Mieten statt kaufen

Mieten statt kaufen

Innerhalb der Europäischen Union ist Deutschland das Land mit der schlechtesten Wohneigentumsquote. Anders ausgedrückt gibt es hierzulande mehr Menschen, die zur Miete wohnen als welche, die ein Eigenheim besitzen.

Während in Deutschland die Wohneigentumsquote bei 43% liegt, führt Spanien in der EU das Ranking mit 87% an. Hinzu kommt, dass in Deutschland die Miete vergleichsweise hoch sind. Allerdings ist die Wohnqualität gemessen am europäischen Durchschnitt, ausgesprochen gut. Das sind allerdings nur rein statistische Aussagen, gegenteilige Beispiele gibt es zu Genüge, zum Beispiel in Köln-Chorweiler eine ganze Siedlung verkommt, weil der derzeitige Eigentümer sich den Bestand vernachlässigt. Man spricht in dem Zusammenhang auch von Wohnungsheuschrecken.

karlherl / Pixabay

Der Erwerb von Wohneigentum ist in Deutschland nicht nur teuer sondern nicht nur für viele Familien mit geringeren Einkommen etwas, was lediglich ein Traum bleiben wird. Günstige Konditionen gibt es nur in Gegenden, die nahezu unerschlossen sind oder bei denen die Bevölkerung so stark schwindet, dass ganze Ortschaften verfallen.

Anfang der Woche war in der Süddeutsche Zeitung zu lesen, dass Deutsche Annington sich erneut vergrößert und einen Mitbewerber, die Süddeutsche Wohnen, aufkauft. Damit hat das Unternehmen rund 370.000 Wohnungen in seinem Bestand. Ein Riese auf dem Immobilienmarkt.

Mit etwas Recherche und den richtigen Stichwörtern stößt man im Internet schnell auf Artikel zur Deutschen Annington. DDie Firma ist, so lässt sich wertfrei feststellen, weit davon entfernt ein Wohlfahrtsunternehmen zu sein.

Man kann über die Fusion lamentieren. Oder über Alternativen nachdenken, sich Förderprogramme ausdenken. Mir geht jedoch seit ein paar Tagen etwas ganz anderes durch den Kopf, eine eher grundsätzlich und zugegeben ketzerische Frage. Das man etwas, was man mit eigenen Händen hergestellt hat, sich verkauft beziehungsweise gegen andere Waren oder Dienstleistung tauscht, ist nachvollziehbar. Mit eigenen Händen ist dabei auch im übertragenen Sinne gemeint, es zählt auch anderes dazu. Musik die man macht, Dinge die man erzählt, schreibt und so weiter.

Was ich meiner ganz persönlichen Meinung nach explizit von der Möglichkeit, es zu verkaufen, ausschließen würde sind Sachen, die einem im Grunde nicht gehören können. So ist es für mich seit Jahren ein Rätsel, wie überhaupt jemand auf die Idee kommen konnte, ihm gehöre ein bestimmter Flecken Land. Grund und Boden dürften eigentlich niemanden gehören. Wir bewohnen die Erde, aber sie gehört uns nicht. Ergo steht das ganze Konzept von Grundstücken, die jemand angeblich besitzt, auf tönernen Füßen.

Das ist jetzt kein Votum für Enteignung (die auch wieder eine andere Form der Ungerechtigkeit nach sich zieht), sondern lediglich als Denkanstoß gedacht. Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis. In deutschen Grundgesetz finde sich dazu jedoch nichts. Dafür aber ist ein Menschenrecht auf angemessenes Wohnen in Artikel 11 (1) des UN-Sozialpakts verankert. Eine Garantie, für deren Einhaltung eigentlich alle Staaten verantwortlich sind. Auch darüber sollte man mal nachdenken, wenn man die Entwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt redet.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren