsten. Wieder ist es ein Schauspieler, dessen Filme mich ein Stück meines Lebens begleitet haben. Im Alter von 86 Jahren verstarb gestern Carlo Pedersoli.

Carlo Pedersoli? Den meisten wird er, genau wie mir, nur unter seinem Künstlernamen bekannt sein, den erst ich selber wählte. Zusammengesetzt aus seiner Lieblingsbiermarke und einem Filmdarsteller, den Pedersoli mochte.

klavesakm / Pixabay

Gestorben ist gestern also nicht nur der italienische Meister im Brustschwimmen, Carlo Ledersoli, sondern auch Bud Spencer wie sich Pedersoli selber für seine Filmkarriere nannte. Zusammen mit seinem Kollegen Terence Hill (Mario Girotti) war Spencer in zahlreichen Italo-Western und anderen Filmen zu sehen. Die Filme, in denen das Duo die Hauptrolle spielte, begleiteten mich durch die gesamte Kindheit und ein Stück darüber hinaus, denn auch mein Bruder hatte genau wie ich ein Faible für Bud Spencer – vielleicht sogar noch etwa ausgeprägter.

Die Filme folgten immer dem gleichen Muster. Gut gegen Böse, die Guten (Spencer und Hill) verprügeln die Bösen. Blut fließt keins, die Bösen bekommen gehörig ein auf die Mütze. Begleitet wird das von „realistischen“ Kampfgeräuschen und Sprüchen, die mindestens so platt wie Plattfuß waren. Im Übrigen auch eine Figur, die Spencer spielte.

Die Filme waren vor allem lustig-naiv. Zumindest die, die ich in Erinnerung haben. Aus Zuschauer wuchs ich dann aus den Filmen heraus, während mein Bruder immer noch Fan von Spencer blieb.

Bud Spencer ist für mich wie bereits erwähnt ein Stück Kindheit. Samstags abends, frisch gebadet, mit den Großeltern vorm Fernseher, die Eltern (nun ja, kegeln). Länger aufbleiben und als Film dann eben etwas mit Bud Spencer.

Über den Schauspieler wusste ich nie etwas, erst jetzt, mit den reihenweise erscheinenden Nachrufen, lese ich über die Person, den Menschen hinter der Figur. Darin liegt die ganze Tragik der Nachrufe.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren