Ehe für alle

Ehe für alle

Seit über 20 Jahren bin ich mit ein und derselben Frau zusammen. Fast 16 Jahre ist es her, das wir geheiratet haben. Kinder gehören nicht zu unserem Lebensplan. Dafür müssen wir uns nicht schämen, es ist eine freie Entscheidung.

Verheiratet, keine Kinder? Ja darf man das überhaupt? Zumindest viele Blicken stellen diese Frage, manchmal wird man auch direkt darauf angesprochen.

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Für meine Frau und mich ist die Ehe ein öffentlich bezeugtes Versprechen. Wir wollen aus Zeit, die uns bis zu unserem Lebensende bleibt, eine gemeinsame Zeit machen. Für einander da sein, in guten wie in schlechten Zeiten. Gerade das „in schlechten Zeiten“ ist, wenn man sich die Statistiken hinsichtlich Trennungen anschaut, etwas aus der Mode gekommen.

Ehe ist, so meine persönliche Meinung, auch Arbeit. Arbeit an sich selber, Bemühung, seinen Partner zu verstehen, besser zu verstehen. Wenn man sich liebt, muss man nicht unbedingt heiraten. Aber es ist wunderschön, wenn man es darf — unabhängig davon, welche Religion, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht man selber oder der Ehepartner hat.

Lange hat es gedauert, bis in den meisten Ländern der Welt die ersten beiden Hürden genommen wurden. Bis Paare unterschiedlicher Konfession heiraten konnten, bis die Hautfarbe des künftigen Ehepartners kein Hindernis mehr bei der Eheschließung darstellte. Jetzt ist es höchste Zeit, dass dies auch für das Geschlecht gilt.

Der Zweck der Ehe kann es nicht ausschließlich sein, Kinder zu zeugen. Denn andernfalls dürften meine Frau und ich nicht verheiratet sein. Kinder lassen sich auch außerhalb einer Ehe erfolgreich großziehen, wie zahlreiche alleinerziehende Mütter und Väter täglich beweisen. Wenn etwas unter dem besonderen Schutz des Staates gestellt werden sollte, dann die Erziehung der Kinder. In Form einer Familie, die sich wie auch immer es gewünscht und erforderlich ist zusammensetzen darf.

Mann und Frau in Form von Vater und Mutter sind keine Garantie dafür, dass die Kinder in der besten aller Umgebung aufwachsen. Wenn es um das Kindeswohl geht, geht es, genau wie in der Ehe, um Liebe. Liebe zum Kind, beschützen und behüten. Das ist genau so gut in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft möglich. Und ehrlich gesagt, wenn ich mir so manche Familien und Ehen ansehe, würde ich sogar behaupten, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft für das Wohl des Kindes besser ist, denn jedes Kind in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft ist immer ein Wunschkind.

Es spricht auch nichts dagegen, gleichgeschlechtlichen Paare die Adoption in genau der Form zu erlauben, wie es auch einem Paar aus Mann und Frau möglich ist. Unsere Gesellschaft erlaubt ja auch Frauen und Männern gleichermaßen, Lehrerinnen und Erzieher zu werden.

Ehe bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Für seinen Partner, für Kinder die das kommen mögen, egal auf welche Weise. Es gibt keinen Grund, Menschen diese Verantwortung nicht zuzutrauen, nur weil sie das gleiche Geschlecht haben. Die Ehe gleichgeschlechtlichen Paaren vorzuenthalten, verstößt gegen die Menschenwürde. Und wenn es tatsächlich so sein sollte, dass eine Religion die Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren verbieten, dann ist es wohl die falsche Religion — oder eine fehlerhafte Auslegung des Glaubens. Gott hat die Menschen so gemacht, wie sie sind und ihnen die freie Entscheidung überlassen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren