Die Wurst des Todes

Die Wurst des Todes

Eine Meldung aus den vergangenen Tagen. Verarbeitetes Fleisch, so die internationale Agentur für Krebsforschung, errege nachweislich Krebs. Und schon steht Deutschland (mal wieder) Kopf, während Veganer und Vegetarier auf uns Carnivore mit den Fingern zeigen und rufen „Seht ihr, wir wussten es!“.

Ganz plump würde ich ja behaupten, zu viel Wissen erhöht das Krebsrisiko. Tatsächlich aber ist es so, dass das Leben an sich ein Risiko ist. Uns allen ist bekannt, dass es in jedem Fall zum Tode führt. Am Ende kommt es daher vor allem darauf an, was man daraus gemacht hat, also wie man lebte oder ob man nur vor sich hin vegetierte (interessant, was man in diese Redewendung hineininterpretieren kann).

Leben. Wenn es um die Wurst geht.

Mit Statistiken und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es so eine Sache. Sie sind, Achtung, mit Vorsicht zu genießen. Gerne erinnere ich in diesem Zusammenhang immer an die Mär vom Spinat, der extrem viel Eisen enthielt. Bis heraus kam, das da wohl ein Komma verrutscht war.

Tabble / Pixabay

Wie dem auch sei, unser (täglicher) Fleischkonsum ist auf jeden Fall tödlich. Für Schweine, Rinde, Hühner und das ganze andere Viehzeug, was wir zu Nahrung verarbeiten lassen. Das Problem aus meiner Sicht ist weniger ein eventuell leicht gestiegenes Krebsrisiko, sondern die Art und Weise, wie wir mit Fleisch als Lebensmittel umgehen.

Die Wurst mit Gesicht ist nicht gefährlich, wohl aber unser nicht vorhandener Bezug zu ihrer Herkunft. Nach wie vor ist es den meisten von uns herzlich egal, unter welchen Bedingungen Tiere aufwachsen, gehalten und geschlachtet werden. Wer sein Schwein mit Namen kennt, isst die Wurst daraus später auch mit einem ganz anderen Bewusstsein.

Zurück aber zur Meldung an sich. Ein erhöhtes Krebsrisiko wird keine dauerhafte Veränderung in Bezug auf den Fleischkonsum bewirken. Das hat BSE schon nicht wirklich geschafft und nach wie vor wird geraucht, obwohl das Krebsrisiko wirklich hinlänglich bekannt und bewiesen ist.

Fleisch ist ein Bestandteil unser Kultur, unser Bezug zur Wurst ist frühkindlich geprägt. Eine Scheibe Fleischwurst von der Metzgerin geschenkt zu bekommen, ist Kinderglück — zumindest in meiner Vorstellung. Auf das Grillen von Würstchen im Sommer möchte ich für meinen Teil nicht verzichten, auch wenn das tatsächlich ein Krebsrisiko in sich birgt — und zwar ganz unabhängig davon, ob da eine echte Wurst oder eine aus Tofu vor sich hin brutzelt.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren