Die Rolle des Essens in der Schule

Die Rolle des Essens in der Schule

Im Rahmen des gestern stattfindenden „Bundeskongresses Schulverpflegung“ wurden Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung zur Qualität der Schulverpflegung vorgestellt. Durch Presse wird Kölner Stadt-Anzeiger oder Süddeutsche Zeitung wird das Thema aktuell Effekt heischend aufbereitet. Es wird zu viel Fleisch gegessen und zu wenig Gemüse. Zudem sei die Qualität nicht immer auf dem Stand, auf dem sie sein sollte. Von Schülern ist zu hören, dass sie die Mensa oft zu laut empfinden und ihnen keine angemessene Zeit für das Mittagessen zur Verfügung gestellt wird.

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Verpflegungsanbieter in Schulen

Die vom Bundesernährungsministerium vorgeschlagenen Standards sehen Fleisch nur maximal zweimal pro Woche vor, dazu täglich Rohkost und Gemüse. Auch wenn sich das nach einem guten Anfang anhört, reicht das bei weitem nicht aus. Schulessen, ein weites Feld. Es gibt mehr als nur ein Problem, welches gelöst werden muss. So trieb der KSTA, dass Schülerinnen und Schüler ganz bestimmte Lieblingsgerichte hätten. Das wäre ein Ansatzpunkt, um sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Es gibt nämlich Gründe, warum Kinder Pasta und Pizza als Lieblingsgerichte angeben. Würde man sich die Mühe machen nachzuforschen, woher das kommt, dürften sich interessante Erkenntnisse ergeben. Meine These wäre, dass es Pasta und Pizza nicht Gerichte sind, welche die Kinder von Zuhause als wirklich frisch gemacht kennen. Die Pizza wird vermutlich in den meisten Fällen aus der Kühltruhe stammen. Die Pasta hat dann Mamma Mirácoli vorbereitet. Beides sind Gerichte, bei dem der Laie in der Küche wenig falsch machen kann (gut, es gibt immer noch Menschen, die vergessen die Folie von der TL-Pizza zu entfernen…).

Das Essen, was Kinder mögen, ist etwas, was ihnen verspricht, lecker zu schmecken — weil Papa und Mama vielleicht gar nicht kochen können. Dabei ist aus meiner Kochen eine wichtige Grundfertigkeit. Wenn aber die Schülerinnen und Schüler richtiges Kochen nicht von Zuhause kenne, werden sie es vermutlich auch selber später kaum beherrschen. Dazu kommt, dass in über 80 Prozent der untersuchten Schulen das Essen entweder extern angeliefert wird oder von einem Cateringunternehmen stammt. In nur wenigen Fällen stammt das Essen von Schülerfirma oder Ehrenamtlichen. Umgekehrt wäre es erheblich besser.

Für Heranwachsende ist es wichtig, die Zubereitung des Essens vor Ort mitzuerleben. Zu sehen und zu wissen, was in ihrer Mahlzeit drin ist, schafft nicht nur Vertrauen, sondern sorgt auch für auch eine Wertschätzung. Betreiben die Schüler die Mensa selber, gibt es zudem einen Lerneffekt, der sich nicht nur auf das Kochen selber beschränkt. So war das während meiner Schulzeit auch, als am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel ein von Schülern und Eltern betriebenes Bistro eingerichtet wurde.

Wie wichtig Mitsprache bei dem ist, was auf dem Tisch kommt, merkt jeder dann, wenn er seie Füße nicht mehr unter dem elterlichen Tisch hat. Es sollte niemals einfach nur gegessen werden, was auf den Tisch kommt. Ich für meinen Teil bin sehr froh, kochen und täglich selber entscheiden zu können, was es zu essen gibt. Essen ist Leben. Eine so wichtige Sache wie Essen sollte niemand zu einer lästigen Notwendigkeit degradieren. Das führt im weiteren Leben möglicherweise zu Essstörungen und zu anderen ernährungsbedingten Krankheiten.

Diskutiert man mit der Schulverwaltung über die Einrichtung einer angemessen Mensa, dann werden zu oft bautechnische Unzulänglichkeiten vorgeschoben. Für eine richtige Mensa, in der frisch gekocht werden kann, sei kein Platz. Mit anderen Worten, gesunder Ernährung und Schulung zu richtigem Essverhalten kann (oder will) man keinen Platz einräumen. Wenn das Bundesernährungsministerium seine Aufgabe ernst nimmt, dann muss es dafür gemeinsam mit den Schulbehörden Lösungen erarbeiten. Dabei sollte auch diskutiert werden, in wie weit man der Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Convenience Food einen Riegel vorschieben kann. Ein sicherlich heikles Thema ist auch die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Fast Food und Süßigkeiten durch die Hausmeister der Schule, denen damit ein lukrativer Zusatzerwerb gestattet wird.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren