Die AfD macht sprachlos

Die AfD macht sprachlos

Eigentlich hätte ich für den Artikel heute die gleiche Überschrift wie gestern nehmen können. Allerdings bin ich mir nicht sicher gewesen, ob die Bezeichnung „Lightversion“ in diesem Fall wirklich treffend ist. In drei Bundesländer wurde am Sonntag gewählt. Befürchtung hatte ich, aber das das Ergebnis so schlimm ausfällt, konnte ich mir nicht vorstellen. Vielleicht wollte ich es mir auch nicht vorstellen.

Während ich sonst bei jeder Wahl immer die gesunkene Wahlbeteiligung kommentiere und mich frage, was die Menschen dazu treibt, nicht wählen zu gehen, ist es diesmal anders. Anders, weil die Wahlbeteiligung für die sonst üblichen Verhältnisse ziemlich hoch war. In Baden-Württemberg 70,4 Prozent, ebenfalls in Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt 61,1 Prozent. Im Vergleich zu den Landtagswahlen für die vorherige Legislaturperiode entspricht das in allen drei Bundesländern ein Zuwachs von 10 Prozent. Mit der Wahlbeteiligung geht es aufwärts. Zumindest etwas.

MichaelGaida / Pixabay

Freuen kann ich mich aber nicht darüber, denn wie und was gewählt wurde, sorgen bei mir für erhebliche Magenschmerzen.

In Rheinland-Pfalz hat die SPD mit rund fünf Prozentpunkten vor der CDU gewonnen. Das vorläufige amtliche Ergebnis:

  • SPD 36,2 %
  • CDU 31,8 %
  • Grüne 5,3 %
  • FDP 6,2 %
  • AfD 12,6 %

Über 12 Prozent aus dem Stand heraus für die Afd. Kein gutes Zeichen. Da hilft auch nicht der halbe Prozentpunkt Zugewinn für die SPD nicht darüber hinweg.

Schlimmer sieht es in Baden-Württemberg aus:

  • CDU 27,0 %
  • Grüne 30,3 %
  • SPD 12,7 %
  • FDP 8,3 %
  • AfD 15,1 %

Während die Grüne mit Ministerpräsident Kretschmann an der Spitze sechs Punkte zulegen konnten, rutschte die CDU um 12, die SPD um 10 Prozent ab. Für die Genossen ein bitterer Schlag, auf dem dritten Platz hinter der AfD zu liegen.

Geht es noch schlimmer? Leider ja, denn Sachsen-Anhalt übertrifft das alles noch:

  • CDU 29,8 %
  • Linke 16,3 %
  • SPD 10,6 %
  • Grüne 5,2 %
  • AfD 24,2 %

(Quelle aller Zahlen: tagesschau.de)

Das die AfD ein zweistelliges Ergebnis einfahren würde in allen drei Bundesländer, war zu befürchten. Zur Not ließe sich Baden-Württemberg noch irgendwie erklären. Aber Sachsen-Anhalt? Die SPD auf dem vierten Platz, die AfD mit lediglich 5,6 Prozent von der CDU entfernt — so was lässt mich zittern. Die SPD hat sich dort halbiert, auch die Linkspartei musste Verluste einfahren. Man muss sich ernsthaft fragen, was in dem Bundesland los ist. Es hat den niedrigsten Anteil an ausländischen Mitbürgern und die geringste Aufnahmequote für Flüchtlinge. Und dann so ein Wahlergebnis.

Es ist ein Desaster. Ich schäme mich in einem Land zu wohnen, wo Rechsradikalismus in Form der AfD wieder salonfähig wird. Man kann sich als mitfühlender Mensch nur betroffen fühlen, wenn angesichts der Probleme in dieser Welt, angesichts von Hunger, Not, Verfolgung und Tod die Antwort in diesem Land die ist: Grenzen dicht und auf alles schießen, was reinkommt.

Wobei, es ist keine Antwort von Frau Merkel und anderen Politikern, sondern eine Antwort der AfD und die Meinung von einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung. Die Ergebnisse werde ich erstmal verdauen müssen. Mein Eindruck soweit ist der, dass dieses Land an einem Werteverlust leidet. Insbesondere verkommt die Christlichkeit zur Bedeutungslosigkeit. Großen Respekt zolle ich daher ehemaligen Politkern wie Norbert Blüm, der eine Nacht im griechischen Flüchtlingscamp Idomeni verbrachte. Im Zelt. Das Foto davon ist sehr bewegend. es ist etwas, woran ich mich hoffend klammere. Vielleicht bringt es einige Menschen doch zum umdenken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren