Der fremde Tote, Teil 9

Der fremde Tote, Teil 9

Etwas zu übersehen, was eigentlich vorhanden war gehörte auch wie jemanden wie Philipp Braun zu den einzigartigen Phänomenen. Hätte sich Braun um 180 Grad gedreht, wäre ihm der Weihnachtsmann kaum entgangen. So aber ließ er das Fast Food Restaurant ebenso hinter sich wie seinen Verfolger.

Mit dem Unterschied, dass das Restaurant an Ort und Stelle blieb. Für jemanden der von einem Weihnachtsmann verfolgt wurde, verhielt sich Braun zudem sehr entgegenkommend. Jemand anders hätte möglicherweise einen großen Bogen um den Weihnachtsmarkt gemacht. Seine Ziellosigkeit trieben Braun jedoch genauso wie seine Neugierde. Der Platz vor dem Rathaus bestand einer Ansammlung von Holzbuden, die kleine Gassen bildet. Ideal, um im Gedränge die Übersicht zu verlieren.

Möglicherweise ließ sich auch ein Verfolger abschütteln. Braun verspielt diese Chance, als er vor einer geschlossenen Bude stehen blieb. Die rechte Seite des Holzverschlags war völlig verkohlt. Der Besitzer stand mit zwei Polizisten an der Seite. Brandstiftung — eines der vielen Wörter, welches aus dem Redeschwall des Besitzers, welcher ansonsten wüste Beschimpfungen enthielt, hervorstach. Der ganze Markt sei doch in der Hand einer Familie, lamentierte der Eigentümer der Weihnachtsbude. Den Verdacht eines Besitzers der Nachbarbude, möglicherweise selber den Brand gelegt zu haben, wies er entrüstet zurück.

Braun verspürte wenig Lust auf Glühwein oder anderen sentimentalen Kitsch, welche die Allgemeinheit mit Weihnachten verband. Im Slalom lief er um Touristen, die vor den Ständen in Gruppen ihrer Begeisterung freien Lauf ließen.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren