Bildungsarmut ermöglicht Steuersenkung

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in einer internationalen Untersuchung die Lese-, Rechen- und Problemlösungskompetenzen von Erwachsenen in 24 Industrieländern untersucht. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, sollen demnach viele deutsche Erwachsene auf Niveau von Zehnjährigen lesen können.

Zu gute halten könnte man den Betroffenen, dass sie weder zu den 2 Millionen Analphabeten bzw. 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland gehören. Um über die Lese- und Rechenschwächen der Deutschen ein Bild zu bekommen, muss man allerdings nicht erst eine teure Studie bemühen. Es reicht ein einfacher Blick auf das Wahlergebnis der zurückliegenden Bundestagswahl. Rund 42 Prozent der Wählerinnen und Wähler können anscheinend weder richtig lesen (Parteiprogramm) noch ordentlich rechnen.

Insbesondere bei den mathematischen Fähigkeiten scheinen die Defizite aber noch weit aus schlimmer zu sein, als uns die vorgestellte Studie glauben machen will. Selbst wichtige Berufsgruppen wie Parteivorsitzende und Politiker scheinen von der Rechenschwäche nicht ausgenommen zu sein.

So rückte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel von der Forderung seiner Partei nach einer Steuererhöhung ab. Ohne freilich zu sagen, wie die anderen Forderungen aus dem Wahlprogramm finanziert werden sollen. Das könnte dann der mögliche Koalitionspartner:

Für uns sind Steuererhöhungen kein Selbstzweck. Wenn CDU/CSU das nicht wollen, müssen sie erklären, welche Alternativen es dann zur Finanzierung gibt.
Sigmar Gabriel

Trotz des ansonsten bei Bildungstest eher mittelmäßig abschneidenden Nordrhein-Westfalens scheint es dort noch Menschen zu geben, die rechnen können. Wie zum Beispiel der Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Im Gegensatz zum Sigmar weiss Norbert nämlich, dass zusätzliche Leistungen auch zusätzliche Lasten bedeuten. Schlauer hätte es bei der Sendung mit der Maus auch nicht formuliert werden können.

Walter-Borjans befürchtet negative Auswirkungen einer ausbleibenden Steuererhöhung. So wäre eine Plünderung bei den Sozialkassen, die derzeit Überschüsse (gemeinhin auch als Rücklagen bekannt) haben, denkbar. Defizite würde dann, wie im KSTA zu lesen ist, in die Zukunft verschoben werden. Eine typisch deutsches Syndrom: ADZZL (andere die Zeche zahlen lassen)

Das bei der Untersuchung Länder wie Spanien und Italien noch schlechter abgeschnitten haben als wir Deutschen, wundert nur diejenigen, denen die völlig desolate der dortigen Finanzhaushalte bisher verborgen geblieben ist.

Tröstend ist die Studie aber hinsichtlich der immer wieder aufkeimenden Mediendiskussion. Pädagogen, die meinen, Computer würden die Menschen verblöden lassen, kann man dank des PISA-Tests das Gegenteil beweisen. Eine Menge Bundesbürger ist schlicht zu dämlich um einen Computer zu bedienen. Sie können nicht mal eine Maus bedienen.

Kommentar verfassen