Natürliche Selektion unter Smombies

Natürliche Selektion unter Smombies

Zum Straßenbild gehören mittlerweile auch Menschen, die auf das Display ihres Smartphones starren und von ihrer Umgebung mehr oder weniger nichts mehr mitbekommen. Es sei denn, die Umgebung macht sich über das Smartphone selber bemerkbar.

Die Süddeutsche Zeitung berichte in ihrer heutigen Ausgabe über die „Generation Kopf unten“. Zum ersten Mal stieß ich dort auch auf den Begriff Smombie, die Kurzform für Smartphone-Zombie. Begegnet bin ich dieser Spezies mehrfach. Auf Rolltreppen. In den Türen von S-Bahnen, unterwegs in der Fußgängerzone, wenn sie unmittelbar stehen bleiben.

kpgolfpro / Pixabay

Natürlich habe bin ich auch im Besitz eines Smartphones. Wenn ich mich fortbewege, befindet es sich allerdings in der Tasche — es sei denn, ich nutze es explizit zur Navigation. Wobei ich beim navigieren beständig Display mit rauer Umgebung abgleichen. Ansonsten, wie gesagt, nimmt sich mein iPhone eine Auszeit und wird auch nicht aus der Tasche geholt, wenn irgendeine App Aufmerksamkeit von mir will. Mitunter entgehen mir sogar Anrufe und SMS. Gestorben bin ich davon ganz offensichtlich noch nicht. Ich konzentriere mich lieber auf meine Umgebung und den Verkehr.

Echte Smombies haben es da etwas schwerer. Der Blick bleibt nach unten auf das Display gerichtet. Mitunter laufen sie, wie die SZ schrieb, gegen einen Laternenmast. Der Zuschauer warnt nicht, sondern genießt seine Schadenfreude. Auch wenn die Smombiekalypse noch weit von uns entfernt ist (also etwa zwei Jahre), wird bereits jetzt über Maßnahmen nachgedacht.

Freilich nicht über einen Impfstoff oder andere Gegenmaßnahmen, nein, sondern darüber, wie man den armen Smombies entgegen kommen kann. Zum Beispiel durch Ampeln auf dem Boden, damit die armen Menschen eine rote Ampel in der üblichen vertikalen Position nicht einfach übersehen.

Ehrlich? Kostspieliger Schwachsinn. Ebenso wie Hinweisschilder, die Rücksicht gegenüber Smombies einfordern. Es braucht definitiv keine umsichtigen Mitmenschen, sondern etwas mehr Darwinismus. Natürliche Selektion ist hier da angebrachte Stichwort. Wenn jemand überfahren wird, weil er die ganze Zeit auf sein Smartphone gestartet hat, wird er einfach aus dem gemeinsamen Genpool entfernt. Brachial, aber wirkungsvoll. Insbesondere in Köln, wo Regeln und Ampeln gerne missachtet werden. Leid tun mir die Autofahrer, die Smombies auf der Motorhaube haben.

Smombies sind auch kein neues Phänomen, sondern schon in meiner Kindheit gab es Bookbies. Personen, die vertieft in ein Buch mit selbigen vor der Nase unterwegs waren, statt auf ihre Umgebung zu achten. Mir wurde von meiner Großmutter mit sehr drastischen sprachlichen Bildern deutlich gemacht was passieren kann, wenn ich als Bücherwurm der Familie ebenfalls so auf der Straße unterwegs sein würde. Habe ich auch verstanden. Vielleicht kann man ja auf der Verpackung von Smartphones Warnhinweise anbringen. Macht man bei Zigaretten ja auch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren