Das Grausen im Fass — Niacin Überdosis

Das Grausen im Fass — Niacin Überdosis

Vor sechs Tagen hatte ich mich beider der Blogparade zum Thema Taschenbuch, eBook und Zeitungen trotz meiner Vorliebe für eBooks als hoffnungsloser Anhänger einer gedruckten Zeitung geoutet. Ein meiner Frühstückszeitung halte ich trotz diverser Widrigkeiten fest. Heute, zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen, gab es zum Frühstück keine Zeitung. Irgendwas stimmt mit dem Zusteller nicht, denn auch innerhalb der Woche wird etwas unkonventionell zugestellt — aber immerhin ist dann die Zeitung da, wenn ich sie lesen möchte.

Nicht lesen geht bei mir zum Frühstück nicht, daher wende ich mich dann entweder Resten vom Vortag zu oder aber ich lese Verpackungsaufdrucke von Lebensmitteln. Dabei kann man interessante Sachen entdecken, auch wenn es einem mitunter den Appetit verschlägt. Bei der Fassbrause von Gaffel habe ich mich dagegen eher gewundert. Auf der Webseite zum Produkt konnte ich das noch mal nachlesen, ich hatte mich mit meinen noch müden Augen also nicht verguckt:

% RDA*

  • Vitamin C 24,0 mg 30,0 %
  • Niacin 4,8 mg 30,0 %
  • Pantothensäure 1,8 mg 30,0 %
  • Vitamin B6 0,42 mg 30,0 %
  • Folsäure 60,0 µg 30,0 %
  • Calcium 36,0 mg 4,5 %
  • Magnesium 16,9 mg 4,5 %

*% RDA pro 100 ml = Prozentanteil der empfohlenen Tagesdosis gemäß EU-Richtlinie 2008/100/EG.

Quelle: Webseite Gaffel-Fassbrause

Eine Flasche Fassbrause enthält 330 ml. Damit hat man dann bereits seine empfohlen Tagesdosis an Vitamin C, Niacin, Pantothensäure,Vitamin B6 und Folsäure erreicht. Meine Frau und ich kaufen in der Regel immer ein Sixpack Fassbrause. An einem Abend und Nachmittag braucht sich das meist vollständig auf. Jeder von uns hat damit die Tagesdosis um das dreifache überschritten — und dabei haben wir nur Fassbrause getrunken, nicht mal einen Liter pro Person.

Laut derzeitigen Forschungsstand ist keiner der Substanze in der Fassbrause bedenklich, je nach dem wer sich da äußert. Überflüssiges Vitamin C beispielsweise soll der landläufigen Meinung nach wieder vom Körper ausgeschieden werden. Zu Niacin gibt es vom Bundesinstitut für Risikobewertung eine Stellungnahme, in der es unter anderem heisst:

Nicotinsäure kann in Dosen über 30 mg gefäßerweiternde Wirkungen auslösen. Ab Dosen von ca. 30 mg bis 50 mg Nicotinsäure (bei 5 % bzw. 50 % der Personen bei Dosen von 50 mg bzw. 100 mg Nicotinsäure) ist mit einer Flush-Symptomatik (Hautrötung an Gesicht, Na- cken und Arme sowie sonstigen Körperarealen, Pruritus, Hitzegefühl, Urticaria) zu rechnen, mitunter auch in Verbindung mit Schmerzbeschwerden.

Quelle: Stellungnahme Nr. 018/2012 des BfR vom 06. Februar 2012

Andere Quellen sprechen von einer Flush-Gefahr erst ab 500 mg.

Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass auch in anderen Lebensmittel Niacin enthalten ist. Die meisten Menschen dürften hierzulande keine Mangel an Niacin haben, wie auch an den anderen Stoffen, die Gaffel in seine Fassbrause mischt. Unabhängig davon, ob und welche Nebenwirkung möglicherweise auftreten, stellt sich vor allem die Frage, warum die Zusatzstoffe überhaupt in dem Produkt enthalten sind. Zusätzlich verwundert die nicht gerade geringe Dosierung. Wie bereits festgestellt, reicht bereits eine Flasche aus, um die Tagesdosis zu erreichen.

Angesichts der Inhaltsstoffe frage ich mich für meinen Teil, ob ich nicht besser künftig auf Fassbrause verzichte. Sollte ich tatsächlich Mangelerscheinung haben, ist der Besuch eines Arztes auch wesentlich als Eigentherapie mit einer Fassbrause.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren