Nachtgrillen ohne Vogel

Mit schnellen Schritten verabschiedet sich der Sommer. Die wenigen verbleibenden Tagen sollte man nutzen, um sich von dem, was man gerne im Sommer gemacht hat, zu verabschieden. Der letzte Freibadbesuch, noch mal Barfuß laufen, vielleicht Shorts tragen. Oder aber draußen grillen.

Letzteres war für gestern Abend eingeplant. Im Gegensatz zu vorgestern oder heute bot das Wetter nicht die besten Voraussetzungen, aber immerhin sollte es trocken sein. Was den Regen angeht, gab es auch keine Probleme damit. Wohl aber mit etwas anderem, was beim grillen nicht zu verachten ist. Licht. Gegen 20 Uhr konnte man auf dem Grill nur noch die Umrisse der Fleischauflage erkenne. Ungünstig, wenn man weder roh noch verkohlt essen möchte.

Hier rächte sich die Lockerheit zurückliegender lauer Sommernächte, in den man Projekte einfach verschob. Vor ein paar Wochen erschien sie auch noch als völlig unwichtig. Wer benötigt schon eine Lampe auf dem Balkon, wenn es draußen noch hell ist. Das es Ende November wieder früher draußen dunkel wird, konnte auch keiner ahnen. Die Lampe fehlte Gestern. Ein Projekt auf jeden Fall für das nächste Jahr. Zum ersten Mal mit Taschenlampe grillen ist auch ein Erlebnis. Bestimmt sorgte das bei ein paar Nachbar, die uns beobachtet haben, für Erheiterung.

Geschmeckt hat es auf jeden Fall. Eine vielleicht etwa zu große Auswahl an Fleisch, dazu schlonziger Gurkensalat mit frischen Kräutern vom Balkon. Als Krönung noch ein großes Glas Sonnenhopfen von Gaffel, das ideal Sommerbier für den Kölner. So darf der Sommer in Erinnerung bleiben.

Einzig der Kanarienvogel hat etwas aufs Gemüt geschlagen. Der landet nicht auf dem Grill, sondern vorher bei offener Balkontür in unserer Wohnung. Entsprechend überrascht war ich beim nach Hause kommen. Statt sofort den Grill anwerfen zu könne, was dann etwas mehr Zeit bei besseren Lichtverhältnissen ergeben hätte, musste ich mich zuerst um den Vogel kümmern. Und das ist nicht einfach gewesen. So leicht wollte er sich weder überreden noch fangen lassen. Aufgeregt flatterte er durch die Wohnung, versucht sich unter Stühlen und Tischen zu verstecken, bis ich seiner habhaft werden konnte.

Braf blieb er dann auf meiner Hand sitzen, nur wusste ich nicht, was nun mit ihm zu tun sei. Niemand schien einen Vogel zu vermissen. Der Vogel und ich gingen nach draußen auf dem Balkon, wo er sich dann entschied, sein Schicksal wieder selber in die Hand zu nehmen. Zwischenlandung in Nachbars Garten. Ausgerechnet bei dem Nachbarn, der eine Katze als Haustier hat, setzte sich der Vogel auf den Gartentisch. Dort saß er dann noch etwas länger. Sein Schicksal verlor sich dann irgendwo in der einsetzenden Dunkelheit.

Der Rest ist Abwasch für die Spülmaschine. Eingepackt wird der Grill auf den nächsten Sommer warten.

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