Ein N für die Wölfe

Ein N für die Wölfe

Neben dem ganzen Streaming-Gedöns schauen meine Frau und ich gelegentlich (man kann es auf ein Jahr gerechnet wirklich an zwei Händen abzählen) auch Fernsehen. Aufgenommenes, aus der Konserve wenn man so will. Ausschließlich öffentlich-rechtlich mit deutlicher Neigung zu arte. Tipps für die Aufnahmen stammen, wie sollte es anders sein, aus der Süddeutsche Zeitung-

Dort besprochen lief auf arte kürzlich „Wolf Hall“, eine BBC-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hilary Mantel. Der Roman, für den Mantel einen Booker-Prize gewann, der mittlerweile einen Nachfolger hat (ein dritter Band ist geplant) und den ich persönlich, nicht ganz so gut fand.

RonPorter / Pixabay

Die Fernsehserie schafft es, die von mir empfundenen Schwächen des Romans zu kompensieren in dem es die Handlung komprimiert. Vor allem, in dem die Anzahl der Rückblenden erheblich reduziert wird. Die Geschichte selber gewinnt dadurch enorm, auch leidet die Darstellung der Hauptfigur nicht darunter. Mittelpunkt ist nicht Heinrich der VII., auch nicht Anne Boleyn — eine historische Figur, die mich aus sehr naheliegenden Gründen fasziniert. Hauptfigur von „Wolf Hall“ ist Thomas Cromwell, der Sohn eines Hufschmieds, aus dem die rechte Hand des Königs wird.

Der Verfilmung ist atmosphärisch sehr dicht, ohne Längen. Man benötigt allerdings ein gewisses Maß an Konzentration, um der Handlung zu folgen. So wie es im Buch bereist auch schon der Fall war. Gelungen ist auch die Besetzung der einzelnen Rollen. Die Ähnlichkeit der Schauspieler mit den realen Personen ist beeindruckend, man merkt es besonders in der Szene, wo Hans Holbein der Jüngere Thomas Cromwell malt. Mark Rylance sieht Cromwell verblüffend ähnlich.

Für mich war „Wolf Hall“ Anlass, mir außerhalb der Reihenfolge ein Buch aus dem Lesestapel vorzunehmen. „Die Ermordung Margaret Thatchers“ von Hilary Mantel, eine Sammlung von Erzählungen. Das Buch ist, so viel stand bereits vorm lesen der ersten Geschichte fest, anders als „Wolf Hall“. Die Kurzgeschichten von Mantel sind lesenswerte Miniaturen, die einen vollständig in den Bann ziehen. Es ist schwer zu sagen, welcher der Texte mir am besten gefällt, sie sind alle gut. Figuren, die unter die Haut gehen. Geschichten, die einen nachdenklich zurück lassen und die man erstmal verdauen muss, bevor man sich der nächsten zuwenden kann.

Der Fahrer legte eine behaarte, besitzergreifende Hand auf ihren Gepäckwagen. Er war untersetzt, hatte einen ordentlichen Schnauzbart und trug eine Drillichjacke mit geschlossenem Reißverschluss, unter der das karierte Futter hervorlugte, als wollte er sagen: Vergesst eure Sonnenschein-Illusionen.
Auszug „Winterferien“ in „Die Ermordung Margaret Thatchers“ von Hilary Mantel

Die mit dem wohl größten Paukenschlag am Ende jedoch dürfte „Winterferien“ sein. Ein Mann und eine Frau lassen sich vom Flughafen mit dem Taxi zum Hotel fahren, die Frau reflektiert unterwegs ihre Beziehung — mehr darf man schon gar nicht verraten. Unbedingt selber lesen!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren