Was sollen Kölner wählen?

Was sollen Kölner wählen?

Je größer der Abstand zwischen mir und dem Abonnement des Kölner Stadt-Anzeigers, desto kleiner wird mein Informationsvorsprung gegenüber den Menschen in Köln, die gar keine (eigentlich gibt es ja nur eine in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen) lokale Zeitung lesen. Ehrlich gesagt, mittlerweile bekomme ich nur noch sehr sporadisch mit, was in Köln passiert.

Zum einen durch die monatlich erscheinende stadtrevue, zum anderen durch die Süddeutsche Zeitung. Ja, auch die Bayern werfen ab und an ein Blick auf die Stadt am Rhein und ihre Besonderheiten. Dort stand heute etwas über die Kölner Oper und das Schauspielhaus. Die Wiedereröffnung verschiebt sich mindestens um ein Jahr, wie das bei Bauprojekten auch in anderen Städten (aber besonders halt in Köln) mal gerne der Fall ist. Während man aber anderswo noch einen Plan B in der Tasche hat, fehlt dieser in Köln. Gleichzeitig will niemand die Verantwortung übernehmen.

Didgeman / Pixabay

Wenn ich so was lese, wird mir erneut klar, warum ich an fünf Tagen die Woche so meine Probleme mit Köln habe. Ein gewisser Schlendrian mag vielleicht sympathisch wirken, oftmals nervt sowas aber nur, wenn es nicht sogar auch noch schädlich ist. Der Satz „Et hätt noch emmer joot jejange“ ist hier in Köln eine Art Mantra. Je häufiger man sich es einredet, desto weniger schlimm empfindet man es hinterher, wenn es wie zu erwarten gewesen wäre schief läuft.

Auf die leichte Schulter nehmen ist eine rheinische Lebenseinstellung. Es wenn alles bereits in Flammen steht, schaut der Kölner mal gemütlich nach, ob der Eimer ein Loch im Boden hat.

Aber gut, es gibt auch noch andere Themen in Köln, von denen ich zu meinem Leidwesen auch weniger als vor ein paar Monaten mitbekommen. Die Wahl des obersten Vertreters / Vertreterin wirft ihre Schatten voraus. Am 13. September wird der neue Oberbürgermeister (beziehungsweise die neue Oberbürgermeisterin) gewählt und aller Wahrscheinlichkeit wird wenig später noch Stichwahl erforderlich sein zwischen der gemeinsamen Kandidatin von CDU, Grünen und der FDP und dem Kandidaten der SPD. Über so eine Stichwahl kann man geteilter Meinung sein, aber hier mit Kosten zu argumentieren, halt ich für wenig demokratisch. Demokratie hat ihren Wert, so ist das halt.

Was den ersten Wahlgang angeht, werde ich diesen wieder hautnah verfolgen, denn ich habe mich wieder als Wahlhelfer gemeldet. So werde ich als einer der ersten mitbekommen, wie sich die Wählerinnen und Wähler in Nippes entscheiden.

Dabei ist die Entscheidung alles andere als leicht, denn und damit kommen wir wieder zur abbestellten Zeitung zurück, über das beziehungsweise denjenigen, den man da wählen soll, erfährt man recht wenig. Ott überzeugt heisst es — aber bitte womit? Mit Phrasen auf einem Wahlplakat? Allein das ergibt noch keinen Unterschied zu Henriette Rekers. Wer sich nicht informiert, steht vor einem Rätsel, spätestens dann, wenn er den Wahlzettel in der Hand hält. Mir als Zeitungsleser geht es ähnlich, da ich eben die „falsche“ Zeitung lese. Überregional fehlt einem (manchmal) etwas. Das ich ein Einzelfall bin, glaube ich eher weniger.

Wie sich also entscheiden am Wahltag? Nach Nase? Würfeln? Fest steht, keiner der Kandidaten wir die Bürgerinnen und Bürger einzeln zu Hause aufsuchen. Man muss sich als mündiger Bürger schon selber bemühen — in der Politik gibt Souverän eine Holschuld. Er muss sich selber informieren. Unterlässt er das, macht er es den Politikern leicht oder zumindest leichter.

Was also sollen Kölner wählen? An dieser Stelle würde ich gerne, wie bei anderen Wahlen, schreiben, dass es vor allem wichtig ist, überhaupt wählen zu gehen. Indes, es fällt mir schwer solches in diesem Fall zu behaupten. Selbst für mich habe ich noch keine Ahnung, nur ein Bauchgefühl. Und damit kann man weder jemanden überzeugen, noch eine ernsthafte Empfehlung aussprechen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren