Die schützende Hand

Die schützende Hand

Die lit.cologne liegt jetzt schon über zwei Monate zurück. Mir kommt es jedoch eher so vor, als wäre sie erst gerade gestern gewesen. Von den zwei Lesungen, die ich besucht hatte, habe ich ein Buch nicht mal gekauft. Das sich das andere in unserem Besitz befindet, geht auch auf das Drängen meiner Frau zurück. Spannendes Thema, sicher, aber bei Neuanschaffungen bin ich angesichts meines Lesestapels sehr vorsichtig — auch ein Grund, warum ich immer noch nicht den neusten Roman von John Irving besitze.

Gestern, jedenfalls, las ich das letzte Kapitel des Krimis „Die schützende Hand“ von Wolfgang Schorlau. Über die Hintergründe und den Inhalt schrieb ich im Rahmen seiner Lesung auf der lit.cologen bereits ein paar Eindrücke. Meine Empfehlung aus dem März, den Krimi sofort zu kaufen, kann ich jetzt, nach dem ich das Buch durch habe, nur bekräftigen. Es ist ein wichtiges Buch, vielleicht sogar so wichtig, dass es Schullektüre werden sollte. Im Politikunterricht zum Beispiel. Obwohl, taugt es als Schullektüre? Wo die Schule doch eine staatliche Institution ist? Schwierig.

kheinz / Pixabay

In jedem Fall wühlt das Buch von Schorlau auf. Mein Glaube, dass der Staat weiß was er macht und im Prinzip im Sinne des Guten handelt, ist ziemlich tief erschüttert worden. Der Krimi wirft Fragen auf, auch anhand der des verwendeten Materials. Ach wenn die Rahmenhandlung fiktiv ist, ist der Rest real. Sehr real sogar. Die NSU, die Morde, die angeblichen Selbstmorde und auch der Prozess gegen Beate Zschäpe sind Teil unserer Gegenwart. Noch immer geben die Hintergründe, soweit sie bekannt sind, Rätsel auf. Es ist der Verdienst von Wolfgang Schorlau, auf die überwiegend bekannten Fakten noch mal, und zwar in literarischer Form hinzuweisen. Und zwar so, dass man selber gar nicht anders kann als zu zweifeln. An der Fiktion. Allerdings nicht an der Fiktion von Schorlau, sondern an der Fiktion, die uns die Organe, welche uns eigentlich schütze sollten, erzählen.

Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass der gesamte Tatablauf in Zwickau so nicht stattgefunden haben kann. Der Brand des Wohnmobils, der Tot von Mundlos und Böhnhard, die zeitliche Abfolge — all das passt schon irgendwie nicht zusammen. Auf welche Weise wissentlich durch die Polizei Spuren vernichtet wurden, ist schier unglaublich und widerspricht allem, was man auch als Laie über Polizeiarbeit weiss.

Am Ende steht die Frage, wie souverän die Bundesregierung tatsächlich ist. Wie viel Einfluss die USA und ihre Dienste haben und wer wirklich hinter der Neonazi-Szene in Ostdeutschland steckt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren