Mensch to Go — Computer gewinnt

Mensch to Go — Computer gewinnt

In dieser Woche wurde die Meldung veröffentlicht, dass das selbstlernenden Programm AlphaGo von Google den dreifachen europäischen Go-Meister Fan Hui besiegt hat. An Computerprogramme die spielen, sind wir längst gewöhnt. Auch daran, dass sie in gewisser Weise Menschen überlegen sind — man muss mit solchen Aussagen und Formulierungen vorsichtig sein. Wenn es etwas gibt, was als unumstößliche Wahrheit wie ein Fels in den Strömen der Zeit fest steht, dann das Mensch sich irrt. Oft und gründlich. Insbesondere in Bezug auf Go wurde mir das einmal mehr bewusst.

omeralnahi / Pixabay

Anfang der 90er Jahre entdeckte ich dieses jahrtausendealte Spiel für mich, kaufte sogar ein Buch darüber, geschrieben 1978 von Winfried Dörholt. Mittlerweile ist das Papier vergilbt, gelesen aber immer noch in meinem Besitz. Die Regeln von Go darin, die Erklärungen zum Spiel und die Lektionen, um ein besserer Spieler zu werden, sind immer noch gültig. Ein Aussage jedoch hat mittlerweile lediglich historischen Wert:

Sollte die schreckliche Macht der Automaten das Go-Spiel erobern, würde bald das allgemeine Interesse an dem Spiel verloren sein. Doch diese Besorgnis ist völlig grundlos. Glücklicherweise erlauben die drei einfachen Spielregeln derart viele Kombinationen, daß sie selbst der größte Computer nicht überschauen wird — nicht einmal, wenn alle zur Verfügung stehenden Anlagen im Verbund das Problem angehen würden.

Geschlagen von einem neuronalen Netzwerk. Für das Spiel selber ist das keine Schande. Es wird auch kaum dazu führen, dass Go seinen Reiz verliert — genau so wie Schach, bei dem schon deutlich länger Programme gibt, die erfahren menschliche Gegner schlagen.

Für mich ist es im Gegenteil so gar ein Gewinn, denn mit Go-Programm steht rund um die Uhr ein Spielpartner zur Verfügung. Und da ich alles andere als in der Profiliga spiele, braucht es dazu nicht mal die Leistung eines Netzwerks, sondern ein normales iPad und eine Go-App reicht vollkommen aus. Mein persönlicher Favorit stammt von einem Entwickler Salt Lake City und nennt sich „SmartGo Kifu“. Seit sechs Jahren gibt das Programm im App-Store und es wird kontinuierlich weiterentwickelt und mit Updates versorgt, zuletzt am 29. Januar 2016. Knapp 20 Euro kostet es und ist, sofern man sich auch nur ansatzweise für Go interessiert, eine verdammt gute Investition. Vom selben Autor gibt es auch „Go Books“, eine App mit der sich digitale und vor allem interaktive Go-Bücher kaufen lassen — gut geeignet um besser zu werden.

Ersetzen kann das alles jedoch nicht den menschlichen Spielpartner, denn Go ist mehr als ein Spiel, es ist ein Stück Kultur. Man genießt es bei einer Tasse grünen Tee, mit Ruhe und Geduld. Rund um das Spiel hilft einem der Deutsche Go-Bund(Achtung, die Seite ist extrem hässlich!) oder eine der lokalen Gruppe, wie zum Beispiel die Kölner Go-Gruppe, die sich regelmäßig hier in Nippes trifft.

SmartGo Kifu
SmartGo Kifu
Entwickler: Smart Go, Inc.
Preis: 21,99 €

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren