Supergeil ist nur der Hype

Mangels aktivem Fernsehkonsum bleibt mir mindestens 90 Prozent der Werbeclips erspart. Im Internet selber lese ich Nachrichten und Artikel entweder über RSS oder werbebefreit mit der Reader-Funktion von Safari. Die restlichen zehn Prozent sind eher Unfälle oder aber wie der aktuelle EDEKA-Werbung etwas, was seinen Weg aus den angestammten Werbeplätzen in Feuilleton geschafft hat. Selbst bei Zeit-Online schreibt man etwas über Friedrich Liechtenstein, der mit einem seiner Songs, leicht modifiziert, massiv Werbung für den Supermarkt macht. Immer wieder dabei: Supergeil!

liechtenstein_supergeil

Das Werbung kein Abbild der Wirklichkeit ist, sollten die meisten Volljährigen wissen (wobei, Richtung Wahlergebnisse blickend bin ich mir da nicht mehr so sicher). Was da im Clip als Verkaufspersonal herumtanzt, mag zwar für eine bestimmte Zielgruppe auch supergeil sein, aber tatsächlich sehen die Mitarbeiterinnen bei EDEKA doch im Durchschnitt anders aus.

Postuliert werden die Eigenmarken des Supermarkthändlers. Produkte, die wie Liechtenstein sie anpreist, „Supercrunchy, supertasty, supercrazy, supergeil, superfruchtig, superlecker, supersmooth“ sein sollen. Den Clip habe ich mir mehrmals angesehen, versucht es vorurteilsfrei aufzufassen. Ist mir leider eher weniger gelungen. Der Cip, so finde ich, ist alles andere als supergeil, sondern eher superpeinlich. Die Frage nach einer möglichen Zielgruppe stellt sich erst gar nicht., eher schon die, ob es die Produkte promotet oder die Marke. Und wenn die Marke, dann welche — EDEKA oder Liechtenstein? Letzterer dürfte weit aus mehr von dem Video profitieren. Weil er dafür bezahlt wurde und weil er es ist, über den gesprochen wird.

Das Video kann man mögen oder auch nicht, aber es gibt hierzulande viel, die es witzig, spaßig oder sogar supergeil finden. Und das wiederum fällt auch im Ausland auf. So heisst es dann bei Buisness Insider, „This Bizarre Supermarket Commercial Says So Much About German Culture“. Um Gottes Willen! Das Video als Aussage über unsere Kultur. Dabei kommt es gar nicht mal so schlecht weg, im Gegenteil. Als kluturaffiner Mensch fasst man sich an den Kopf, will ihn davon abhalten, immer und immer wieder auf den Schreibtisch zu fallen. Wenn der Spot das beste ist, was in den letzten Jahren produziert wurde, kann man den aktuellen Hype schon ein wenig verstehen. Auf der anderen Seite sagt es viel über unser deutsche Befindlichkeit und Kreativität aus. Wie können Literatur, gute Autos und ein paar andere Sachen aber von Videoclips und Serien sollten wir lieber die Finger lassen. Dafür gibt es andere Länder, wo man deutlich mehr davon versteht.

Es geht darum Emotionen und nicht Aversionen zu wecken.

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